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Fahrbericht Ducati Streetfighter V4 S

Gezähmt für die Strasse

Der Leistungsausweis der neuen Streetfighter V4 ist beeindruckend: Der 1103 ccm grosse Desmosedici-Stradale-V4-Motor setzt bei 13’500/min brachiale 214 PS frei. Das sind 6 PS mehr als beim Vorgängermodell und nur noch 2 PS weniger als bei der Panigale V4 Rennmaschine. Und das auch nur, weil die Ingenieure bei der unverschalten Streetfighter den Luftstrom nicht ganz so optimal steuern konnten wie bei der verkleideten Panigale. Ansonsten wurde dem neuen Hyper-Naked-Bike aber nichts von der Renntechnik der Sportlerin vorenthalten. Chassis, Fahrwerk und Elektronik wurden grundsätzlich 1:1 vom Topmodell übernommen, wenn auch für den Einsatz auf der Strasse adaptiert.

Die unverschalteten Streetfighter-Modelle verfügen per Definition über keine Stummellenker wie die Rennmaschinen, sondern über breitere, nach oben gerichtete Lenker, die zu einer relativ aufrechten Sitzposition führen. Das führt bei dieser Art von Motorrädern zu einem Widerspruch in sich. Aufgrund der verbauten Renntechnologie verfügen sie wie die Supersport-Modelle über ein Leistungspotenzial, das auf normalen Strassen nicht einmal ansatzweise ausgereizt werden kann. Andererseits fehlt ihnen für das Fahren am Limit auf der Rennstrecke der nötige Windschutz. Die Ingenieure haben diesem Dilemma Rechnung getragen, indem sie neben den für die meisten Fahrerinnen und Fahrer ohnehin hypothetischen Rennqualitäten auch die Alltagstauglichkeit stetig verbessert haben.

Ein weiteres technisches Highlight des überarbeiteten Motors sind denn auch die variablen Ansaugtrichter, die das Drehmoment und die Leistung über einen möglichst breiten Drehzahlbereich verteilen, wobei das maximale Drehmoment von 120 Nm bei 11’250/min freigesetzt wird. Das führt dazu, dass die neue Streetfighter im Fahrtest bereits bei 3000/min erstaunlich gut anspricht und geradlinig nach oben dreht, Auf öffentlichen Strassen muss allerdings selbst im zweiten Gang spätestens bei 9000/min von Gesetzes wegen Schluss sein. Zurück bleibt der Hauch einer Ahnung, was auf diesem Power-Paket auf der Rennstrecke im Drehzahlbereich darüber bis zur Topleistung von 214 PS bei 13’500/min abgehen muss. Um dort dieses Potenzial auch nur annähernd ausschöpfen zu können, ist jedoch auch fahrerisches Können auf höchstem Niveau erforderlich.

Für passionierte Hobbyfahrer spricht für den Kauf einer Streetfighter V4 – wie auch bei Käuferinnen und Käufern von Supersportwagen – neben dem Prestige wohl vor allem die Faszination für Motorradtechnik auf höchstem Niveau und das Wissen um das schier unglaubliche Potenzial. Gleichzeitig sorgt eine Fülle elektronischer Helfer dafür, dass die brachiale Kraft im Alltagsverkehr problemlos im Zaum gehalten werden kann. Dank elektronischer Steuerung lassen sich sowohl Fahrwerk als auch Bremsen perfekt auf den gewünschten Fahrstil abstimmen. In der bequemen, relativ aufrechten Sitzposition lässt es sich mit der Streetfighter also auch locker entspannt eine Passstrasse hochfahren oder durch den Stadtverkehr zirkeln.

Allerdings hat dieses extrem faszinierende Bike von Ducati auch einen sehr sportlichen Preis. Die Grundversion der Streetfighter V4 ist ab 25’190 Franken erhältlich, die gefahrene S-Version sogar erst ab 28’190 Franken.

Wir bedanken uns bei Daniel Huber für diesen Text – mehr Motorräder hat es im Archiv. Automobile übrigens auch.

6 Kommentare

  1. Rolf Rolf

    Ja, vielleicht ist es das letzte bisschen Sinn so einer Maschine, dass man aufrecht sitzen kann, im Gegensatz zu den Superhypersportlern.

    Ein junger Kollege fuhr eine KTM RC8, seine drei Kumpels Superduke. Alle „nur“ 175 PS.
    Er bestätigte mir, dass man nicht mal auf der Rennstrecke die volle Leistung ausnutzen kann, bestenfalls mal auf einer sehr langen Geraden und über 200 km/h.

    Nichtsdestotrotzdem ein faszinierendes Moped.
    Das Gewicht ohne Sprit beträgt übrigens 189 kg, das Leistungsgewicht kann man sich ausrechnen. Beim Auto Formel 1 Werte.

    • Eugen Eugen

      mhhh…, is mir nicht ganz klar, warum man(n) es einfach nicht ganz klar aussprechen kann: das Ding is wirklich nicht hässlich, technisch sicherlich topp (wobei, ausm V-Motor im Jahr 2025 – mitn entsprechenden Verbrauch – viel Leistung rauszuholen is jetzt nicht grad extrem prickelnd oder gar originäl), aber schlicht und ergreifend unfahrbar.

      • Rolf Rolf

        Ja stimmt .
        An zwei anderen Stellen hier habe ich bereits geschrieben , dass ich nichts von der überbordenen Leistung und dem technischen wie ausstattungsmäßigen Overkill halte . Bei Motorrädern noch weniger als bei Autos .

        • Eugen Eugen

          und vor allem bei Motorrädern.
          da hätten wir doch tatsächlich die Chance gehabt, zu zeigen, das weniger wesentlich mehr Spass beim Fahren (und darum sollte es eigentlich gehen) macht, aber leider, hamma auch verbockt!
          und das wirklich Zache: wirklich gute Fahrwerke und wirklich gute Bremsen (eigentlich das um und auf fürs Kurvenfahren) bekommt man nur bei diesen hochgerüsteten Krapfen. zw, 50 und 70 PS kriegt man echt nur unterirdisches Zeug. (na ja, hab ich mir halt die KTM Duke 690 R, Bj. 2017 gekauft, TADELLOS, kann alles. Ich glaub, da hat nicht mal KTM gemerkt, dass sie eines der besten Motorräder gebaut haben, nach 2 Jahren war schon wieder Schluss)

          • Rolf Rolf

            Es muss 2017 oder 2018 gewesen sein, da war ich mit einem Bekannten auf der Hamburger Motorradmesse. Die 790 war gerade neu, aber die 690 stand auch noch da.
            Auf der 690 saß man wesentlich besser, hatte nicht das Gefühl, schon im Stand über den Lenker zu fallen.
            Aber der Markt wollte wohl den 2 Zylinder.

            Die 1 Zylinder Duke war wirklich einzigartig. Noch so ein kleiner Rest Enduro, aber niedriger und mit Straßenreifen und halt 1 Zylinder. Geniales Moped und damals auch noch preiswert.

            Bis 70 PS gibt es bestenfalls die Guzzi V7 Sport, mit ordentlichen Komponenten und Bremsen, Ist halt viel schwerer und träger als die Duke, aber auch einzigartig mit dem alten luftgekühlten Motor und dem Kardan. Billig ist sie nicht, aber sie ist echt.
            Nicht so ein gekünsteltes Retro-Bike mit alter Tank-Sitzbank-Linie und unten ein hässlicher wassergekühlter Motor und ein Monofederbein hinten ……

  2. Eugen Eugen

    mhhh…, na ja, „der Markt“ sind in diesem Fall halt (zum Großteil) wir Männer, und weiss ich jetzt nicht so genau, was das über uns aussagt, wenn wir (weils recht einfach machbar is) solche übermotorisierte Geräte bauen und diese dann auch tatsächlich um teures Geld kaufen. Die Guzzi? einfach schön, gibs nix zu sagen, aber schaukelt halt schon sehr, kann RICHTIG gruselig werden.

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