Beflügelt
Eigentlich hätte Ford ja die Rallye-Weltmeisterschaft gewinnen müssen, damals, ab 1993, nie waren die Chancen grösser. Mit dem Sierra Cosworth hatte man die optimale Basis, schon 1989 begann die Entwicklung, ein Jahr, bevor der Escort Mk 5 präsentiert wurde. Damit das klar ist: Mit dem Standard-Escort hat der Escort RS Cosworth nur die Türen und das Dach gemein, alles andere ist Sierra Cosworth, Chassis, Antrieb. Das Design stammte von Stephen Harper von MGA Developments in Coventry, den berühmten Heckspoiler schuf Frank Stephenson (später BMW X5, Mini, Maserati MC12, McLaren, etc.). Gebaut wurde der Ford bei Karmann in Rheine.



Die Idee war klar: Mit dem verkürzten Sierra – Radstand 2,55 Meter anstatt 2,61 Meter – sollte die Gruppe A aufgemischt werden. Dafür brauchte es 2500 Homologations-Exemplare, die alle vor dem 1. Januar 1993 gebaut werden mussten. Aus dieser Reihe nahm sich Ford Motorsports dann jene Fahrzeuge, die zu Rallye-Fahrzeugen umfunktioniert wurden, der grosse Rest ging in den Verkauf. Dieses erste Serie war mit einem übergrossen Garrett-T3/T04B-Turbo ausgestattet, der für den Rennsporteinsatz perfekt war, doch den Strassenversionen ein fieses Turboloch bescherte, unter 3500/min war so ziemlich gar nichts los.



Für die Strasse schaffte der 2-Liter-Vierzylinder offiziell 227 PS bei 6250/min und ein maximales Drehmoment von 304 Nm bei 3500/min. Damit rannte er in 5,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und war mit dem Heckflügel 232 km/h schnell (ohne ging es auf 237 km/h). Damit trat der knapp 1300 Kilo schwere Ford damals in Konkurrenz mit einem BMW M3 oder einem Toyota Supra, doch er verfügte halt auch noch über Allradantrieb (34 Prozent der Kraft vorne, 66 Prozent hinten), was ihn auf kurvigen Strassen oder auf Schnee zu einem sehr ernsthaften Sportgerät machte. So sass man aber auch, die serienmässigen Recaro-Sitze sind Schraubstöcke.



In der Rallye-Weltmeisterschaft 1993 gewann Ford mit dem Escort RS Cosworth zwar fünf Läufe, doch für den Weltmeistertitel reichte es trotzdem nicht (den holte Toyota). 1994 gab es nur noch zwei Laufsiege, 1996 noch einen letzten. Das Projekt Titelgewinn war gescheitert – doch auf der Strasse sorgte der «Cossie» für viel Furore, die Nachfrage war viel grösser als erwartet, mehr als 7000 Exemplare konnten verkauft werden. Ab Juni 1994 gab es den Ford auch ohne Heckflügel, dafür mit einer für den Strassenverkehr viel tauglicheren Variante mit einem kleineren Garrett-T25-Turbo. Beim hier gezeigten Exemplar handelt es sich um einen Ford Escort RS Cosworth der ersten Serie.






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