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Opel Lotus Omega

Wuchtbrumme

Eigentlich war ja alles gut. 1986 war Lotus von General Motors übernommen worden, es kehrte Ruhe ein in Hethel. Gut, vielleicht etwas gar viel Ruhe, nur so lässt sich der Elan (Typ M100) erklären, der erste und einzige frontgetriebene Lotus (der dann, noch schlimmer, als Kia Elan endete). Es gab damals noch den Excel, doch für den interessierte sich eh kaum jemand, ein bisschen gebastelt wurde auch noch am ewigen Esprit. Es bestanden also noch Kapazitäten, und GM wollte ja auch einen gewissen «return on investment». Ebenfalls 1986 war der Opel Omega auf den Markt gekommen. Diesen gab es auch mit einem 3-Liter-Reihensechszylinder und zu Beginn 177 PS, eine ganz anständige Limousine, wenn auch fast schon furchtbar bieder. Wer nun auf die Idee kam, aus dieser Familienkutsche ein grobes Geschoss zu machen, ob Opel/Vauxhall oder Lotus, das wissen wir nicht. Als der Opel Lotus Omega 1989 vorgestellt wurde, war die Überraschung auf jeden Fall ziemlich gross: Lotus hatte dem Biedermann ein doppelt so starkes Herz eingepflanzt.

Der Aufwand war heftig. Der 3-Liter-Vierventiler von Opel wurde in England auf 3,6 Liter Hubraum vergrössert. Dazu kamen noch zwei Garrett-T25-Turbolader, ein Intercooler von Behr, neue Kolben von Mahle. Die Kraft wurde über das gleiche 6-Gang-Getriebe von ZF, das auch in der Corvette ZR-1 seinen Dienst versah, und ein Sperrdifferential aus dem Holden Commodore an die Hinterräder geschickt. Und es war viel Kraft: 382 PS, 568 Nm maximales Drehmoment. Vom Werk wurden 5,4 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h angegeben, dazu eine mögliche Höchstgeschwindigkeit von 283 km/h. Damit war der Lotus Omega zwar nicht die schnellste Limousine der Welt, wie gern geschrieben wird (diese Ehre gehörte dem Alpina B10 Biturbo, 291 km/h), aber mit seinen Fahrleistungen auf der Höhe zeitgenössischer Ferrari und Porsche.

Schon während seiner Produktionszeit – zwischen 1990 und 1992 wurde 950 Exemplare gebaut (andere Quellen meinen: 988) – fiel der Lotus Omega noch mehr als mit seinen imposanten Fahrleistungen mit vielfältigen technischen Problemen auf. Elektrik und Elektronik funktionierten nie so richtig, das Getriebe erwies sich als Schwachstelle, die Motoren gingen reihenweise hoch. Damals liess sich das, wenn auch nur mit happigem finanziellen Aufwand und ewigen Wartezeiten, ja noch reparieren; heute ist die Situation bei den Ersatzteilen schlicht und einfach dramatisch, es gibt fast nichts mehr. Es gibt auch nur noch wenige saubere Exemplare – und die sind dann so richtig teuer.

Mehr spannende Automobile finden sich in unserem Archiv.

2 Kommentare

  1. Ich hatte vor ca. 5 Jahren mal die Gelegenheit ein äusserst schönes Exemplar mit wenig km zu erleben. Schon geil. Dann machten wir noch Fotosession mit meinem Esprit V8 daneben, gab lustige Bilder

  2. Irgendwie ein sehr schräges Auto, ein Opel ist ja ganz grundsätzlich nicht the most sexy Car in Town, jedenfalls bis auf wenige Ausnahmen, aber ein verspoilerter Opel Omega ist ja eigentlich furchtbar.
    Aber ein Opel mit fast 400 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von bald 300 km/h, dazu noch mit Lotus-Emblemen, der ist eigentlich schizophren…
    Haben hätte ich ihn nie wollen, aber daß es ihn gibt, das ist schon cool.

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