Plastikbomber
Die Gebrüder Wally und Harry Hansen hatten sich nach dem 2. Weltkrieg in der Hot-Rod-Szene im Süden von Kalifornien einen guten Namen gemacht. Doch sie wollten mehr: ihre eigenen Custom Cars zu bauen. Dabei stiessen sie aber schon bald an ihre Grenzen bei der Metallbearbeitung, deshalb mussten sie ein neu aufgekommenes, innovatives Produkt verwenden, das ideal für ihre Bedürfnisse geeignet war: Glasfaser. Das Duo begann 1952 mit der Arbeit an seinen Autos und startete mit der Konstruktion eines stabilen Chassis aus Stahl-U-Profilen, das mit strategisch platzierten Löchern versehen war, um nicht nur unnötiges Gewicht zu reduzieren, sondern auch die Festigkeit zu erhöhen. Der hier gezeigte Hansen Cobra, entworfen von Harry Hansen, verwendete Vorder- und Hinterachsen eines 1940er Ford, gepaart mit einem 235 PS starken Cadillac-V8-Motor und einem Lincoln-Dreigang-Getriebe. Nachdem das Fahrgestell fertiggestellt war, wurde eine Holzform gebaut, um das Design zu fixieren. Die Form wurde dann mit Gips überzogen und mit Wachs beschichtet, um die endgültige Form für die Glasfaserkarosserie herzustellen. Nachdem die Form ausgehärtet war, wurde sie in sechs Teile geschnitten, um die Herstellung der endgültigen Karosserieteile zu erleichtern. Die letzten Feinheiten umfassten Stossstangen eines Studebaker von 1953, Scheinwerfer eines Cadillac von 1953, die Kühlergrillleiste eines Chevrolet von 1952, modifizierte Rückleuchten eines Chevrolet von 1953 und, last but not least, die Windschutzscheibe, bei der es sich um die Heckscheibe eines Studebaker von 1953 handelte, die in einen Chevrolet Corvette-Rahmen eingesetzt wurde.



Die zwei Hansen Cobra wurden nach 17 Monaten harter Arbeit auf der Petersen Motorama 1954 vorgestellt, die von Robert E. Petersen organisiert wurde. Fotos aus dieser Zeit zeigen die Autos bei ihrer ersten öffentlichen Präsentation nebeneinander. Sie erregten auf der Messe grosse Aufmerksamkeit, die Brüder gewannen mehrere Preise für ihr innovatives Design und ihre aussergewöhnliche Handwerkskunst. Ihre Arbeit wurde später im Februar 1955 in der Zeitschrift Motor Trend vorgestellt, und Harrys rot-weisse Cobra war 1959 in dem Film Roadracers zu sehen. Beeindruckt von dem auffälligen Design bauten die beiden 1957 ein drittes Fahrzeug für ihren Freund Fred Eppele. Es gab Pläne, die Cobra in limitierter Auflage zu produzieren, doch diese wurden durch die erfolgreiche Einführung der Chevrolet Corvette und später des Ford Thunderbird zunichte gemacht.









Die Hansen Cobra wären fast in Vergessenheit geraten, bis Robert E. Petersen 52 Jahre nach ihrer ersten Vorstellung auf der Petersen Motorama 1954 die Cobra von Wally gekauft. Als die Brüder hörten, dass eine ihrer Cobra entdeckt worden war, begaben sie sich zum Petersen Automotive Museum, um ihr Auto zum ersten Mal seit Jahrzehnten wiederzusehen. Von ihrer Begeisterung für ihr Frühwerk beflügelt, fanden und kauften die beiden nicht nur Harrys Auto, sondern spendeten es auch dem Petersen Automotive Museum, damit die Autos wieder zusammen sein konnten.





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