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«strictly limited»

Selbstinszenierung

Es hat alles auch seine Vorteile: In Zukunft kann ich mir die Frühlingsreise an den Comersee sparen. Kein Stau am Gotthard mehr (ok, ich fuhr eh über den Simplon), keine nervige Parkplatzsuche mehr in Cernobbio, keine trockenen Panini mehr, keine überteuerten Capucchini. Aber heuer liess mich BMW beim «Concorso d’Eleganza» in Villa d’Este gar nicht mehr rein («strictly limited», mehr dazu weiter unten) – und leider ist «fuori concorso» halt auch nicht (mehr) wirklich das, was mein Klassiker-Herz erfreuen könnte. Klar, es ist verständlich, dass der Veranstalter des Alternativ-Events auch schauen muss, dass seine Kosten gedeckt werden, aber dass man deswegen Porsche erlaubt, einen dieser grausligen E-Macan sowie ein paar weitere, in erster Linie eigenartig lackierte Neuwagen auszustellen, das ist in erster Linie peinlich. Vor allem für Porsche, weil man in Stuttgart anscheinend nicht verstanden hat, um was es am Comersee geht. Koenigsegg kann man als Ausstellers ja noch verstehen, das ist wenigstens exklusiv.

Und auch Aston Martin gab sich deutlich mehr Mühe als Porsche, stellte immerhin ein paar geschichtsträchtige Fahrzeuge hin, DB3/6 sowie DB3S/115 (ausgeliefert an Joe Lubin, deshalb weiss). Doch auch bei den Engländern: Vor allem langweilige Neuwagen, inklusive dem Valour (der in Realität noch fürchterlicher aussieht als auf den Bildern).

Auch Lotus kaufte sich seinen Platz, verteilte aber immerhin ein paar spannende Stücke über das ganze Gelände. Vielleicht war das aber auch Zufall.

Ja, es nagt schon an mir, dass ich nicht zum «Concorso d’Eleganza» durfte. Nicht, weil ich beleidigt wäre, dass mir 17-jährige Buben mit einem Handy und Girlies mit einem kurzem Rock, also Influenza, vorgezogen wurden, da hab ich sogar ein gewisses Verständnis, da schauen halt mehr Bangladeshi deren Bildchen an. Aber ich war bei der ersten Austragung der Neuzeit schon dabei, 1986, ab 1995 dann eigentlich immer – da ist ein schöne Bilder-Sammlung entstanden über die Jahrzehnte. Und gerade für unsere Sammlungen standen auch dieses Jahr ein paar spannende Kandidaten in Villa d’Este, Countach, Miura, Maserati 5000 GT. Andererseits: Das Feld war wohl so schwach wie noch nie, ein paar lustige Farben an ansonsten sehr bekannter Massenware machen keinen Frühling. Doch auch das war wohl den Influenza geschuldet, sie können für die feine Selbstinszenierung ein grünes neben einem roten Automobil zeigen. Wenn aber ein (roter) Fiat-Dino Aerodinamica von 1967/68 so ein bisschen der Höhepunkt der Show ist, dann muss man sich schon etwas Sorgen um die Bedeutung dieser einst so grossartigen Veranstaltung machen. Aber darüber muss ich mir ja in Zukunft keine Gedanken mehr machen. Ja, wir zeigen dann auch noch ein paar Höhepunkte von fuoriconcorso. Denn dort hatte es: Mehrwert.

1 kommentar

  1. Ingo Ingo

    Hallo Peter,

    Vielleicht eine blöde Frage, aber warum darfst du denn nicht mehr zum Concorso d’Eleganza?

    Ich hoffe ich spreche da keinen wunden Punkt an…

    Grüße Ingo

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