Der Wal, der keiner mehr sein wollte
948 Stück hat Porsche in den Achtzigerjahren als Flachbau ab Werk umgebaut und heute findet man auf dem Occasionsmarkt kaum noch eines davon. Eine Marktlücke also? Man lässt dieser Tage ja nur wenig unversucht in Zuffenhausen, wenn die Nachfrage das Angebot derart übersteigt. Nur dass Porsche darauf nicht mit einer Kleinserie reagiert, sondern mit mit nur einem einzigen Auto. Klar ist: Das Unikat auf Basis des noch doch schon eher betagten 991.2 GT2 RS hat ein Sammler in Auftrag gegeben.

Zur Erinnerung, worüber wir hier reden: Der Porsche 935, jener Rennwagen, der der Konkurrenz in den späten Siebzigern auf den Rennstrecken davonfuhr, trägt seinen amtlichen Typennamen wegen des Gruppe 5-Reglements und dem 930 als Basis-Fahrzeug. Später kam dann der Begriff Moby Dick dazu, als die 1978er-Spezifikation in Le Mans besonders winschnittig und schnell werden sollte und wegen das eher brachiale Aerodynamik-Paket den nicht gerade schlanken Serien-935 vollends zum Wal machte.

Zurück zum aktuellen Flachbau RS. Die Basis des Umbaus ist wie gesagt kein Neuwagen, sondern ein bereits bestehender: ein 911 GT2 RS des Jahrgangs 2018 mit Weissach-Paket, also jenes Modell, das schon ab Werk auf wenig Gewicht getrimmt war. Über drei Jahre dauerte die Verwandlung zum «Flachbau RS», begleitet von Sonderwunsch Manufaktur, Entwicklungsabteilung, Motorsportteam und Manthey. Weil dabei derart tief in Aerodynamik und Crashstruktur eingegriffen wurde, liess man vorsichtshalber gleich drei Erprobungsträger entstehen, bevor das eigentliche Unikat freigegeben wurde – ein Testaufwand, wie man ihn sonst für eine ganze Baureihe betreibt, nicht für einen einzigen Kunden. Das Preisschild dürfte entsprechend heftig ausgefallen sein.

Design-technisch hat man sich nicht an blosser Erinnerung orientiert, sondern an einer bereits bestehenden Neuinterpretation: Grant Larson, der 2018 zum 70-jährigen Markenjubiläum jene moderne 935-Hommage gezeichnet hatte, von der Porsche eine Clubsport-Serie von 77 Fahrzeugen baute, holte man für dieses Projekt eigens aus der Pension zurück. «Der neue Flachbau RS ist eine moderne, stimmige Neuinterpretation des ikonischen 935 Moby Dick-Designs», sagt Larson, «zentrales Element neben den flacheren Kotflügeln ist die Scheinwerfer-Kaskade mit ihren terrassenförmig angeordneten, sehr schmalen LED-Einheiten.» Ein Zitat, das man nach Studium der Bilder allerdings nicht voll mitgehen muss. Die Carbon-Maske, in der die Lampeneinheiten montiert sind, wirkt doch etwas gar brutalistisch. Hier verliert sich ein wenig die fliessende Form des Neo-935 und es wirkt, als hätten ganz normale Taycan-Lichter dem Flachbau irgendwie besser gestanden. Sei es drum, es ist ja zum Glück nicht unser Problem.

Technisch trägt die Front nun statt der runden Scheinwerfer drei separate LED-Einheiten für Fernlicht, Abblendlicht und Tagfahrlicht in besagter Maske, dazu flachere Kotflügel mit neuen Luftauslässen und eine neue Stossstange. Weiter unten liefern Frontsplitter, die Bodenstruktur aus dem Manthey-Kit, ein Heckdiffusor und ein Flügel im Format des 911 GT3 R jene Abtriebswerte, die man sonst nur bei Fahrzeugen mit Startnummer erwartet: 554 Kilogramm bei einer Höchstgeschwindigkeit von 340 km/h, wobei sich der Flügel je nach Streckenprofil auf drei unterschiedliche Winkel anstellen lässt. Aerodiscs an den Hinterrädern senken zusätzlich den Luftwiderstand bei hohem Tempo.

Innen wird es dann interessant, weil Porsche hier konsequent bleibt, wo andere Hersteller bei «Einzelstück» gerne doch noch Komfortoptionen unterbringen würden. Alcantara in Rot, Leder in Schwarz, dazu Sichtkarbon, während Türverkleidungen und Ablagen komplett verschwunden sind, ersetzt durch spartanische, weiss lackierte Metallflächen. Sogar die neu gezogene Verkabelung bleibt offen sichtbar, statt sich hinter einer Blende zu verstecken.

Bleibt die Kernfrage: Ist das ein Auto oder ein Kunstobjekt mit Strassenzulassung? Alexander Fabig, Leiter Produkt bei Porsche, erklärt es so: «Unser Anspruch war es, die ikonische Optik des 935 neu zu interpretieren, ohne Kompromisse bei Sicherheit, Technik oder Zulassung einzugehen.» Und weiter: «Durch konsequenten Leichtbau wiegt das Einzelstück nun 31,6 Kilogramm weniger. Das klingt zunächst vielleicht unspektakulär, allerdings diente mit dem 911 GT2 RS mit Weissach-Paket bereits ein kompromisslos auf Leichtbau getrimmtes Sportmodell als Basis.»















Preis und Auftraggeber bleiben vorerst Porsche-Geheimnis. Gezeigt wird der Flachbau RS auf der Monterey Car Week und gesehen werden wird er wahrscheinlich in ein paar Jahren ebendort. Als Auktionsware zu einem saftigen Preis. Wer sich bis dahin belesen möchte: Alles Weitere zum echten Moby Dick und seiner Geschichte findet sich, wie so oft, im eigenen Archiv dieses Magazins.

