Schattengewächs
Ferrari hatte 2016 den «neuen» GTC4Lusso auf die Strasse gebracht, siehe: hier. Nach 43 Jahren wurde also die Bezeichnung GTC wieder aus dem Keller geholt – und man muss nicht verstehen, warum dem so war. Denn der GTC4 Lusso ist einfach ein FFF, also ein facelifted FF, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Aber eigentlich sind die GTC bei Ferrari immer so ein bisschen Schattengewächse gewesen…

Es ist die Geschichte zweier Brüder. Da ist einerseits der 365 GTB/4, besser bekannt als Daytona (und von uns schon ausführlich beschrieben, hier). Und andererseits der 365 GTC/4. Der Daytona ist berühmt und begehrt, sein Brüderlichen nicht so sehr; der Unterschied zwischen «fame» und «shame» besteht also aus einem einzigen Buchstaben. Vom GTB/4 wurden zwischen 1968 und 1974 (wahrscheinlich) 1280 Stück gebaut, vom GTC/4 zwischen 1971 und 1973 nur 505 Exemplare (oder waren es 500? Oder waren es 570? Die Produktionsnummern laufen von 14179 bis 16289). Schon in den 70er Jahren wurde der GTC als der «vergessene Ferrari» bezeichnet. Er hiess ausserdem noch «il gobbone», der Bucklige, was er der Form seiner Fahrgastzelle zu verdanken hatte, oder auch: die Banane.

Dabei sieht er doch gar nicht so schlecht aus, das Design stammte wie beim Daytona von Pininfarina, verantwortlicher Designer war Filippo Sapino. Einzige optische Schwäche, vielleicht: die Front mit dem breiten Kühlergrill, der von einer umlaufenden, schwarzen Gummistossstange eingefasst wurde. Doch dies war den amerikanischen Sicherheitsbestimmungen geschuldet. Und ja, vielleicht ist der GTC/4 tatsächlich ein wenig weniger aufregend geformt als der GTB/4, weniger aggressiv. Es ist übrigens kein einziges Karosserieteil gleich bei den beiden Brüdern, Synergien waren damals anscheinend noch ein Fremdwort.
Dafür hat der GTC/4 diese wunderbare lange Fronthaube. Dafür gab es sogar einen technischen Grund: beide Fahrzeuge verfügten über den gleichen 4,4-Liter-V12, diese wunderbare Colombo-Maschine, die ihre Karriere als 1,5-Liter begonnen hatte, doch beim GTC/4 wurden die sechs Weber-Doppel-Fallstromvergaser (Typ 38DCOE59/60) seitlich angebracht, damit der Vorderwagen flacher ausgelegt werden konnte. Noch ein technischer Unterschied: während der Daytona das Getriebe hinten hat, also: Transaxle, wurde der 5-Gänger beim GTC direkt an den Motor angeflanscht.

Man könnte nun sagen, diese Konstruktion sei weniger aufwendig, weniger sportlich, doch der GTC/4 verfügte über eine nahezu perfekte Gewichtsverteilung von 51 (vorne) zu 49, dies auch deshalb, weil der Radstand gegenüber dem GTB/4 um 10 Zentimeter gestreckt wurde (damit die hinteren Passagiere dieses 2+2 wenigstens einen Hauch von Knieraum verspürten; richtig tauglich waren diese Notsitze aber nicht, dafür konnte man sie herunterklappen, damit wuchs der Kofferraum dann auf beachtliche Grösse).
Kenner sagen auch, der GTC sei einfacher zu fahren, weniger hecklastig. Die Leistung war bei beiden Modellen gleich, offiziell 352 PS, inoffiziell eher 340, für den amerikanischen Markt dann 320. Warum die offiziellen Fahrleistungen – Höchstgeschwindigkeit 260 km/h, 0 auf 100 km/h in 6,7 Sekunden – deutlich weniger souverän ausfielen als beim 365 GTB/4, das kann nur Ferrari beantworten. Es heisst auch, dass der Bucklige jene Motoren bekommen haben soll, die zu wenig «scharf» waren für das Vorzeigemodell. Auch innen war der 365 GTC/4 etwas anders gestaltet als der Daytona. Die offene Schaltkulisse entfiel, der Schalthebel befand sich in einem nicht sonderlich hübschen Ledersack. Es gab auch gegen Aufpreis kein Nardi-Holzlenkrad (im Daytona schon), Leder kostete Aufpreis, dafür waren die Klimaanlage und die Servolenkung serienmässig.

Im Gegensatz zum 365 GTB/4 gab es den 365 GTC/4 nur als Coupé; ein Spyder entstand nachträglich (Chassisnummer 14963). Dann gab es noch einen Umbau von Felber, Chassisnummer 16017. Dieser Wagen wurde zuerst als Beach-Car entwickelt, 1976 auf dem Genfer Salon auch so gezeigt, ohne Dach und ohne Türen. Dann wurde daraus ein Shooting Brake gebastelt, der 1977 in Genf vorgestellt wurde, anscheinend ein Entwurf von Giovanni Michelotti. Nach dem Salon wurde wieder die Beach-Car-Karosse verwendet, der Wagen ist heute im Besitz eines Schweizer Sammlers.
Während für Daytona auch schon über 1 Millionen Dollar bezahlt wurden (was aber schon lange nicht mehr passiert ist), dümpelte der GTC/4 bis 2014 um die 200’000 Dollar (und weniger). 2015 kam aber ein wunderschönes Exemplare des Buckligen auf satte 495’000 Dollar, ein heftiger Preisanstieg also; eine andere Banane schaffte dafür Anfang des Jahres das untere Estimate von 300’000 Dollar nicht. Auf Höhe seines Bruders wird er es aber sowieso nie schaffen.
Das rote Exemplare, Chassisnummer #15211, wurde im März 2015 von RM Sotheby’s auf Amelia Island für 341’000 Dollar versteigert (genau dieser Wagen war vor sechs Jahren für 170’500 Dollar verkauft worden, einfach so als Anhaltspunkt).
Der Rekord liegt bei 495’000 Dollar für das Fahrzeug mit der Chassisnummer 15197 in schönem Blue Sera. Und da ist man ja dann schon fast auf der Höhe eines Daytona…
Vielleicht machen wir ja auch noch eine Sammlung. Aber hier zeigen wir einfach mal noch einen kleinen Kontrastpunkt, #16233, war ursprünglich Marrone (2.443.221).
Mehr Ferrari gibt es in unserem Archiv.






































[…] Ferrari 365 GTC/4 – Schattengewächs […]
Ein schöner Bericht über den Gobbone ist in Ruoteclassiche vom Mai 2021. Dort ist das Auto beschrieben, das als Nr. 1 auf dem Genfer Automobilsalon 1971 ausgestellt wurde.
Das Auto sollte die komfortorientierte Kundschaft ansprechen und hatte auch so Gimmicks wie eine Niveauregulierung an der Hinterachse.
Filippo Savino war der Designer aus der Gruppe um Leonardo Fioravanti der das Design lieferte. Angeblich gefiel es auch Enzo Ferrari…
Dieses Auto ist der Startpunkt für die Reihe 365 CTC, dann 365 GT4, 400i und am Ende 412 GT. Alle diese Auto`s hatten die breite Mittelkonsole mit 4 Zusatzinstrumenten und das 2+2 Layout.
Sie Stars im damligen Ferrariprogramm waren aber die 365BB und der Daytona und da hatte der Gobbone es schwer.
Bis auf die Gummilippe vorn, gefiel mit der Glöckner immer gut. An sich ein schöner GT.
Diese Woche zappte ich mal durch die Programme und sah mir ein paar Minuten „die Geissens“ an. Mama und Papa standen hinter einem mattschwarzen G und warteten auf die Mädels.
Diese kamen dann mit Mamas neuem Auto, einem Purosangue in mattgrau mit leuchtend blauen Alcantarasitzen an.
Ich war wirklich entsetzt. Zum ersten mal habe ich das Ding mit Menschen davor gesehen, so dass man einen Eindruck der Größe bekommen konnte.
Das muss das hässlichste Auto der Welt sein!
Die guten Zeiten von Ferrari sind definitiv vorbei.
Das ist ja mein Schreiben seit einiger Zeit, wenn die „Neuheiten“ wieder einmal nur als Computersimulation vor einem Strand oser der untergehenden Sonne gezeigt werden.
Die sollen einmal einen Menschen oder von mir aus auch ein Tier in dess natürlichen größe daneben abbilden. Dann würde man sehen, wie groß die „Koffer“ mittlerweile sind.
Am vergangenen Wochenende war bei uns Autosalon. Gibt`s seit 25 Jahren. Viele neue Autos aber auch ein paar Oldies.
Da stand neben einem Fiat 130 Coupe ein aktueller Fiat Panda und ein 600X. Es war erschreckend, wie klein der 130er neben den aktuellen Autos war, obwohl das Auto in den 1970er Jahren ja durchaus nicht klein war.
Zu der Familie schreibe ich besser nix. Aber bei Ferrari haben sie auch den Faden verloren und leben, wie alle europäischen Hersteller von der Subszanz.