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Supertest 2016-7

Mercedes AMG SL63

Doch, das war dann schon die grosse Überraschung beim #supertest2016. Dass der fette Benz auf dem Salzburgring die zweitbeste Zeit schaffen könnte, das hatte wirklich niemand erwartet. Gut, mit seinen 585 PS war er der zweitstärkste Wagen im Feld – und die 900 Nm maximales Drehmoment, die zwischen 2250 und 3750/min zur Verfügung stehen (also da, wo man es braucht…), sind unerreicht. Aber trotzdem: irgendwie sieht er doch gar nicht nach schnell aus. Mehr so: gepflegtes Cruisin‘ mit leichtem Leistungsüberschuss. Aber dann drückte er halt die klare Vmax auf den Asphalt (was die Vermutung aufkommen liess, dass unser Exemplar vielleicht «frei» war…), und ja, der Wendlinger Karl ist Markenbotschafter von AMG, und so machte der Stuttgarter sogar den Audi R8 plus platt. Und übrigens: Heckantrieb. 7-Gang-Automatik, 1735 Kilo, mindestens. Und auf dem Papier glänzt er ja nicht so sehr, 4,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h (langsamer sind nur Bentley und Camaro), 250 km/h Höchstgeschwindigkeit (siehe etwas weiter oben).

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Dass der 5,5-Liter-V8 mit doppelter Zwangsbeatmung eine feine Maschine ist, das wissen wir schon lange. Die Leistungsentfaltung ist wirklich grossartig, es mag ein Turboloch geben, doch das Drehmoment spült das sowieso weg. Und dann dreht er halt sehr sauber, souverän hoch – beim Gangwechsel wird der Wagen irgendwie schneller. Ja, es gibt da schon eine spürbare Zugkraftsunterbrechung, doch man hat das Gefühl, dass sich der V8 nur für noch mehr Kraft freistrampelt. Auf der Rennstrecke hat man das Gefühl, dass der Vorwärtsdrang gar nicht mehr aufhören will – und auf der Landstrasse ist man schon zu schnell, wenn man das Fahrpedal auch nur schon anschaut. Fein ist auch der Sound, noch erfreulich dezent beim friedlichen Gondeln, aber dann richtig böse beim Angasen. V8 halt, viel Hubraum, da besteht halt auch das richtige Volumen für die Brunstschreie. Will man ihn aber hören, den Benz, dann wird er kaum mit den 9,8 Litern auskommen, welche er nach Norm verbrauchen will.

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Was uns aber auch erstaunt hat: wie agil das Teil ist. Zwar sagt der Wendlinger Karl, der ja sonst immer gern über die Abstimmung der Vorderachse plaudert, zu dieser Vorderachse ausnahmsweise nichts, doch unsereins verspürt da grosses Vertrauen, präzise Lenkung, kaum Einnicken, auch wenn man hart auf der Bremse ist, und das darf man dann schon als fein bezeichnen, denn die Maschine vorne ist ja schon sehr schwer. Dort am Berg schlängelt er sich fast schon frech durch die Kurven, ist zwar lang (4,63 Meter) und auch breit (1,94 Meter), doch nicht nur offen sehr übersichtlich; das gibt dem Piloten Vertrauen, er fährt näher an die Strassenränder, bleibt so flüssiger in der Bewegung. Dass wir solches je über einen SL schreiben würden, erstaunt uns jetzt selber ein bisschen. Dass wir den Komfort loben können, ist nun aber für einen Mercedes nicht wirklich befremdend. Und dass der SL auch als 63er und AMG und Vollstahl-Cabrio ein ganz feiner Ganzjahreswagen ist, hat sich längst rumgesprochen.

Innen ist so ein SL auch als AMG nicht der Inbegriff der Sportlichkeit. Zwar sorgen die Aktiv-Sitze für den nötigen Seitenhalt, aber daran können wir uns seit Jahren nicht gewöhnen, es irritiert gerade beim flotten Fahren schon, dass die Sessel dauernd in Bewegung sind, Blähungen haben. Das Innenleben wirkt trotz jüngst erfolgter Auffrischung und dem etwas gar heftigen Einsatz von Carbon-Applikationen ziemlich antiquiert, das Bediensystem ist, wie es bei Mercedes immer ist, also gewöhnungsbedürftig für all jene, die nicht schon seit einer Ewigkeit in einem Benz hocken. Zu loben gilt es die Verarbeitung, da knarzt nichts, auch dann nicht, wenn man offen über die Curbs bügelt. Es hat schon sein Gutes, wenn man wie in Stuttgart seit mehr als 100 Jahren Qualitätsautomobile baut.

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In der Schweiz ist so ein SL63 AMG ab 198’500 Franken zu haben. Es kommt dann noch ein dickes Buch für die Individualiserungsmöglichkeiten dazu, der Preis lässt sich bestens noch weit nach oben treiben. Solches passt den SL-Kunden, sie sind zumindest finanziell potent genug und haben mit einem Durchschnittsalter von 65+ auch die Zeit, tagelang in den Katalogen zu blättern. Die Frage ist da eher, ob die Fraktion der grauen Panther so ein Vieh mit 585 PS wirklich braucht, überhaupt will; es ist ein etwas eigenartiger Spagat, den dieses Fahrzeug macht. Denn das sportliche Potenzial dieses Wagens ist wirklich grossartig – ob es auch genutzt wird, ist eine ganz andere Frage. Wobei der SL ja eh kaum mehr gekauft wird.

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Mehr Mercedes gibt es bei uns im Archiv.
Was es alles schon gab vom Supertest 2016:
die Einleitung.
Chevrolet Camaro.
Bentley Continental GT Convertible V8S.
Audi R8 plus.
Lexus RC F.
Jaguar F-Type SVR.

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