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Mitsubishi Eclipse Cross

Alles wird anders

Die Ereignisse überschlagen sich bei Mitsubishi: ganz grosse Krise, von Nissan gekauft, eine recht heftige Neuausrichtung des ganzen Konzerns. Und dann auch noch; der neue Mitsubishi Eclipse Cross. Es ist offensichtlich, dass dieses Modell noch nicht «new» Mitsubishi ist, dafür sind auch in Japan die Entwicklungsvorläufe zu lang, und trotzdem: Man verspürt schon einen frischen Wind.

Über Geschmack lässt sich ja trefflich streiten, über SUV, die als Pseudo-Coupé gestaltet sind, allerdings nicht wirklich. Dafür, dass nun auch noch Mitsubishi diesem Widerspruch in sich in die Welt hinaustragen will, bringen wir nur mässiges Verständnis auf, aber es gibt ja halt auch den klassischen Outlander (auf dessen Plattform der Eclips Cross basiert), und da ging es wohl um eine deutliche Abgrenzung. Auch andere Design-Feinheiten wie die nicht eben feingliedrig gestaltete Front treffen jetzt unseren Gusto nicht wirklich, doch eben: die Schönheit liegt im Auge des Betrachters, und andere Betrachter sehen das ja vielleicht anders. Für das Design zeichnet übrigens Tsunehiro Kunimotor verantwortlich, der einst bei Nissan der Juke entworfen hatte. Und der Toyota C-HR soll ein Konkurrent sein.

Was aber im gleichen Atemzug auch erwähnt sein muss: Innen ist das alles viel, viel besser als bislang. Nein, es ist nicht Volvo oder Peugeot, der nicht wirklich grosse Screen wirkt wie aufgesetzt, er hat auch eine unnütze Fläche direkt vor sich, es gibt weiterhin jede Menge Knöpfe und Schalter sowie den Touchpad auf der Mittelkonsole, doch das wirkt jetzt immerhin so, als ob die Verantwortung in der Hand eines einzigen Designers lag. Es passt alles zusammen, es werden die gleichen Materialien verwendet – und ja, und das ist am wichtigsten, es ist auch logisch. Man hört sagen, dass man sich an die Bedienung über die Fingerspitzen schnell gewöhnt (wir hatten im ersten Anlauf noch etwas Mühe), wir wagen trotzdem die Behauptung, dass es ein Touchscreen sein muss, dass die Menschheit nichts anders will (Smartphone?). Sie will anscheinend auch Connectivity und ganz viele Assi-Systeme – und die kann der Mitsubishi im üblichen Rahmen bieten, inklusive Head-up-Display von beachtlicher Grösse. Ein Dings ist hingegen ganz neu: Das «Mis-Acceleration Mitigation System», das verhindern soll, das Gas- und Bremspedal verwechselt werden. Diese Entwicklung wurde wohl von einem komischen Mann aus den USA mit oranger Frisur veranlasst…

Man sitzt aber gut im Eclipse, nicht nur vorne, sondern erstaunlicherweise auch hinten. Die hintere Sitzbank lässt sich um stolze 20 Zentimeter verschieben, auch der Winkel der Rückenlehnen kann den Bedürfnissen der Passagiere angepasst werden; man kann also sehr komfortabel sitzen, man sieht trotz stark ansteigender Seitenlinie sogar nach draussen. Und es verbleibt erstaunlicherweise genügend Kopffreiheit trotz dieser eigenartigen Coupéform. Wird die Kniefreiheit voll ausgenutzt, verbleiben noch 341 Liter Kofferraumvolumen; ist die Rückbank ganz vorne, dann sind es immerhin 448 Liter. Wie viel bei abgeklappten Rücksitzen (60:40) in den Japaner passt, das wollten die Japaner bislang noch nicht verraten.

Schon klar ist: Es kommt dann auch noch ein 2,2-Liter-Diesel, irgendwann im nächsten Jahr. Was wahrscheinlich aber nicht kommt, obwohl der Eclipse Cross ja das Schwesterchen ist vom Outlander: Plug-in-Hybrid. Und so fuhren wir einen komplett neu entwickelten 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner, der dank Turbounterstützung auf 163 PS. Er hat, auch dank Turbo, sein maximales DRehmoment von 250 Nm schon bei 1500/min zur Verfügung, was zu einer entspannten Fahrweise verhilft. Das CVT-Getriebe gehört zu den besten seiner Art, der vorauseilende Gehorsam beim Tritt aufs Gaspedal findet nicht statt – wenn man denn nicht zu sehr aufs Gaspedal tritt. Das stufenlose Getriebe lässt sich auch von Hand bedienen, es gibt klar abgegrenzte Stufen, und das ist gut – wenn man sich denn am Motorengeräusch orientieren will. Als Durchschnittsverbrauch vermeldet das Werk einen Wert von 7 Litern, der uns allerdings etwas optimistisch erscheint – auf unserer Ausfahrt, die jetzt nicht wirklich im Grenzbereich verlief, pendelte sich der Bordcomputer bei knapp unter neun Litern ein. Aber der Testwagen kam auch ganz frisch aus der Fabrik. Ach ja, 200 km/h schnell will der Eclipse als Allradler mit dem CVT-Getriebe rennen (und in 9,8 Sekunden auf 100). Und mit diesem Antrieb ist er knapp über 1,5 Tonnen schwer.

Die spürt man im Fahrbetrieb mit dem 4,41 Meter langen, 1,81 Meter breiten und 1,69 Meter hohen Wagen nicht wirklich. Die Abstimmung erscheint uns sehr gelungen, sicher mehr auf der komfortablen Seiten denn bei jenen, die Rundenrekorde brechen wollen. Die Wankbewegungen halten sich in Grenzen, die Lenkpräzision ist beim Allradler ganz anständig – man fährt halt einfach, und das ist ok so, das Herzklopfen kann man sich für andere Fahrzeuge aufsparen. Wir würden uns nun auch noch sehr für die Preise des neuen Mitsubishi Eclipse Cross interessieren, davon hängt quasi alles ab, wenn man seine Marktchancen beurteilen möchte, aber die gibt es wohl erst auf Ende Jahr, wenn dann die ersten Fahrzeuge in der Schweiz eintreffen.

Und ja, es muss etwas geschehen bei Mitsubishi. Auf einem stabilen Markt haben die Japaner in der Schweiz in diesem Jahr bislang über 20 Prozent verloren gegenüber dem Vorjahr, das meistverkaufte Modell ist der sehr, sehr günstige Space Star (der in der Verkaufsrangliste im Sandwich liegt zwischen Tesla Model S und Audi Q7…). Ob die angekündigte Konzentration auf SUV und Geländewagen der Heilsbringer für Mitsubishi sein kann, muss sich weisen – es gibt Hersteller, die sind der Überzeugung, dass dieser Trend seinen Höhepunkt schon überschritten hat. Wir würden uns eh mehr freuen über einen anständigen Konkurrenten zum Subaru WRX STI – wie damals…

Viel mehr Mitsubishi haben wir nicht in unserem Archiv.

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