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Test Citroën C3 PureTech 110 EAT6

Was braucht man mehr?

Wenn man so liest im Blätterwald, was die einschlägigen Quellen über den erneuerten Citroën C3 so schreiben, dann muss man das Gefühl haben: Ui. Einverstanden, von den aktuellen Kleinwagen im neuen Stellantis-Gebilde stehen der Peugeot 208, der Opel Corsa und irgendwas von DS auf der neuen Plattform, die auch die Umfunktion von Verbrenner auf E möglich macht. Dem C3 haben die Franzosen solches nicht gegönnt, er erhielt «nur» ein Facelift. Doch man darf sich auch fragen, was daran nicht gut sein soll. Es gibt den C3 nun halt nicht rein elektrisch, aber warum sollte es, denn es gibt ja schon genug dieser Produkte – und E ist nunmal teuer. Und genau das will der Citroën ja nicht sein, dies ist Strategie. Es soll, haben wir schon gehört, auch Menschen geben, die wollen (oder können) keine 35k für einen Kleinwagen ausgeben. Beim C3 beginnt die Preisskala bei 16’990 Franken (Aktionen und wilde Rabatte berücksichtigen wir prinzipiell nicht). Den von uns gefahrenen PureTech 110 EAT6, also mit automatischen 6-Gang-Getriebe, gibt es offiziell ab 23’500 Franken.

Schreiben wir es so: Wir hatten Freude am Franzosen. So richtig. Er durfte, unter anderem, aus der Schweiz in die Lüneburger Heide und wieder zurück; in drei Wochen kamen wir auf mehr als 3000 Kilometer. Was wir uns mit einem Wagen, mit und in dem wir uns nicht wohlfühlen, nicht antun. Wir lieben das ausgesprochen bequeme Gestühl, das gerade auf der Langstrecke einfach nur gut ist; es mag weich sein, aber gerade deshalb bietet es auch mehr als ausreichenden Seitenhalt. Positiv vermerken wollen wir auch das «veraltete» Bediensystem, das zwar auch über einen Touchscreen funktioniert, aber zudem noch über reichlich physische Knöpfe und Schalter verfügt – und so schon nach kurzer Zeit blind verstanden wird. Gerade bei Kleinwagen, bei denen die Käufer ja auch nicht unbedingt «state of the art», sondern mehr Vernunft erwarten, darf man solches als den richtigen Weg sehen; 3D-Darstellungen (wie im Peugeot 208) und immer grössere Bildschirme treiben auch den Preis in die Höhe.

Wir mögen das weich abgestimmte Fahrwerk, das keine Spassbremse ist, sondern gut zu diesem Kleinwagen passt, der ja kein Sportwagen sein will, sondern genau das, was er dann auch ist: ein vernünftiges Transportmittel, das seinen Daseinszweck zuverlässig und souverän erfüllt. Und es ist auch nicht so, dass er keinen Fahrspass bringt, der C3. Dort in den Kasseler Hügeln, wo den Längsbeschleunigern jeweils das Herz in die Unterhose rutscht, zieht er locker lächelnd nahe seiner Höchstgeschwindigkeit die Spur. Auch über Schweizer Berge kann man ganz gut sowie flott, die Lenkung ist präzis genug, die 6-Gang-Automatik wird auch bei höheren Leistungsanforderungen nicht gleich nervös, die 110 PS des Dreizylinders reichen fröhlich aus, auch deshalb, weil der 1,2-Liter sein maximales Drehmoment von 205 Nm schon bei 1500/min zur Verfügung stellt. Was uns erstaunt hat: Wie ruhig der C3 auch bei höheren Geschwindigkeiten bleibt. Das gehört ja sonst nicht zu den Stärken der Dreizylinder.

Und was uns auch erstaunt: auch bei flotter Fahrt auf der deutschen Autobahn stieg der Verbrauch nur unwesentlich über 6 Liter. Hält man sich brav an die Vorgaben in der Schweiz und rollt dem Charakter des Citroën entsprechend friedlich einher, dann geht das mit weniger als 5 Litern (Verbrauch nach WLTP: 6,2 Liter!). Da zeigt sich dann halt auch ein Vorteil der «alten» Plattform des C3: er wiegt keine 1200 Kilo. Was man ja auch in der Kurve spürt, der kleine Franzose kann das halt besser und präziser als seine Schwesterchen, die drei Zentner mehr wiegen. Und auch nicht mehr Platz bieten als der ganz knapp unter 4 Meter lange, 1,75 Meter breite und 1,47 Meter hohe C3; das Kofferraumvolumen von 300 Litern darf man in diesem Segment als ganz anständig bezeichnen. Zudem ist der Citroën ein ganz adrettes Fahrzeug (abgesehen von der etwas gar zerklüfteten Front, aber das ist ja sowieso alles Geschmackssache), das sich zudem noch fein individualisieren lässt sowie kräftige Farben im Angebot hat.

Es wird spannend werden zu beobachten, welche Rolle Citroën bei Stellantis spielen darf. Linda Jackson, welche die Marke in den vergangenen Jahren zu mehr Kundennähe und mehr Vernunft getrieben hatte, ist unterdessen bei Peugeot; im Riesenkonzern, in dem jede Schraube auf Synergien geprüft wird und Skaleneffekte weit über Emotionen stehen, bleibt wohl nur der weitere Abstieg in der Preisliste noch offen als mögliche Positionierung (auch wenn der neue C4 da eine etwas andere Sprache spricht). Doch das muss nicht falsch sein, Premium kann jeder, für sinnvolle, praktikable und doch günstige Lösungen braucht es allerdings Intelligenz. Der «neue» C3 scheint uns diesen Anforderungen auf jeden Fall zu genügen, ist ein fröhliches, einigermassen cleveres und seinen Preis auf jeden Fall wertes Fahrzeug.

Mehr Citroën haben wir in unserem Archiv.

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