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Ferrari 250 GT SWB Berlinetta – #2067GT

Crazy Horse

Gut, so eine Ferrari 250 GT SWB Berlinetta kommt ja jetzt auch nicht jeden Tag zur Versteigerung. Dann ist es auch noch Chassis-Nummer #2067GT, zwar kein «Competizione», denn er verfügt über eine Stahl-Karosserie, aber doch aus der ersten, sehr begehrenswerten Serie. Dann stolpern wir aber über das Preisschild: 5 bis 6 Millionen Pfund. Da ist ein Schnäppchen für so einen «Kurzen», was ganz genau ist das Problem?

Nun, der Wagen hat eine sehr wilde Geschichte. Es begann noch ganz gut, #2067GT wird am 11. August 1960 fertiggestellt und an einen Franco Caimi verkauft. 1967 kauft der Mailänder Gastone Crepaldi den Ferrari – und lässt ihn wahrscheinlich 1971 bei Drogo umbauen. Das Design mag dem damaligen Geschmack entsprochen haben, als grossartigen Entwurf darf man es aber wohl nicht bezeichnen. Drogo hatte einen sehr ähnlichen (oder gleichen) Aufbau schon einmal verwendet, dem 250 GT SWB mit der Chassisnummer #2209GT (ex-Schlesser) war gleiches geschehen. Die Bilder unten zeigen #2067GT (blau) und #2209GT (dunkelrot) mit der Drogo-Karosserie.

Der neu eingekleidete Ferrari drehte so eine üblichen Runden, kam 1978 in die Hände des Engländers Robert Lamplaugh, der ihn 1979 einer massiven Kaltverformung aussetzte. Was #2067GT wieder einen neuen Aufbau einbrachte, er sollte aussehen wie ein 250 GTO (tat er aber nicht, wir dürfen das Bild leider nicht zeigen). 1992 kaufte dann der Engländer Allen Lawson die Berlinetta und liess sie zur 250 GT SWB Berlinetta zurückbauen – allerdings in Alu, nicht wie original in Stahl. Ein Amerikaner bezahlte 1997 dann knapp 300’000 Pfund für den stark geschundenen Ferrari, bewegte das Fahrzeug aber immerhin bei noch so manchem historischen Rennen. 2008 kaufte der Belgier Philippe Lancksweert die Berlinetta, liess sie wieder komplett restaurieren, diesmal in Stahl – und das anscheinend so gut, dass #2067GT 2013 das so begehrte «Red Book» von Ferrari Classiche erhielt.

Mit dem «Red Book» (das es offiziell erst seit 2016 gibt…) ist ja dann eh alles gut. Und nein, da muss man dann auch keine Fragen mehr stellen. Wir sind jetzt auch sehr gespannt, was RM Sotheby’s, wo #2067GT am 12. Juni 2024 im Cliveden House versteigert wird, zu diesem Fahrzeug schreiben wird. Die ganze Geschichte und Sammlung der Ferrari 250 GT SWB Berlinetta gibt es hier, mehr gute Geschichten im Archiv. Ach ja: Bei der Recherche zu diesem Fahrzeug haben wir noch jede Menge spannender Ferrari von Drogo gefunden, die wollen wir dann mal noch aufarbeiten.

1 kommentar

  1. maxi moll maxi moll

    Toller Bericht!
    Mir taugen diese geschundenen Helden, die halten und weiter machen.
    Und Drogo ist mir mal in echt entgegen gekommen.
    Ich war erstaunt, wusste, das gibt es und weg war er.
    Wenn bockige Designzukunft 15 Jahre nach vorne geht aber etwas
    brutal bleibt. Für mein v-12 Total neu Projekt zeichne ich derzeit und
    gucke. Es soll kantig androgyn sein pur, und in 10 Jahren noch zum ansehen.
    2026 solle es fertig sein.
    Beim 250 Gt swb komm ich immer zum schmelzen.. das weiche Original.
    Der macht was. Lg 🙂

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