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Dauertest Dacia Sandero (2)

Mehr Wert

Eigentlich wollten wir ja viel öfter etwas schreiben zu unserem hauseigenen Dacia Sandero. Doch der kleine Blaue versieht seinen Dienst derart problemlos und unauffällig, dass er fast etwas vergessen ging. Nicht, dass er nicht gefahren werden würde, ganz im Gegenteil, nach knapp zwei Jahren war er kürzlich zum zweiten Mal im Service, sprich: er hat jetzt mehr als 60’000 Kilometer hinter sich gebracht. In diesem Zusammenhang ganz wichtig: die Kosten lagen beide Male bei weniger als 400 Franken. Für dieses Geld darf man bei anderen Herstellern nicht einmal 10 Minuten auf dem Kunden-Parkplatz verweilen.

Und so sind wir schon mitten im Thema. Man könnte ja nun erwarten, dass eine Marke, die günstige Automobile anbietet, dafür beim Kunden-Service spart. Nichts da, es gibt eine vernünftige App, man kann online Service-Termine buchen – und wird dann auch noch gefragt, wie man die Rechnung haben will, per Mail, auf Papier. Klar, guter Kundendienst hat viel mit der Garage zu tun (bei uns ist es Dubach in Oensingen), doch da gibt es schon auch klare Vorgaben vom Importeur und der Marke selber – und rein gar nichts zu beklagen, ganz im Gegenteil. Nicht zu viel wie bei anderen Herstellern, die auch noch dauernd irgendwelche Felgen abverkaufen wollen oder Skiträger im Spätfrühling, nicht zu wenig, halt: vernünftig. Genauso wie die Preisgestaltung.

Wie schon im ersten Bericht erwähnt, haben wir für unseren anständig ausgestatteten Dacia Sandero TCe90 genau 14’136 Franken bezahlt. Mit Klimaautomatik, Tempomat (einer ohne Sensoren, die den Dienst schon beim leichtesten Regen quittieren), dem kleinen Bildschirm, über den sich das Smartphone koppeln lässt. Wir lieben genau das, man hat Spotify mit dabei, wenn das Radio-Programm wieder mal so gut wie das Fernseh-Programm am Wochenende. Und vor allem: ein immer aktuelles Navi. Ob man dann Google- oder Apple-Maps benutzt, das ist Geschmackssache, aber es funktioniert halt bestens. Und braucht keine Software-up-dates «over the air» (ausser jene vom Smartphone, aber die laufen ja deutlich besser als jene in den Automobilen). Und das Apple-Ding ist richtig gut, wir haben selbst in der Nähe unseres langjährigen Wohnortes noch Schleichwege kennengelernt, von denen wir nicht einmal vermuteten, dass es dort welche geben könnte. Die Scheinwerfer blenden wir auf, wenn wir das als nötig empfinden, die Scheibenwischer benutzen wir dann, wenn es regnet (ok, da würden wir mal einen neuen brauchen, er schmiert unterdessen etwas); als Spurhalte-Assi haben die Rumänen so etwas Rundes eingebaut, es heisst Lenkrad.

Und genau das ist die grösste Stärke des kompakten Rumänen: Er ist völlig ärger- und folglich problemfrei. Wir hatten in den vergangenen zwei Jahren noch nicht das geringste Problem, es ging nichts kaputt, nie hat der kleine Blaue gezickt, nichts scheppert. Die Stoffsitze sehen nach zwei Jahren noch aus wie neu, der Lack strahlt wie am ersten Tag (wenn wir den Dacia denn etwas häufiger waschen würden), keine angelaufenen Scheinwerfer (obwohl er draussen schlafen muss). Der dritte Gang lässt sich manchmal etwas schwer einlegen, wenn der Sandero kalt hat, aber erstens ist das schnell wieder vorbei und zweitens Jammern auf einem sehr hohen Niveau, mit etwas mehr Kraftaufwand geht es problemlos. Und auch wenn wir den Dacia sehr, sehr kritisch anschauen, wir finden nichts, an was wir mäkeln könnten.

Nicht einmal am Fahrwerk. Der Sandero ist ausreichend komfortabel, auch auf langen Strecken. Und die kennt er, er musste schon öfter aus der Schweiz nach Nord-Deutschland. Auf der Autobahn Tempomat 150, das hält er locker – nur in den Kasselerer Bergen wünscht man sich manchmal etwas mehr Power. Doch sonst kann am Berg durchaus Spass haben, die Lenkung ist ausreichend präzis auch für flottere Kurvenfahrten, das manuelle 6-Gang-Getriebe gut abgestuft. Ist man zu schnell, schiebt der Rumäne über die Vorderräder, bleibt aber immer bestens beherrschbar. Was sicher auch daran liegt, dass er mit seinen 1100 Kilo die Grenzen der Physik nicht so strapaziert wie diese allgegenwärtigen 2-Tonnen-SUV. Im Sommer fahren wir einen Bridgetone Turanza auf 16-Zöllern, der wird nach 40’000 Kilometer sicher noch eine Saison mitmachen; im Winter sind es Continental WinterContact in der Dimension 185/65 R 15.

Das hat sicher einen gewissen Einfluss auf den Verbrauch. Bei menschenwürdigen Temperaturen über 15 Grad liegt der Schnitt bei 5,1 Litern; jetzt, im Winter, ist es ein halber Liter mehr. Es gab auch Tankfüllungen mit einem Durchschnitt unter 5 Litern, auf der deutschen Autobahn sind es dann eher so 7,5 Liter. Aber das liegt alles gut im Rahmen, wir sind nicht für einen besonders leichten Fuss bekannt. Aber die Klima läuft halt nicht, wenn es sie nicht braucht; schwer bepackt ist der Dacia Sandero allerdings auch selten unterwegs. Sein Kofferraumvolumen von 328 Litern ist nicht überragend, aber gut nutzbar; bei abgeklappten Rücksitzen sind es anständige 1120 Liter, ebenfalls ziemlich praktisch. Ja, er taugt auch zur Fahrt zu Ikea, wenn man ein bisschen Tetris spielt.

Oh ja, wir lieben ihn, unseren Dacia Sandero – auch deshalb, weil er das Budget schont. Und weil er eigentlich nichts hat, was kaputt gehen kann. Er ist auch keine Image-Schleuder, strahlt null Prestige aus – wir mögen das, so soll es sein. Und wenn Du dann da am Grimsel eng hinter dem mindestens dreifach stärkeren SUV-Coupé hängst, das etwa sieben Mal so viel kostet, und vor der Kurve zum Überholen ansetzst (obwohl Du von Anfang an weisst, dass es eh nicht klappt), dann ist der leicht säuerliche Gesichtsausdruck des Premium-Piloten allein schon den Anschaffungspreis des Dacia wert. Und nein, auch wenn wir hier so positiv schreiben: wir haben keinen einzigen Franken Rabatt erhalten auf unseren Dauertester, die Dinger sind derart gefragt, dass wir froh sein mussten, überhaupt einen zu kriegen. Und wird sind aber auch nach zwei Jahren noch wir so richtig froh, dass wir ihn haben.

Mehr Fahrberichte und Tests haben wir in unserem Archiv.

1 kommentar

  1. Martin Krauer Martin Krauer

    Herrlich – da lacht des Puristen Herz 🙂 Wir machen mit unserem Duster 4×4 genau die gleichen Erfahrungen, allerdings erst seit 32’000 Kilometern. Nix dran, also geht nix kaputt. Erster Service deutlich unter 400 Franken (Galliker, Strengelbach). Verbrauch im Winter um die 6.5, im Sommer um die 6 Liter. Und das schönste: DREHREGLER für Heizung/Lüftung/AC!! Einziger, aber auch dringendster (und vermutlich nie erfüllter) Wunsch: Lenkradheizung – tja, man wird nicht jünger…

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