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Gumpert Nathalie

Technik als Vorsprung?

Roland Gumpert ist ein Tausendsassa. Er hatte als Techniker für Audi den quattro-Antrieb (mit)entwickelt, er baute (eher erfolglos) Supersportwagen, er erkannte schon früh das gewaltige Potenzial des chinesischen Marktes, hat seit mehr als 20 Jahren beste Beziehungen nach Fernost. Das zahlt sich für seine Gumpert Nathalie nun aus. Auf den ersten Blick ist diese für den Salon Genf geplante Weltpremiere einfach ein weiteres Coupé, dem man eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Nissan GT-R (oder dem Audi A5?) andichten könnte. Im Kern ist es aber ein reinrassiges Sportgerät mit Gitterrohrrahmen und integriertem Überrollkäfig. Daneben gibt es – natürlich – Allradantrieb, aber auch biologische Leichtbaumaterialien.

Das Herzstück der Nathalie liegt unter dem Blech. Es ist das Antriebskonzept, dass eine Methanol-Brennstoffzelle mit einem Elektroantrieb kombiniert und aus einem Joint-Venture von Gumpert mit dem chinesischen Hersteller Aiways entstanden ist. Im Ergebnis produziert die Gumpert Nathalie 544 PS, was für eine Sprintfähigkeit von 2,5 Sekunden auf 100 km/h sorgen soll; der Topspeed liegt bei 300 km/h, die Reichweite wird mit 850 km angegeben. Möglich macht das eine mächtige 178 kWh fassende Lithium-Ionen-Batterie. Doch bis zu einem Tempo von etwa 120 km/h muss sie gar nicht angezapft werden. Denn bis dahin ist die 15-kW-Brennstoffzelle von Blue World Technologies in der Lage, alleine für Energie zu sorgen. Betankt wird das Brennstoffzellensytem mit Methanol über einen 65 Liter-Tank. Zwischenstopps zum Auftanken dauern also genauso lang wie bei einem herkömmlichen Benziner. Bleibt der Preis, denn die Gumpert Nathalie ist keine Studie, sondern ein serienfertiges Auto: Ab 407’000 Euro soll sie ab Frühjahr 2021 an die Kunden ausgeliefert werden.

Es muss hier aber schon auch noch etwas geschrieben sein zu dieser Methanol-Brennstoffzelle, denn auf dem Papier erscheint das Konzept bestechend. Methanol kann im Gegensatz zu reinem Wasserstoff, der entweder auf minus 254 Grad gekühlt oder unter 800 bar Druck gelagert werden muss, ganz einfach an einer normalen Zapfsäule getankt werden; auch lässt sich Methanol quasi «grün» erzeugen. Und ist vor allem der einfachste Träger von Wasserstoff, die chemische Formel ist CH3OH. In der Natalie wird das getankte Methanol auf 300 Grad erhitzt, ein Katalysator spaltet es dann in Kohlenstoff, Sauerstoff und eben Wasserstoff, mit dem dann der für den Antrieb notwendige Strom erzeugt wird. Ja, es wird dabei dann auch wieder CO2 ausgeschieden, doch weil das Methanol eben CO2-neutral hergestellt werden kann, wird die Umwelt davon nicht belastet. Sagt zumindest Roland Gumpert. Und der gilt eigentlich nicht als Dampfplauderer. Ein Fragezeichen haben wir da aber schon: Wie ist es möglich, dass die Nathalie nur 1800 Kilo schwer sein soll – wenn doch die riesige Batterie allein schon (nach aktuellem Stand der Technik) mindestens eine Tonne wiegt? Die Jungs von McLaren brauchen wohl mal etwas Nachhilfe in Sachen Leichtbau…

Mehr Exoten haben wir in unserem Archiv.

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