Die Macht der Gewohnheit?
Auch ich als nun schon wahrlich alter Lateiner bin dem Sprüchlein «de gustibus et coloribus non disputandum est», über Geschmack und Farben lasse sich nicht diskutieren, auf den Leim gekrochen, es hätte ja zu gut als Ausspruch zu einem längst vermoderten Römer gepasst. Nun, dem ist nicht so, erste verbürgte Quelle ist Jean Anthelme Brillat-Savarin (1755-1826), nicht bloss Erfinder eines Küchleins und Namensgeber für einen Käs’, sondern vor allem Autor der «physiologie du goût» (1826), einer der wichtigsten Schriften zur Kochkunst und Tafelfreuden. Ihm, dem Franzos’, wird das lateinische «de gustibus non est disputandum» zugeschrieben, wobei er es auch nur aus dem Spanischen hat, «sobre los gustos no hay disputar», dort eine ganz typische Phrase. Die Farben, heisst es, kamen erst später auf den Geschmack, die Scholastiker sind der Meinung, solches läge jenseits aller Beweisbarkeit.
Nun denn, wir sehen das anders. Es gibt durchaus Automobile, zu denen passt eine Farbe besser als die andere. Machen wir einen Versuch, Ferrari Enzo, im typischen Rot, dem ebenfalls klassischen Gelb, Blau (nicht original, war mal mattschwarz), dann Mattschwarz (wie erwähnt), Schwarz, Silber und Weiss (ein Einzelstück):







Was würden Sie denn wählen? Ferrari, sind wir der Überzeugung, werden so entworfen, dass sie in Rot gut aussehen. Die meisten Kundinnen wollen das so. Und es ist irgendwie auch verständlich. Auch wenn Ferrari das Rot nicht für sich pachten kann, es ist die italienische Renn-Farbe, lange, lange vor Ferrari waren die schnellsten Alfa Romeo und Maserati schon rot. Für eine andere italienische Marke gilt das weniger: Lamborghini. Da werden wir jetzt gleich extrem: Miura – welchen hätten Sie denn gern? Können Sie das auch begründen? Bei sich selber – ergründen? Selbstverständlich können wir nicht alle Farben zeigen, es gab 7 verschiedene Gelb, 9 verschiedene Rot, etc. – wir haben dafür eine Liste erstellt, hier.



Wir wagen mal die Behauptung: Das hat ganz viel mit Gewohnheit zu tun. Ein sportlicher Italiener ist gefälligst rot – ein ebensolcher Engländer gefälligst grün. Beispiel gefällig?

Der Franzos’ kommt in Blau.

Ohlala, entschuldigung, so:

Der Amerikaner muss dann weiss sein, wenn man an die Macht der Gewohnheit glaubt:

Ein typischer Deutscher kommt traditionell in Silber.

Stimmt natürlich nicht, nehmen wir den Porsche 911 Carrera RS 2.7, da wissen wir es ganz genau. Es gab: 1010, Schwarz (62 Ex.); 1111, Hellelfenbein (160); 1313, Bahiarot (42); 1414, Signalorange (5); 1515, Irischgrün (12); 2201, Grand-Prix-Weiss/Blau (205); 2225, Grand-Prix-Weiss/Rot (185); 2238, Grand-Prix-Weiss/Grün (60); 2323, Blutorange (126); 2525, Indischrot (30); 3838, Vipergrün (79); 3939, Olive (4); 4040, Aubergine (16); 4545, Fraise (4); 4646, Elfenbein (0); 4848, Seeblau (55); 5252, Signalgelb (87); 5454, Sepiabraun (19); 5555, Beigegrau (0); 5656, Buschgrün (2); 6060, Gulfblau (18); 6161, Gulforange (25); 6262, Hellgelb (296); 6666, Glasurblau (16); 6767 Lindgrün (23); 6868, Hellgrün (11); 6969, Flieder (16). Den besten Überblick erhalten Sie: hier.



Aber da war halt auch 9999, die Sonderfarben; 15 Exemplare wurden nach ausdrücklichem Sonderwunsch lackiert. Das ist heute extrem Mode geworden bei Porsche, Paint to Sample, man munkelt, dass die Stuttgarter einen Viertel ihres noch verbleibenden Gewinns damit einfahren. Kostet ja auch gut, man kann da beim 911er wählen nach Farbe nach Wahl (12’760 Franken/10’460,10 Euro) und auch noch Farbe nach Wahl Plus für 27’930 Franken (22’895,60 Euro), da geht dann auch die perfekte Abbildung des persönlichen Zahnbelags oder der bevorzugten Unterwäsche der Drittfrau. Oh, sorry, jetzt haben wir uns textlich ein bisschen verfahren, wir wollten ja über passende Farben diskutieren, nicht über Dekadenz. Und bisher haben wir ja auch nur sportliche Fahrzeuge gezeigt, wie ist das bei den Limousinen? Geht da auch etwas anderes als Schwarz?

Persönlich bevorzuge ich übrigens: Weiss. Aber das ist mein ganz privates Problem. Noch mehr farbige Beispiele haben wir zum Beispiel: hier.


Weiss lässt Autos grösser aussehen – das kann ein Vorteil sein. Aber wie man in Wien sagt: Gusto und Watschen sind verschieden. ich finde rot gerade bei Kleinwagen bis Mittelklasse gut. ein bisserl Feuerwehr tut der Seele gut.
Bei PORSCHE gab es schon vor Mitte der 70er Jahre beim frühen schmale ersten G-Modelldas exklusive Angebot für eine individuelle Sonderfarbe. Man brauchte z.B. „nur“ die violetten Pömps der (damals) Erstfrau vorlegen und schon bekam man (nat. gegen ein sattes Aufgeld) das Violett der Schuhe auf seinen 911er „gepinselt“. Damit wurde im Magazin „Der Spiegel“ auf einer ganzen Seite (farbig!) geworben (damals die teuerste Seite in einem deutschen Printmedium). By the way PORSCHE hat es schon immer verstanden, seinen Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Heute gibt es nur zwei(!) Lackfarben, die ohne Aufpreis bestellbar sind.
Stephan M. Schuster, Dachau
Diffiziles Thema.
Ich muss sagen, inzwischen freue ich mich über jedes Auto ab Mittelklasse aufwärts, dass nicht weiß/grau/schwarz ist. Ich bin mir allerdings der Ironie bewusst, dass unsere beiden Autos grau metallic sind, war gebraucht bzw. als Vorführer dann halt doch nicht das größte Kriterium.
Weiß hat mir früher sehr gut gefallen, neutral und doch von gewisser Präsenz. Allerdings haben die berühmten bargeldnahen Schichten die Farbe bei mir etwas in Verruf gebracht…
Schwarz war noch nie mein Fall, frisst sämtliche Linien und Kontraste, außerdem sind es in der Sonne meist schäbig aus, voller Swirls und Microkratzer.
Bei den echten Farben gefällt mir der Trend zurück zu gedeckten Grüntönen aktuell ganz gut. Dann aber bitte bitte in Kombination mit schwarzem Interieur. Kombinationen mit braunem oder cremfarbenem Leder stehen irgendwo zwischen Rover 75 und Bundesgrenzschutz. Eta Isle of Man Green auf dem BMW M3 oder Verde Zeltweg auf Ferrari 812, das hat was. Auch dunkles Violett kann toll aussehen, aber da ist es halt dann wieder, was auf einem McLaren wahnsinnig cool kommt, hat auf Tante Irmgards Boxster S den gegenteiligen Effekt…
Ein Quell der Inspiration ist die sehr umfangreiche Farbpalette von Aston-Martin, da liegt der Fokus auch nicht so sehr auf grellen Bonbontönen.
Aston Martin, als auch Jaguar: Die Farbe von Champagner, einem französischen Wein (Bordeaux!) oder Aperitiv (Dubonnet), die der Chiltern Greens oder der bewaldeten Hügel von Buckinghamshire. Der Aubergine-Ton, den der Gentleman auch nach 17 Uhr an seinen Schuhen zeigen darf (Oxblood) usw. usf.
Alles lange vor Stroll und Tata, in einer Zeit, als die oberen 10’000 noch Klasse hatten und einerseits nicht auffallen wollten, andererseits bereit waren, für den Unterschied ein paar Steinchen mehr über den Tresen kullern zu lassen.
Fährt heute jemand mit einem tarnkappenfarben muskierten Boliden vor dem entsprechenden Etablissement vor, rennen in den nächsten Tagen die metoo-Fans los. Ich auch, ich auch , ich auch …
Ich liebe Farben an Autos, aber bitte nicht zu grell. Das wirkt dann schnell prollig. Schwarz ist keine Farbe für mich, weil schwarz frisst Design. Schwarze Autos mit schwarzen Felgen sehen aus wie Kohlehaufen. Weiss und silber mögen oft elegant wirken, sind aber irgendwie auch langweilig. Es braucht dann einen Kontrast im Interieur.
Meine Wahl findet ihr auf http://www.cadinental.ch.
Generell wünscht man sich ja die Farbfreudigkeit der Siebziger zurück nicht die öden Farben von heute.
Besonders BMWs in beige und metallic-grün sind mir in angenehmer Erinnerung.
Also, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, entstanden die „Rennfarben“ vor dem 1. Weltkrieg in etwa so:
Blau = Frankreich
Grün = England / Großbritannien
Rot = Italien
Weiß = Deutschland
Gelb = Belgien
weitere fallen mir spontan nicht ein…. aber es dürfte auch Farbk0mbinationen gegeben haben.
Die Silberpfeile entstanden der Legende nach, weil bei irgedeneinem Rennen die Mercedes zu schwer waren und der Rennleiter Neubauer über Nacht die weiße Farbe und den vielen Spachtel abkratzen liess… dann war die Karosse „nakt“ und weil damals bei Rennfahrzeugen als Karroseriematerial Aluminium verwendet wurde „silbrig“.
So, das Thema ist aber sehr dem persönlichen Geschmack unterworfen. Für mich muss ein Ferrari aber nicht Rot sein. Ebenso muss ein italienische Auto nicht Rot sein. Für die andern Länder gilt das antsprechend.
Manche Fraben wirken bei einem Auto „gut“ bei anderen eher „schlecht“. Aber jeder 2sieht`s“ anders uns das ist auch gut so und es stimmt, Mut zur Farbe, es könnte schon etwas bunter sein!
Mein Dino war auch mal „Blu Medio metalizzato“ (stand ihm gut, finde ich) und wurde vom Vorbesitzer im Zuge der Restauration in den 1990er Jahren rot lackiert…. Gut, wenn man ein gebrauchtes Auto kauft muss man wegen des Farbwunsches kompromissbereit sein. Allerdings, wenn die nächste Lackierung notwendig wird, würde ich ihm wieder seine Originalfarbe „spendieren“. Mein ganzer Familien. und Bekanntenkreis findet ihn Ror aber „schön“ weil`s eben ein Italiener ist!
Ach, und da gab ja einmal vor Jahren den Spruch, „bei einem italienischen Auto fängt die Farbe des Grenzbereichs (Drehzahlmesser) schon bei der Außenfarbe an“ – oder so ähnlich.
Um erst einmal Ihre Frage zu beantworten:
Der Enzo gefällt mir in weiss auf den Fotos erschreckend gut.
Den Miura sehe ich immer in orange, wenn ich an ihn denke.
Schwarz wurde in Deutschland mit dem Golf GTI 1 zum Trend.
Vorher waren Taxis und Leichenwagen schwarz.
Da ist er der Trend, der Zeitgeist. Ein W108 in uni beige sieht sehr schlüssig aus, bei einer aktuellen S-Klasse undenkbar.
Siehe, die Farbe muss auch zur Form passen.
Ansonsten ist das sehr schwer zu beantworten, denn es kommt auf mehr an, als nur auf Farbe, obwohl dies sicher der erste und größte Eindruck ist von einem Auto.
Ein Beispiel:
Ein Freund und ich hatten beide einen BMW E60 in schwarz mit silbernen Felgen.
Seiner Metallic mit Chrom und innen schwarzes Leder, meiner uni-schwarz mit Shadowline, innen cognacfarbenes Leder (sattelbraun).
Die Wirkung war völlig unterschiedlich, die Unifarbe glänzte deutlich mehr, was ihn sehr verwirrte, mir bei der Bestellung klar war.
Würde man den beiden nun schwarze Felgen verpassen, wären es Prollkisten.
Bestimmte dunkle Farben, dunkelblau, dunkelgrün, sind frisch gewaschen sehr schick, verlieren aber mit der leichtesten Staubschicht ihren Glanz, was die Wirkung stark verändert.
Es bleibt schwierig.
Sehr schönes Thema, dazu dann auch noch die humanistische Bildung herausfordernd betitelt…
Ich betrachte die Farbigkeit von Automobilen immer unter mehreren Aspekten.
1.
Das Design des Fahrzeugs, bestimmte Formen vertragen bestimmte Farben sehr unterschiedlich.
Silbergrau ist für den Designer die Idealfarbe zur Wahrnehmung der Formen, das Licht bricht sich am besten, die Farbe nimmt sich vollständig zurück, noch mehr als Weiß, aber es gibt Automobile, die gerade in der technischsten Farbe relativ langweilig wirken:
Einen Porsche 911, also einen klassischen 911, hätte ich nur sehr ungerne in Silbergrau, die extrem schlichte, funktionale Form wirkt in dieser Farbe fast langweilig.
Einen Rolls Royce Silver Shadow oder Corniche hingegen finde ich genau in dieser Farbe perfekt, sie nimmt den relativ präsenten Autos etwas von ihrer Wichtigkeit, in dunklen Farben wird diese Wichtigkeit für meinen Geschmack zu sehr betont.
Fast alle Jaguare sehen in Silbergrau absolut perfekt aus, ebenso die allermeisten Ferraris, und ebenso in einem dunkleren Anthrazit-Metallic.
Schwarz hingegen steht aus meiner Sicht nur sehr wenigen Autos wirklich, für mich gibt es genau drei Fahrzeuge, die ich in dieser Farbe wählen würde:
Das VW Käfer Cabrio, gerne mit braunem Verdeck und cognacfarbenem Interieur.
Den Lamborghini Miura, seine Form ist so stark, daß die Farbe nicht stört und der Miura von Sig. Innocenti in schwarz mit weißem Interieur ist einfach unfaßbar cool.
Ein klassischer Mini-Cooper, am besten mit Lederpolstern, Faltdach und 10″-Rädern, im Idealfall von Wood & Pickett oder Radford veredelt.
Außerdem paßte die Farbe zu allen BMW’s der siebziger, achtziger und frühen neunziger Jahren, sie hatten in ihrer Funktionalität und technizistischen Anmutung etwas von einer Nikon-Kamera, die war auch immer schwarz…
2.
Das Fahrzeug selber, bestimmte Farben verbindet man sehr oft mit bestimmten Fahrzeugen, man mag sie sich eigentlich nicht in anderen Farben vorstellen:
Eine Déesse oder ein SM muß für mich Gris-Metallisé lackiert sein, ein Traction Avant natürlich Schwarz.
Der für mich porschigste Porsche überhaupt, das G-Modell aus den achtziger Jahren, hat für mich eine ultimative Farbe: Weiß, mit schwarzem Interieur und schwarzen Fuchs-Felgen. Einfach perfekt.
Ein Aston Martin DB5 muß für mich Silbergrau sein, nicht wegen James Bond, sondern weil die extrem schöne Form in dieser Farbe am besten aussieht, schon beim Nachfolger, dem DB6, muß es diese Farbe nicht sein.
Ein klassischer Land Rover ist eigentlich immer grün, mit weißem Dach und weißen Rädern, so kennt man ihn und so würde jeder Traditionalist ihn bestellen.
Und ansonsten müssen Ferraris rot, Britische Automobile dunkelgrün und Bugattis blau sein, jedenfalls in der allgemeinen Wahrnehmung.
3.
Das sozio-kulturelle Umfeld des Fahrzeugs, in bestimmte Städte oder Landschaften passen bestimmte Autos besser oder schlechter:
Ein weißes Rolls Royce Cabriolet mit mayonaisefarbenen Sitzen wird an der Hamburger Außenalster ebenso albern aussehen wie vor der Kronenhalle, das ist das Problem, wenn man einen günstigen USA-Import erwirbt.
In Pacific Palisades oder in Mar-a-Lago – wobei, da will man ja sowieso nicht hin – wirkt das Auto plötzlich völlig anders, das Licht und die Umgebung gibt dem Fahrzeug eine völlig andere Anmutung als in Duisburg Ruhrort.
Vor einem Sandstone-Countryhouse in den Cotsworlds sieht ein roter oder gelber Ferrari maximal albern aus, in Forte dei Marmi oder Puerto Banus hingegen hat er eine gewisse Selbstverständlichkeit.
Der hellelfenbeinfarbene Mercedes 300 SL mit den roten Lederpolstern wiederum macht sich prima in einem Deutschen Heimatfilm der Wirtschaftswunderzeit, in Louis Malles großartigem Film „Fahrstuhl zum Schaffot“ muß es aber ein silbergrauer Flügeltürer sein, der durch das regnerische Paris fährt.
4.
Die Farbgebung in Bezug auf Image, soziale Rezeption, Mode und Zeitgeist:
In den sechziger und siebziger Jahren waren Staatskarossen, Leichenwagen und Taxis schwarz, fast niemand kam auf die Idee, seinen Porsche, seinen Fiat 124 oder sein Alfa Bertone Coupé in schwarz zu ordern.
Mitte bis Ende der siebziger Jahre begannen dann plötzlich bestimmte, meist dem urbanen Umfeld zuzuordnende Early Adopters Autos in Schwarz zu ordern, mit denen man damals eher andere Farben assoziierte, schwarze Porsches, schwarze Käfer Cabrios, schwarze Minis sah man plötzlich in den Großstädten häufiger, BMW legte vom späten 02-er eine Sonderserie in Schwarz auf und John Player Special lancierte eine Werbekampagne, in der jung-dynamische Herren vor schwarzen Maseratis, Berlinetta Boxers und Daytonas ihre Lebensphilosophie verbreiteten, mit einer JPS in der Hand.
In den achtziger Jahren brach dann der Damm, jeder Golf hatte, wenn er etwas auf sich hielt, schwarz zu sein, ebenso die 3er-BMW’s, es gab so seltsame Auswüchse wie „Blauschwarz-Metallic“ bei Mercedes, wie weiter oben beschrieben, sieht ein Auto in Schwarz-Metallic immer leicht staubig aus, dann kam der schwarze Chrom, und mittlerweile das Grauen schlechthin, schwarze Seiten- und Heckfenster und schwarze Felgen dazu, ganz fürchterlich!
Weiß war auch kurzzeitig in Mode, gerne genommen mit weißen Felgen, in seiner schlimmsten Form als Weiß-Metallic, insbesondere bei den schrillen Tunern sehr beliebt.
Und inzwischen sind fast alle Autos grau, bestimmte Modelle gibt es ohne Aufpreis nur noch in dieser Farbe, ich hörte von Menschen, die Autos leasen, daß jede andere Farbe als Schwarz, Silbern oder Anthrazit einen erheblichen Aufschlag bei der Leasingrate auslösen würde.
5.
Fehlfarben:
Sehr speziell wird das Thema, wenn so Verrückte wie ich anfangen sich ein Auto zu konfigurieren…
Jeder Jaguar hat dunkel zu sein, am besten dunkelgrün oder in Hamburg dunkelblau.
Das ist mir zu beliebig, zwar sehen sie sehr schön aus, aber ein silbergrauer oder ein anthrazitfarbener, klassischer Jaguar sieht cooler aus, auch weil es unerwartet ist.
Als Bentley den wunderbaren Turbo-R präsentierte, tat man das in einer richtig schrägen Farbe, in Vermillion-Red, einem kräftigen, leicht ins Pink changierendem Rot, „Winds of Change“ war damals der Claim.
Kein normaler Mensch wäre auf die Idee gekommen, dieses riesige Luxusauto in solch einer Farbe zu bestellen, ich fand es grandios.
Und in den Rolls Royce-Prospekten der frühen achtziger Jahre war das wunderbare Corniche Coupé in einer Farbe abgebildet, die wahrscheinlich niemand bestellt hätte, wenn er das Auto nicht so gesehen hätte: Primrose-Yellow, ein ganz blasses Gelb, mit schwarzem Interieur, ganz wundervoll!
Eine absolute Fehlfarbe hat auch eines meiner Autos, mein Defender, er ist in „Rimini Red-Metallic“ lackiert, mit weißem Dach und weißen Rädern, nach einem zuvor gefahrenen, grünen Defender war ich der Meinung, daß ich nicht zu sehr dem Mainstream frönen sollte…
Der Gedanke hingegen, einen roten Ferrari fahren zu müssen, behagt mir nicht sehr, ein Ferrari oder ein Maserati wäre mir in einem eleganten Dunkelblau immer sehr viel lieber, ein Freund von mir besitzt ein Mondial Cabrio in weiß mit dunkelblauem Interieur und Verdeck, ein absoluter Traumwagen!
Und einen Porsche würde ich in jedem Fall in Grün wählen, einem schönen Dunkelgrün, die Porsches der Familie Porsche waren eigentlich fast immer dunkelgrün, eine Farbe, die den Fahrzeugen im Übrigen ausgezeichnet steht.
Womit wir zu meinem letzten Punkt kommen:
6.
Meine persönliche Vorliebe für eine bestimmte Farbe:
Grün.
Lange Jahre war diese Farbe komplett vom Radar verschwunden, außer ein paar anglophilen Liebhabern seltsamer Autos von der Insel und einigen eingefleischten Waidmännern hat eigentlich niemand mehr grüne Autos bestellt.
Allerdings, von den Porsche-Kennern mit Traditionsbewußtsein abgesehen, gab es immer eine kleine, feine Gruppe von Liebhabern dieser Farbe, ein berühmter Gastronom und Importeur hochwertiger Lebensmittel hatte damals seinen Audi RS2 in British-Racing-Green bestellt, der berühmte VW-Veredler in Hannover, das Autohaus Nordstadt, fertigte diverse Käfer-Cabrios und viertürige Golf I GTI in dunkelgrün, es war lange Jahre die bevorzugte Farbe bürgerlicher Exzentriker und – relativ ungewöhnlich – geschmackssicherer, nicht völlig verarmter Adeliger.
Ich habe die Farbe, seit ich ein kleiner Junge war, in unterschiedlichsten Varianten immer sehr geliebt und so war es nur folgerichtig, daß mein erstes Auto, ein VW Käfer, diese Farbe tragen mußte und so blieb es auch bei vielen weiteren Fahrzeugen, die ich mein Eigen nennen durfte, von den silbernen und grauen Fahrzeugen abgesehen waren die grünen Autos immer in der Überzahl, selbst mein Smart der ersten Serie trägt ein edles „Bentley-Brewster-Green-Metallic“.
Und mittlerweile gibt es Facebook-Gruppen wie „The Green Car Appreciation Society“ und Instagram-Accounts wie „Green over Tan“ oder „Make Green great again!“, auf diversen Websites wird der Farbe neuerdings gehuldigt, der Berliner Ferrari-Vertreter preist mir seinen dunkelgrünen Roma an, ich verzweifele langsam, ich will nicht zum Mainstream gehören!
Lieber Herr Ruch, bitte entschuldigen Sie dieses Coreferat, aber ich konnte nicht anders und Sie haben uns aufgefordert…
Lieber Hugo,
eine sehr schöne Abhandlung zum Thema Farbe.
Tatsächlich gibt es auch innerhalb Deutschlands sehr große regionale Unterschiede, wie man sein Auto und seinen Lebensstil zeigen möchte.
Als ich Anfang der 2000er Jahre von München nach Hamburg übersiedelte, gab es da sehr große Unterschiede. Das hat sich mittlerweile durchaus geändert und ein wenig angepasst.
Damals sah ich in Hamburg ausschließlich schwarze Innenausstattungen, alles andere war wohl zu aufdringlich?
Ich kenne da einen sehr wohlhabenden Herrn, der gerne mehr zeigen würde, sich aber aufgrund seiner hanseatischen Erziehung nicht traut. Schade eigentlich.
Sein Onkel, von dem er die Firma übernommen hat, mit reichlich Liegenschaften in Hamburg und alter Villa auf 5000 Quadratmetern Grund in Volksdorf, fuhr als einziges Auto einen über zwanzig Jahre alten Golf 3. Weinrot uni.
In München hatte man längst den interessanten Kontrast zwischen Aussen- und Innenfarben entdeckt und da zeigte man deutlich mehr.
Meine Tante fuhr lange einen Daimler Double Six Serie III in uni Blau mit cremefarbener Innenausstattung. Das sah beinahe schon zu mondän aus, aber es passte an den Starnberger See.
Von Düsseldorf will ich gar nicht reden. Wenn ich dort übernachten musste, wählte ich gern ein kleines Gästehaus in einer Villa in Meerbusch. Direkt an der Ausfahrt eines Nobelviertels mit acht Meter hohen blickdichten Hecken. Was dort morgens vorbeifuhr war wirklich unglaublich, es gab praktisch kein Nobelauto, das nicht vertreten war und alle nicht gerade zurückhaltend.
Und ja, die schwarzen Scheiben ….. vor allem bei Limousinen fürchterlich.
Nicht nur, dass sie ernsthafte Nachteile haben, man sieht auch die kontrastierende Innenausstattung nicht und es ist absolut lächerlich.
Beim Kombi kann ich gerade noch verstehen, aber wirklich gerade noch, dass man eventuell weniger Aufheizung für seinen Hund haben möchte. Es kommt auch sehr darauf an, wie schwarz die Tönung ist. Bei VW konnte man mal wählen zwischen 65 % und 90 %. Ein deutlicher Unterschied, auch von außen.
Riminirot sieht man sehr häufig in englischen Filmen auf Defender und Range Rover, das neue BRG?
Geschwärztes Chrom.
Es kommt drauf an. Aufs Auto. Und wieviel geschwärzt ist.
Beim BMW E39 wäre ich nie auf die Idee gekommen, dies zu bestellen, beim damals extrem modern anmutenden E60/E61 gefiel es mir sehr gut. Zudem bei BMW die Nieren immer ihr Chrom behielten. Im Gegensatz zu Audi, die das Riesenmaul schwarz einfärbten und so einen zu martialischen Charakter erzeugten.
Und zu schwarzem Lack muss ich auch noch etwas sagen, da ich diesen selbst viele Jahre liebte und kaufte. Bewusst uni und selten Metallic. Und Metallic nur, wenn es richtig schwarz war und nicht bräunlich oder bläulich oder gräulich schimmerte.
Schwarz lässt den Wagen in seiner Gänze wirken und kaschiert sehr gut gewisse Unzulänglichkeiten, wie zu viele Sicken und Kanten (BMW E46 Touring) sowie zu viele schwarzgraue Kunststoffteile (BMW E36).
Und es macht so manchen Kleinwagen ein bisschen nobel, der sonst ein wenig billig wirken kann.
Heute ist ein größeres Problem als eine Fehlfarbe zu bestellen, die richtigen Felgen zu wählen. Gern wird zu groß, zu sportlich, zu schwarz gewählt und teilweise hat man beinahe ein Problem überhaupt noch eine nicht zu aufdringliche Felge im Angebot zu finden, siehe aktuell Mercedes.
werter, ganz herzlichen Dank. Es wird dies einer wochenendlichen Antwort bedürfen.
Gegenfrage:
Wer von Euch, kann malern?
Also nicht kritzel kratzel zum kotzen..sondern
echt in Farbe, alte Meister?
Max Richter..nein?
Oder ist wenigestens mit dem Photoapparat etwas begabt? ( handy?)
eben.
Was sind Farben, wie nimmt sie jeder Einzelne wahr, was ist die Lichtsituation.
und.. 90% aller Autos die je gebaut und vorgestellt wurden, sind es nicht wert
lakiert zu werden. ( tesla = rollender Dünschiss.. der unfähige Stuhlgang)
Ich habe hier einen Porsche 911er stehen, ich mag das matte Olive, dass in der
Form auch meinen alten Alfa GTV ziert. Die schwarzen BBS passen.
Innen ( Porsche) Schwarz- keine Schnörkel.
Mein Ferrari 550 er ist in dem Blau, das in diesem dunklen Azure sofort ans
Meer will. Das Leder ist in dem schönen Naturbraunton. Und schwarz.
Und ein Schnapper, Bentley, 2012, ist gelb. Das steht dem Coupe-panzer.
Innen in Stoff, 1970grt Muster und Tweet. kein Leder. aber Grün und orange.
Ich finde die alten Mischungen ( hochgiftig) in den 1960zigern, 1965, 66, 67..
wunderschön.
zb die GULF Farben.. ( 917er). Und der Mini, der erste war in dem Mister Been beige
oder in dem Rot genial.
2025. Das Grün am R-5, ist gut. Und der derzeit das einzige Auto, dass ich mir wh
neu kaufen würde.
Lg 🙂
Meinen Sie den fürchterlich schlechten Veduten- und Genremaler F. Max Richter-Reich aus Magdeburg???
Hoffentlich nicht.
Ein anderer Max Richter ist st ein zeitgenössischer, experimenteller Komponist aus Großbritannien, über dessen Fähigkeiten in der Malerei nichts bekannt ist.
Ansonsten kann ich ganz passabel zeichnen und ganz ordentlich photographieren.
Aber warum die Frage?
Glauben Sie, daß diese Fähigkeit bei der Beurteilung von Farben oder Formen hilft?
Da muß ich Sie enttäuschen, die wenigsten Kunstkritiker sind gute Maler und meine Malerfreunde sind in den seltensten Fällen objektiv gute Kritiker.
Bei Iherer Farbauswahl bin ich mir jedoch bezüglich Ihres Geschmacks etwas unsicher.
Nein, falsch. Nach dem dritten Lesen bin ich mir sicher.
Mattoliv, egal mit welchem Interieur, ist einfach ganz furchtbar, auf einem Porsche, einem Alfa, einem Hummer oder einem Leopard. Und schwarze Felgen sind dann noch die Vollendung…
Den Bentley würde ich zu gerne einmal sehen, vor allem den Innenraum.!
Die Farbgebung Ihres Ferraris hingegen klingt sehr gut.
Und:
Ich mag ungern besserwisserisch wirken, aber Mr Beans Mini war in einem nicht originalen Grüngelb lackiert, nicht wirklich schön…
Über die Farbwelten des Mini könnte man jetzt durchaus ein weiteres Coreferat halten, aber das erspare ich uns jetzt lieber…
Ich habe einmal etwas sehr böses, aber wahrscheinlich doch sehr treffendes gelesen:
„Über Geschmack kann man nicht streiten. Es gibt keinen und welchen.“
Das, lieber Rolf, ist absolut richtig, ich erlebe das in meinem beruflichen Umfeld täglich und ich ecke immer wieder mit meiner Meinung, daß Geschmack eine Frage von Bildung ist, ganz fürchterlich an, in der Architektur, im Design, in der Kunst, in der Mode, in der Literatur und in der Musik.
Ich, zum Beispiel, bin musikalisch relativ ungebildet, erkenne zwar die Qualität von Wagners Opern, finde sie aber furchtbar und bevorzuge Händel, Haydn und Bach.
Wegen meiner mangelnden Bildung auf diesem Gebiet halte ich mich jedoch zurück, wenn Menschen, die etwas von Musik verstehen, darüber diskutieren.
Anders ist das auf meinen Sachgebieten, der Architektur, dem Design und der Kunst.
Freunde macht man sich damit nicht und der Bildungsanspruch wird sehr oft als elitär wahrgenommen.
Deshalb:
Mattolivgrüne Autos mögen bei kriegerischen Auseinandersetzungen ihre Berechtigung haben, schön sind sie jedoch definitiv nicht!
Lieber Hugo, ich simme Ihnen zu.
Als ich das erste Mal so ein Auto mit so einer Matt-Metalliclackierung sah, dachte ich da fährt einer mit einem Auto herum, das nur grundiert wurde oder das mit Rostschutzfarbe „angemalt“ wurde… dann wurde mir erklärt, dass die Leute für diese „Lackierung“ auch noch Aufpreis bezahlen – na ja!
Besonders „daneben“ finde ich auch diese „Panzergraue“ Farbe, die vor allem die SUV wirken ließ wie Panzerspähwagen.
Na ja, ich habe auch Grundlagen der Farbenlehre und Gestaltung rein durch meinen Beruf beigebracht bekommen aber, wie Sie berichten es ist immer schwer – jeder „findet etwas anderes Schön“ – Und da das subjektive Empfinden bei jedem etwas verschieden ist, soll jeder nach seiner Facon glücklich werden.
Ein Armeefahrzeug in Olivgrün gut, mein Privatauto eher nicht, vielen Dank!
Nachdem nun alles schon hervorragend erklärt wurde, danke die Herren Rolf u Servatius, möchte ich eine kleine Begebenheit schildern, wie Farbe einen Wagen verschöneren kann.
Ich sah vor kurzem einen Skoda Octavia Kombi in einem wunderschönen Dunkelblau mit grauer Leder Innenenausstattung.
Der Wagen sah nur enfach gut aus!
Grüße aus einer gelb, roten Garage
Ulrich