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Cisitalia-Abarth 850 Scorpione

Nebenschauplätze

Wieder einmal kommen einige Dinge zusammen. In dieser Geschichte waren sie sogar schon einmal zusammen gewesen, doch es bedurfte einiger Umwege, damit sie wieder zusammenfanden. Es war so: Carlo Abarth, immer wieder er, heiratete die Sekretärin von Anton Piëch, der seinerseits mit der Schwester von Ferdinand Porsche verheiratet war. Irgendwie begab es sich, wahrscheinlich 1946, dass Abarth zum Repräsentant von Porsche in Italien wurde. Bloss: es gab ja damals noch gar nichts zu verkaufen ausser vielleicht ein paar Traktoren und Turbinen. Ob es nun Carlo Abarth war, der den Gründer von Cisitalia, Piero Dusio, in Kontakt mit Porsche brachte, oder ob die Geschichte noch andere Umwege zu bieten hat, das ist schwierig festzustellen – sicher ist, dass Dusio 1947 bei Porsche einen aussergewöhnlichen Rennwagen in Auftrag gab, Allradantrieb, ein V12 mit 1,5 Liter Hubraum, dieser bitt’schön mittig eingebaut. Zwei Stück dieses zwar schönen, aber halt nicht wirklich fahrfertigen Typ 360 sollen entstanden sein – Carlo Abarth wurde zum Leiter der Rennabteilung von Cisitalia, denn jemand musste ja versuchen, die Gerät zum Laufen zu bringen. Piero Dusio verlor bald die Geduld und verabschiedete sich mit einem dieser Zwölfzylinder nach Argentinien, hinter sich liess er einen krachenden Konkurs – und Carlo Abarth, der die Scherben zusammenlesen durfte. Wobei wohl auch Abarth selber nicht nur der Gentleman war, als der er sich gerne gab: der ersten Gattin entledigte er sich schon bald, Dante Giacosa und Giovanni Savonuzzi hatten Cisitalia sofort nach seinem Eintritt verlassen.

Dusio war nun also in Argentinien (und ausserhalb des Zugriffs der italienischen Steuerbehörden). Der Mann, der für Juventus Turin in der ersten Liga gespielt hatte und von 1941 bis 1947 Präsident des schon damals legendären Fussballclubs war, hatte immer ein gutes Händchen dafür, zur richtigen Zeit die richtigen Leute zu kennen (zum Beispiel auch Benito Mussolini, der ihm den Auftrag gab, Uniformen für die italienische Armee zu produzieren). In Argentinien bewegte er sich im engsten Umfeld von Diktator Juan Peron, der ihm alle Schulden bezahlte, damit er im Land der Gauchos von vorne beginnen konnte. Peron gab Dusio auch gleich noch den Auftrag, eine argentinische Auto-Industrie aufzubauen. Daraus wurde, wie man heute weiss, auch nichts.

In den 50er Jahren belebte Piero Dusio zusammen mit seinem Sohn Carlo Cisitalia neu. Eigene Ideen hatte man keine, also wandte sich Carlo Dusio an Carlo Abarth, ob er ihm vielleicht helfen könne. Abarth, jeder Form von Geschäftchen nie abgeneigt, schien nicht weiter nachtragend gewesen zu sein. Vielleicht auch deshalb, weil er mit den Abarth 750/850 Allemano, basierend auf dem legendären Fiat 600, gerade noch ein Coupé zu Hand hatte, das sich mehr schlecht als recht verkaufte, obwohl es ein Entwurf von Giovanni Michelotti gewesen sein soll und folglich recht hübsch. Die Karossen (von Allemano) und technischen Komponenten wurde nach Argentinien verschifft, dort zusammengebaut – und als Cisitalia-Abarth und mit der neuen Bezeichnung Scorpione angeboten. Der ganz grosse Renner waren diese Fahrzeuge nicht, man weiss zwar nicht, wie viele in Argentinien gebaut worden, doch überlebt hat auf jeden Fall nur eine Handvoll.

Hier haben wir es mit einem 850er von 1961 zu tun. Das bedeutet, dass die Basis schon der Fiat 600D war, der 1960 auf den Markt gekommen war. Und für den Carlo Abarth aus dem 750er einen 850er gemacht hatte (dass es gerade 847 cm3 wurden, die perfekt in die von den italienischen Rennsportbehörden neu geschaffene Klasse mit bis zu 850 cm3 Hubraum passten, war ganz sicher nur ein Zufall, auch wenn die guten Beziehungen von Carlo Abarth zu einigen Funktionären ein offenes Geheimnis waren). Abarth offerierte zu Beginn drei Versionen, den 850 mit 52 PS (bei 6000/min) für 985’000 Lire, den 850S mit 54 PS (bei 6300/min) für 1’025’000 Lire, und schliesslich den nicht homologierten 850SS mit 57 PS. Bereits im Frühling 1961 wurde das Programm wieder geändert, im Angebot stand nun nur noch der 850TC mit 52 PS – und mit dieser Maschine dürfte der Cisitalia-Abarth 850 Scorpione auch ausgestattet sein.

Dieser Cisitalia-Abarth 850 Scorpione mit der Chassisnummer 801-0026 kommt am 14. Mai 2022 bei RM Sotheby’s in Monaco unter den Hammer. Einen Schätzpreis gibt es noch nicht, dafür eine hübsche Zusammenstellung all unserer Abarth-Geschichten, hier.

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