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BMC Mini 9X

«Wir hatten ganz einfach kein Geld»

Alec Issigonis hatte die Automobilwelt 1949 mit dem Morris Minor, 1959 mit dem Mini gleich doppelt revolutioniert. Damit hatte der Mann mit den griechisch-türkischen Wurzeln, der rauchte wie ein Schlot (aber nie im Auto), sich stark für Sicherheit interessierte (aber nie Gurte trug) und seine Auszeichnung zum Sir mit Fassung trug, aber noch nicht genug. Unverdrossen bastelte er auch in schwierigen Zeiten (wann genau hatte die englische Autoindustrie keine schwierige Zeit?) immer wieder neue Fahrzeuge, darunter auch einen Nachfolger für den Mini, der durchaus das Zeug gehabt hätte, die Autowelt noch einmal zu verändern.

1967 konstruierte Issigonis – wie üblich im Alleingang – den BMC Mini 9X, er gehörte zu diesen ganz wenigen Ingenieuren, die alle Komponenten eines Fahrzeugs selber entwickeln konnten. Design, Motor, Getriebe, Fahrwerk: In jedem Bereich war er seiner eigenen Meinung nach seinen Mitarbeitern und ganz besonders seinen Vorgesetzten überlegen. Und er war schon ein Meisterwerk, dieser 9X, nur gerade 2.95 Meter lang – und mit wirklich reichlich Platz für vier Personen. Noch so manch eine Schwäche des Mini wurde ausgemerzt, es gab eine Heckklappe, es gab ein deutlich komfortabler ausgelegtes Fahrwerk mit Federbeinen und Schraubenfedern rundum. Und es gab vor allem einen deutlich moderneren Motor (der Mini hatte ja noch die A-Maschine verwenden müssen, die in ihren Grundzügen auf den Austin Seven von 1923 zurückging): ein Liter Hubraum, eine obenliegende Nockenwelle, 60 PS, weniger als 100 Kilogramm schwer. Beim Prototyp 9X wurde diese Maschine an ein konventionelles Viergang-Getriebe gekopplet, doch eigentlich wollte Issigonis den Mini ohne Gänge bauen. So versah er auch einmal einen 9X etwa mit einem Hydrowandler ganz ohne Zusatzgänge, womit sich die Kosten dramatisch hätten senken lassen. Das Problem war: Der Wagen blieb nicht mehr stehen.

Der 9X wurde selbstverständlich auch den Teppichetagen von British Leyland vorgeführt. Und gleich sofort abgeschossen. Donald Stokes, damals Chef des Unternehmens, sagte: «Wir hatten ganz einfach kein Geld. Das war unser ewiges Problem.» Lord Stokes hatte dann aber Geld für Preziosen wie den Morris Marina und den Austin Allegro, die aus British Leyland endgültig British Elend machten. Issigonis wetterte über diese «Idioten unter den Experten», zog sich immer tiefer in den Kreml (wie er die Entwicklungsabteilung nannte) zurück – und fuhr den 9X zu seinem privaten Vergnügen und mit immer neuen technischen Entwicklung bis zu seinem Tod im Jahre 1988. Danach verschwand dieser so spannende Prototyp in irgendeinem Blinddarm des British-Leyland-Nachfolgeunternehmens, leider sieht er auch heute nur selten das Licht der Welt, die er verändern hätte können. Deshalb haben wir auch nur dieses eine Bild.

Mehr schöne Klassiker haben wir in unserem Archiv.

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