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Fahrbericht Alfa Romeo Montreal

Klangwunder

Eigentlich würde ich mich ja gerne einmal auf das Fahrverhalten konzentrieren. Denn angeschaut habe ich ihn nun lange genug, aus allen Ecken und Winkeln, innen, aussen, ich bin quasi in den Motor hineingekrochen und durch den Fussraum. Ja, er ist schön, ganz einfach schön, es gibt so viele Details, die einfach wunderbar sind, nicht bloss die Schlafaugen und völlig unnötigen seitlichen Lufteinlässe und das Heck und das Cockpit, sondern auch so Kleinigkeiten wie das Türschloss. Gandini, klar, wie fast alle Gandini ein Kunstwerk, eine Skulptur. Ich könnte ihn mir in die gute Stube stellen, den Alfa Romeo Montreal, und ihn einfach nur anschauen, stundenlang – und das nicht deswegen, weil das Fernsehprogramm so öd ist. Er würde auch von der Grösse her gut passen, nur 4,22 Meter lang ist er, nur 1,67 Meter breit, nur 1,20 Meter hoch – heute würde er fast zu den Kleinwagen gehören.

Eigentlich würde ich mich ja gerne einmal auf das Fahrverhalten konzentrieren. Gut, die Bremsen sind jetzt nicht das, was man sich von modernen Fahrzeugen gewohnt ist, das habe ich schon auf den ersten Metern gemerkt. Doch: wer bremst, verliert – und ich will ja jetzt fahren, erfahren, wie er sich so macht in engen Biegungen oder auf schön geschwungenen Landstrassen. Also hoch auf den Hügel, zweiter Gang, dritter Gang, vor der Kurve mit Zwischengas wieder in den zweiten – ach, wie herrlich er klingt, der Achtzylinder! Schön sonor in tieferen Drehzahlen, etwas schriller dann ab 4500/min, fast schon metallisch, aber doch sehr sympathisch: Musik in den Ohren. Und drehfreudig ist er auch noch, ich jubele ihn zwar nicht ganz nach oben (der rote Bereich beginnt bei 6500/min), aber erfreue mich an der schön linearen Kraftentfaltung. Ok, ganz unten ist nicht viel los, das maximale Drehmoment von 255 Nm steht erst bei 4750/min an, aber ich fahre ja einen Alfa Romeo, vier (!) obenliegende Nockenwellen, da will man Drehzahl, nichts anderes bin ich mich gewohnt, nichts anderes möchte ich haben. Dieser Sound. Ich möchte mehr, ich möchte immer weiter, ich frage mich, wie sie in Arese auf die Idee kommen konnten, einen Achtzylinder mit nur 2,6 Liter Hubraum zu bauen (ja, ich weiss schon, warum: Stichwort Tipo 33, siehe die Entstehungsgeschichte des Montreal). Und es ist bestens, dass Alfa Romeo es gemacht hat, den Aufwand nicht gescheut, jede Minute sei gepriesen, welche die Ingenieure in die Konstruktion dieses wunderbaren Motors investiert haben. Und in sein Klangbild. Aber eigentlich wollte ich mich ja auf das Fahrverhalten konzentrieren. Doch jetzt bin ich schon wieder zurück, das Stündchen verging viel zu schnell – und ich habe ihm eigentlich nur zugehört, dem Montreal. Klangwunder. Herrlich. Danke.

Ich bleibe noch ein bisschen sitzen. Das Gestühl ist zwar weich, aber gut, mit genügend Seitenhalt. Diese Innenraum-Gestaltung. Sie war damals, Anfang der 70er Jahre, sehr fortschrittlich, man begann sich tatsächlich schon erste Gedanken über Ergonomie zu machen, grosse Schalter – kein Bildschirm, dafür ein Radio. Das braucht man aber gar nicht, die Musik spielt ja im Motorraum. Das Stummelchen für die Gangverteilung liegt perfekt zur Hand, und rauchen durfte man früher auch noch im Auto, der Aschenbecher ist prominent platziert, der Zigarettenanzünder ebenfalls. Und dieses Lenkrad, ich möchte es mir an die Wand hängen. Er ist in einem sehr guten Zustand, der Montreal, den mir die Oldtimergalerie in Toffen zur Verfügung gestellt hat. Kein Wunder, sind die 70er Jahre wieder in Mode, das ist schon alles sehr, sehr cool. Die Farbe ja sowieso, dieses Orange – besser geworden ist das seither ja auch nicht mehr. Wie war das nun mit dem Fahrverhalten des Montreal?

Die Geschichte des Montreal gibt es, wie schon erwähnt: hier. Mehr Alfa Romeo haben wir in unserem Archiv.

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