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Opel Insignia 1.5 Diesel

Breitenwirkung

Haben Sie den Begriff «hidden champion» schon einmal gehört? Er beschreibt etwas, das mit «heimlicher Gewinner» nur schlecht übersetzt ist. Es ist mehr der versteckte, der unbekannte Champion. Es ist vor allem aber der, der sich nicht in die erste Reihe drängt, obwohl der Applaus ihm gebürt.

Eigentlich stammt der Begriff aus der Wirtschaftslehre und beschreibt Unternehmen, die man nicht kennt, deren Produkte aber alle nutzen. Als wir kürzlich mit dem frisch modellgepflegten Opel Insignia unterwegs waren, mussten wir unwillkürlich daran denken.

Denn im Prinzip ist das Topmodell aus Rüsselsheim genau das. Er ist in der Summe seiner Eigenschaften wirklich bemerkenswert. Bloss sieht man eben das erst auf den zweiten Blick und über die längere «Erfahrung» – und genau hier liegt sicher sein grösstes Problem.

Stilistisch ist der Insignia schon gar nicht mehr taufrisch, auch wenn er nicht einmal ein Jahr alt ist. Mit dem neuen Mokka hat bei Opel eine neue Zeitrechnung begonnen, schliesslich ist er der erste Neue, bei dem sie auch wirklich Zeit hatten, die PSA-Technik im eigenen Stil einzukleiden. Auch technisch ist er ein Wandler zwischen den Welten. Denn im Grunde basiert hier alles noch auf General Motors. Chassis, Infotainment-Architektur und auch Motoren und Getriebe kommen noch vom der ehemaligen Vollsortiments-Mutter.

Es ist dies allerdings gar nicht schlecht, ganz im Gegenteil. Vor allem optisch kommt der Opel Insignia Sports Tourer (besonders als: Ultimate) aufregend daher. Eine dynamische Front, klar gezeichnet, mit feinen Chrom-Details und modernen LED-Leuchten. Die gestreckte Silhouette verleiht ihm dabei Präsenz, lässt ihn edel wirken. Überhaupt fällt nach längerer Betrachtung auf, dass er auffällt. Und das nur im Positiven.

Während der Fahrt fallen dann die unzähligen Kleinigkeiten auf, die das Leben im grossen Opel angenehm machen. Zuallererst natürlich die famosen Sitze, zertifiziert rückenschonend, langstreckenbequem und mit feinem Leder bezogen. Dann das Infotainment und die teildigitalen Armaturen – es ist ein wunderbarer Spagat aus Moderne und Tradition. Alle Funktionalitäten sind da, und doch kann man ihn locker bedienen. Nicht nur im Stand, sondern auch während der Fahrt.

Gleiches gilt für den Antriebskomfort. Besonders das Fahrwerk zeigt, dass sie in Rüsselsheim schon wissen, wie das richtig geht. Der Insignia frisst Kilometer, kann aber auch ums Eck. Natürlich wird niemand mit einem 122-PS-Diesel Rennen fahren wollen. Aber schnell um die Kurve geht der Opel Insignia 1.5 Diesel auf Wunsch immer.

Überhaupt ist die Kombination aus Motor und Getriebe vielleicht das Beste am Opel. Denn der neue Dreizylinder ist im Alltag, besonders in Kombination mit der Achtgang-Automatik, wirklich überzeugend. Von Laufkultur möchten wir nicht unbedingt sprechen, doch der kernige Dreizylinder hat etwas, das in der Mittelklasse schon lange verloren ging: Charakter. Man ist da heute ja schon sehr verwöhnt. Die PHEVs säuseln im Stadtbetrieb nur, die echten Elektrischen sowieso – da zwingt es die Entwickler dann auch dazu, den Verbrennern auch noch den letzten Fehlton wegzudämmen.

Bei einem dreizylindrigen Selbstzünder geht das eben nur bedingt. Und man ist überrascht, wie gut man das im Alltag findet. Man hört etwas, man fühlt etwas und man spürt etwas. Die Anstrengung, die Arbeit, ja den Aufwand, den es braucht, so ein Auto in Schwung zu halten. Dass der 1500er Insignia dies am Ende dann doch sehr gut im Griff hat, zeigt sich an der Tankstelle.

Auf dem Papier notiert er mit knapp über fünf Litern. Doch auf der Autobahn, wenn man das Tempo mitschwimmt und einfach dahingleitet, dann geht auch deutlich weniger. Opel spricht davon, dass die neue Motorengeneration wirklich spürbar beim Sparen hilft.

Und genau hier kamen wir dann drauf, auf den «hidden champion». Während alle Welt von Nachhaltigkeit und CO2-Sparen spricht, steht die Lösung vielleicht schon auf der Strasse.

Was hilft es, wenn der PHEV und der Stromer auf dem Papier die Nachhaltigkeitssieger sind, man pro Tag aber hunderte Kilometer auf dem Bock sitzen muss, weil der Job es verlangt? Genau hier schlägt die Stunde des Opel Insignia. Denn er ist ein Arbeitstier. Das bestätigt übrigens auch der TÜV, dessen 2021er-Report der grosse Rüsselsheimer mit den wenigsten Mängeln unlängst gewonnen hat.

Er ist also zuverlässig, sparsam, geräumig und gut ausgestattet. Was will man eigentlich genau mehr von einem Alltagsauto?

Mehr Opel haben wir in unserem Archiv.

1 kommentar

  1. Stefan Stefan

    Kann das als Insignia-Fahrer seit eineinhalb Jahren nur unterschreiben. Ein herrlich bequemes, entspanntes Langstreckenauto, ob man vorn sitzt oder hinten.

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