Höflichkeit
«A little fragile» soll Ayrton Senna gesagt haben, als er im Februar 1989 einen Prototypen des neuen Honda «New Sportscar Experimental» gefahren war. Senna, damals gerade erstmals Weltmeister geworden auf einem von einem Honda-Motor angetriebenen McLaren, wusste um die Befindlichkeiten der Japaner, dieses «little» war ganz wichtig, es durfte ja niemand sein Gesicht verlieren. Die Japaner, Heerscharen von Ingenieuren waren es, hörten zu, nickten freundlich – und begannen eigentlich noch einmal von vorne. Innert weniger Wochen versteiften sie das Chassis ihres von langer Hand geplanten Sportwagens um mehr als 50 Prozent, schufen dabei eine wahre, ewige Sportwagen-Legende, das wohl beste Auto seiner Zeit. Senna, zufrieden mit der neuen Basis, konnte sich dann auf das Feintuning des Fahrwerks konzentrieren, stundenlang soll er auf verschiedenen Rennstrecken Runde um Runde gefahren sein, habe Input gegeben, dieser wurde direkt umgesetzt, Senna fuhr wieder raus, diskutierte, feilte da, gab dort Feedback. Als der Honda NSX 1990 auf den Markt kam, da war er allen anderen Sportwagen derart überlegen, dass es fast schon peinlich sein musste für Ferrari, Porsche und Co. – bloss wollte halt gerade in Europa niemand akzeptieren, dass so ein «Reiskocher» jedem 911 und auch Testarossa schon auf dem Parkplatz so richtig um die Ohren knallte.





























Senna erhielt 1991 von Honda drei NSX zur Verfügung gestellt. Nicht geschenkt, er durfte sie benutzen, zwei schwarze Exemplare, eines in Rot, dieses ausgeliefert nach Portugal, wo der Brasilianer damals im Resort «Quinta do Lago» seinen Lebensmittelpunkt hatte. Das Fahrzeug war auf den portugiesischen Importeur zugelassen, trug die Nummer «SX-25-59» und wurde von Senna anscheinend ziemlich intensiv genutzt. Auch standen Senna und sein Honda für diverse Foto/Film-Shootings als Modelle zur Verfügung, in einer Doku sieht man ihn beim Burn-Out mit dem Japaner, am berühmtesten ist wohl das Bild, auf dem der Brasilianer so tut, als würde er das Auto waschen.


Genau dieser rote NSX, Chassisnummer JHMNA11500T000233, kommt bei RM Sotheby’s in London 2026 zur Versteigerung. Erwartet werden 500’000 bis 800’000 Pfund. Mehr zum NSX haben wir hier, ausserdem ist da immer das Archiv.


Dadurch, dass man die gebogene Heckscheibe aus ein paar Metern Entfernung nicht mehr sieht und das Auto scheinbar an der C-Säule endet, ist die Proportion einfach nicht schön. Der Innenraum ist beliebig und der Wagen war teuer. Und hatte „nur“ sechs Zylinder.
Dafür aber einen schönen Auftritt in Pulp Fiction.