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Aston Martin V8

Oscar India?

Eigentlich ist der V8 ja schuld am Niedergang von Aston Martin. Das kam so: Zwar war der DB6 erst 1965 auf den Markt gekommen, doch es war absehbar, dass er seine besten Zeiten bald schon hinter sich haben würde, die Grund-Konstruktion war antiquiert. Schon 1966 beschloss Aston Martin deshalb, ein ganz neues Fahrzeug zu bauen, moderner, grösser, mit einem Achtzylinder-Motor. Bereits im Oktober 1966 standen zwei Entwürfe von Touring auf dem Stand von Aston Martin auf dem Pariser Salon, doch sie trafen den Geschmack des Publikums gar nicht. Erstaunlich eigentlich, denn schon 1965 hatte Touring den DBSC in petto (siehe unten), von dem der spätere DBS dann auch seinen Namen erhielt.

Es wurde William Towns, den die Engländer eigentlich für das Design ihrer Sitze eingestellt hatten, beauftragt, einen neuen Entwurf zu zeichnen. Es heisst, er habe zuerst einen Viertürer gemalt – weil sich seiner Meinung nach ein – ebenfalls geplantes – grosses Auto leichter verkleinern lasse als ein kleines vergrössern. Wie auch immer, das Design von Towns, das ab der B-Säule nicht von ungefähr wie eine Mischung aus Ford Mustang und Chevrolet Camaro aussieht, wurde vom Firmenlenker David Brown für gut befunden. Trotz der Heckleuchten vom Hillman Hunter.

Schon ein Jahr später stand der neue Aston Martin DBS wiederum in Paris als Serienmodell. Weil es etwas gar schnell ging, der neue V8 noch nicht bereit war, wurde der bekannte 4-Liter-Reihensechser aus dem DB6 eingebaut, der in der Basisversion 282 PS leistete und als Vantage auf 325 PS kam. Das war nun aber nicht so das Gelbe von Ei, denn der DBS war nicht nur weniger aerodynamisch gestaltet als der DB6, sondern auch massiv schwerer – 1,7 Tonnen waren Ende der 60er Jahre ein grober Brocken. Die Begeisterung der Kundschaft hielt sich in sehr engen Grenzen, obwohl George Lazenby so ein Teil fuhr im 69er Bond «On Her Majesty’s Secret Service», nur gerade 787 DBS wurden bis 1972 verkauft. Ein Grund dafür war sicher auch der exorbitante Preis, in der Schweiz kostete dieser dürftige Aston Martin mit dem Sechszylinder-Motor 62’000 Franken, dafür gab es auch einen Ferrari mit weit besseren Fahrleistungen.

1969 konnte dann endlich der neue Achtzylinder verwendet werden, den Tadek Marek auf Basis des Reihensechsers entwickelt hatte. Es war zwar ein V-Motor, doch die Bohrung wurde übernommen, damit man die gleichen Kolben wie vorher verwenden konnte. Aus 5,3 Liter Hubraum holte der V8 etwa 315 PS (es gab keine offiziellen Angaben) – damit war dann auch ein schwerer DBS so einigermassen angemessen unterwegs. Zumindest auf dem Papier, er wollte in 5,9 Sekunden auf 60 Meilen rennen und 257 km/h schnell sein – zeitgenössische Messungen zeigten aber ein ganz anderes Bild, knapp 230 km/h, rund 7 Sekunden auf 100, dafür ein Testverbrauch von 28 Litern. Auch als DBS V8 war der neue Aston kein Renner, bis 1972 wurden nur gerade 402 Stück verkauft. Und der Misserfolg hatte zur Folge, dass David Brown Aston Martin an Company Developments verschachern musste.

Die neuen Eigentümer tilgten als Erstes die Bezeichnung DB; der DBS V8 hiess nur noch V8 und ist zu erkennen an einer neuen Frontgestaltung mit zwei einzelnen Scheinwerfern. Doch ansonsten gab es keine Unterschiede zwischen der Serie 1 und der Serie 2, die bis 1973 gebaut wurde (288 Stück). Danach folgte, logischerweise, die Serie 3, deren Achtzylinder – geschaltet über ein manuelles 5-Gang-Getriebe von ZF oder eine Dreigang-Automatik von Chrysler – nicht mehr über eine unzuverlässige Bosch-Einspritzung, sondern über vier Weber-Doppelvergaser genährt wurde; dies bedingte auch eine deutlich vergrösserte Lutzhutze auf der Motorhaube. Die Leistung sank 1976 wegen neuer Abgasvorgaben auf 292 PS. Bis 1978 wurden 967 Exemplare der Serie 3 gebaut.

Es kam dann: Oscar India. OI steht für «October Introduction» oder «October Introduced», denn der neue Wagen wurde im Oktober 1978 in Birmingham vorgestellt – und dann wurde die Bezeichnung halt wieder – militärisch, funksprachlich? – verlängert. Die Serie 4 ist die mit Abstand gesuchteste der V8 – warum, das ist nicht so genau erklärbar. Einverstanden, das Interieur war hochwertiger, mehr Holz, aber die Leistung sank auf 245 Pferdchen, das Gewicht stieg auf etwa 1,9 Tonnen. Das Teil war definitiv: fett. Ein übler Spoiler am Heck, eine dicke Wulst auf der Motorhaube, eine Front vom Billig-Tuner; der V8 sah so schwer aus wie er auch wirklich war. Bis 1985 konnten nur noch 352 Stück abgesetzt werden; ab 1981 wurden die Coupé nur noch auf Bestellung gebaut, denn 1978 war der offene Volante eingeführt worden, der sich deutlich besser verkaufte als die geschlossene Version, bis 1986 wurden es immerhin 656 Exemplare. Es ist schon etwas eigenartig: die eigentlich grausligste Variante ist die mit dem höchsten Wert, denn auch die Volante sind viel günstiger zu haben als die Oscar India.

Trotz 70 Kilo schwerer Verstärkungen war das Cabrio etwa so verwindungssteif wie Barbapapa. Dazu gibt es auch noch folgende Anekdote: Zu Beginn des James-Bond-Film «The Living Daylights» ist ein Volante zu sehen (der übrigens dem damaligen Aston-Chairman Victor Gauntlett gehörte). Dem verpasste Q dann später im Film, indem Timothy Dalton die Hauptrolle gab, ein Hardtop. Doch noch später wird dann ein klassisches Serie-4-Coupé verwendet – es heisst, der Volante sei nicht stabil genug gewesen für die Verfolgungsjagden. Ein Klassiker unter den Film-Fehlern.

Serie 5 gab es auch noch, ab 1986 bis 1989, 405 Coupé wurden gebaut, dazu 216 Volante (einen der letzten zeigen wir unten). Das war’s dann. Zum Glück.

Mehr Brits haben wir in unserem Archiv.

18 Kommentare

  1. Rolf Rolf

    Wofür war eigentlich dieser unfassbar gruselige Kasten unter/an der Heckschürze der späten Modelle?

    Die Gebrauchten dieses Modells, die ich sah, waren innen alle ganz furchtbar im Zustand. Ich glaube, Armaturenbrett und Teppiche lösten sich von selbst.

    Schade, das erste Modell gefiel mir eigentlich immer gut.

  2. Oh je, was für ein böser Artikel über einen meiner All-Time-Favourites…
    Leider stimmt ziemlich viel von all den bösen Bemerkungen unseres Gastgebers hier.

    Zugegeben, verglichen mit den DB4/5/6 ist der V8 deutlich weniger elegant, er wirkt viel massiver, mehr British Beef als elegante Lady aus Mayfair.
    Und die ursprüngliche Front paßte auch nicht richtig zum Rest des Designs, die überarbeitete Front mit zwei Einzelscheinwerfern sah deutlich harmonischer aus.
    Aber unelegant ist er nicht, vor allem in der richtigen Farbe und mit den Ronal-Felgen der späteren Exemplare.
    Ich mag ihn, weil er eine gewisse „brutish Britishness“ hat und eigentlich im Straßenbild relativ unauffällig ist, weil man auch mit fast zwei Metern Körpergröße sehr gut darin sitzt und weil er so herrlich absurd ist.

    Und, ja, zugegeben, ein besonders gutes Auto war er nie, auch wenn sich zum Schluß die Verarbeitungsqualität wie auch die Leistung deutlich verbesserten.
    Es war halt ein bißchen die vorweihnachtliche Bastelarbeit einer südenglischen Behindertengruppe, aufgrund der idiotischen Konstruktion rosteten die Schweller bei allen Fahrzeugen kurz nach Inbetriebnahme des Fahrzeugs, es gibt so gut wie keinen V8, bei dem diese Bauteile nicht überarbeitet sind, aufgrund des latenten Geldmangels der Firma gab es so gut wie keine konstruktiven Verbesserungen und eine wirklich lausige Verarbeitungsqualität, trotz oder gerade wegen der Handarbeit, in der das Auto gefertigt wurde.
    Der Motor hingegen machte kaum Probleme und das Fahrverhalten mit der aufwendigen DeDion-Hinterachse ist ausgezeichnet.

    Und, auch das ist leider wahr, das wunderschöne Cabriolet, der Volante, zeichnete sich nicht gerade durch eine besondere Steifigkeit aus, aber das taten in den siebziger und achtziger Jahren sehr viele große Cabriolets nicht und zum ernstlich schnell fahren ist ein Coupé sowieso besser geeignet!

    Und die leistungsgesteigerte Vantage-Variante war zwar deutlich schneller als der „normale“ V8 Saloon, schöner war sie nicht, mit dem Frontspoiler und dem abgedeckten Kühlergrill.
    Aber einen Vantage zu fahren, das ist schon ein besonderes Erlebnis, der Klang hat etwas von den Trompeten von Jericho, der Vortrieb ist brutal und der Verbrauch unfaßbar, er säuft wie Princess Margret in ihren besten Zeiten…

    Schlimm war dann in der Tat der relativ gegen Ende der Bauzeit präsentierte Vantage Volante, er wurde mit Spoilern vorne und hinten und Schwellern so verunstaltet, daß er auf jeder Tuning-Show in der Englischen Provinz die „Best of Show“-Plakette bekommen hätte, für den damaligen Thronfolger Prince Charles wurde ein Vantage Volante gebaut, der den ganzen Spoilerkram nicht hatte, was zu einer kleinen Sonderserie von Fahrzeugen wie dem des Prince of Wales führte, die den sinnfälligen Namen „Vantage Volante PoW-Specification“ trug und heute zu den begehrtesten V8-Modellen zählt.

    Und einen solchen durfte ich in den frühen neuziger Jahren relativ regelmäßig und ausgiebig fahren, in Cumberland-Grey-Metallic mit dunkelbraunem Interieur und Verdeck und das war wunderbar!
    Durch die Farbe der Karosserie und des Verdecks war der Wagen – jedenfalls im Londoner Straßenverkehr – wirklich sehr understated, die rund 400 PS sorgten für brachialen Vortrieb und die Aura des Wagens war grandios, ganz anders als ein Ferrari 400i, ein Maserati Kyalami, es war wirklich ein „Gentlemans Express“, wie er nur auf den Britischen Inseln entstehen konnte, eine Mischung aus Muscle-Car, Blower-Bentley und Dampflokomotive.
    Unvergeßlich war eine Abholung des Wagens im Werk in Newport Pagnell, er war dort für einen großen Service, ein paar Kleinigkeiten und die Korrektur einiger Lackmängel und bei der Übergabe des Fahrzeugs überreichte man mir die Fahrzeugschlüssel, die Rechnung auf goldgeprägtem Briefpapier mit dem Royal Certificate – By Appointment of his Majesty, the Prince of Wales – und, angesichts der Höhe der Rechnung, eine Aston-Martin-Krawatte und passende Manschettenknöpfe.
    Der Rechnungsbetrag belief sich auf 25.000 Pfund, plus VAT…
    In dieser Situation war ich sehr froh, daß es nicht mein Auto war!

    Insofern muß ich widersprechen, der V8 war anders als die klassischen DB’s, aber er war ein sehr beeindruckender Wagen und für mich bleibt er eines der begehrenswertesten Autos überhaupt, vor allem wegen dieser Mischung aus Muscle-Car und bespoken Savile Row-Suit.

    Und, in der Tat hat er zum Niedergang der Marke beigetragen, was allerdings nicht schwer war, denn auch zuvor hat Aston-Martin wohl nie Geld verdient, Victor Gauntlett, der Eigentümer von Pace Petrolium, der sein recht großes Vermögen mit Britischem Nordsee-Öl gemacht hatte, hat daraus während seiner Zeit als Inhaber der Firma ein recht kleines Vermögen gemacht…
    So ähnlich dürfte es den Eignern der Fahrzeuge gehen, wenn sie sie bei einem der Spezialisten restaurieren lassen und dann auch noch artgerecht bewegen wollen.

    (Ende des Ko-Referats, Entschuldigung, Herr Ruch, aber bei dem Auto konnte ich mich nicht zurückhalten!)

    • Peter Ruch Peter Ruch

      wunderbar. danke.

    • Noch ein kleiner Nachtrag, Aston Martin hatte in den frühen Achtzigern einen sehr repräsentativen Showroom an der Sloane Street in London, mußte diesen aber aufgrund der wirtschaftlichen Lage der Firma und der gestiegenen Mieten in London in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre aufgeben und zog in einen wesentlich kleineren, sehr schönen Showroom am Cheval Place, einer sehr kleinen, sehr ruhigen Straße in der Nähe der berühmten Touristenfalle Harrods an der Brompton Road.
      Showroom ist auch eine leichte Übertreibung, eigentlich war es nur das Erdgeschoß eines umgebautes Mews-Houses, eine etwas größere Garage mit Platz für zwei oder drei Fahrzeuge, eine Chesterfield-Sitzgarnitur und einen Schreibtisch.

      Als ich dort einmal an einem Samstag Vormittag mit meinem Vater war und wir großes Interesse an einem V8 Saloon vortäuschten, war auch Victor Gauntlett, der Chairman von Aston Martin und, wie man in England sagt, „a person larger than life“, anwesend, sehr charmant, sehr raumfüllend und er kaufte tatsächlich gerade einen neuen Aston Martin Vantage!
      Bei sich selbst!
      Wir sprachen ihn dann an, er antwortete, daß die Erklärung ein bißchen kompliziert sei, ob wir nicht zusammen in ein Cafe´um die Ecke gehen wollten – aufgrund des vorgetäuschen Interesses an seinen Autos lud er auf ein Glas Champagner ein, zündete sich eine Cigarre an und erklärte, daß er durch den regelmäßigen Erwerb eines neuen Aston Martins die Zulassungszahlen erheblich in die Höhe treiben würde, daß außerdem dadurch dringend benötigte Liquidität in die Kasse käme und daß so auch ein Wechsel der Ausstellungsfahrzeuge stattfinden würde, denn er kaufe immer einen Vorführwagen und so gäbe es wenigstens alle paar Monate mal ein anderes Auto im Showroom zu sehen…
      Und den Fahrzeugkauf mache er immer Samstags, denn dann wäre wenigstens ab und zu mal ein Kunde im Laden und der hätte dann den Eindruck, daß nicht der einzige Interessent sei!
      Das London der achtziger und frühen neunziger Jahre war wundervoll!

    • Rolf Rolf

      „Und die ursprüngliche Front paßte auch nicht richtig zum Rest des Designs, die überarbeitete Front mit zwei Einzelscheinwerfern sah deutlich harmonischer aus.“

      Damals hat mir die überarbeitete Front enorm gut gefallen und ja, sie ist harmonischer. Selten beim Mopf ….
      Heute finde ich die Chrom-Doppelscheinwerferfront äusserst gut.

  3. Christian Christian

    War das nicht der Dienstwagen von dem Lord, der ein Brett – na Spass beiseite.
    Ich finde den ursprünglichen DBS noch ganz gelungen. Später dann mit Spoiler und dem Brett (schon wieder) im Kühlergrill fand ich das Auto weniger ansehnlich.
    Der „Kasten“ am Heck sah auch irgendwie komisch aus. Und mangels Masse (Asche, Kohle, Kies) musste er halt ewig lange gebaut werden und immer irgendwie seinen Stand verteidigen.
    Es ist zum Heulen, kommt der Erbsenzähler, der Investor und der Marketingstratege in eine Firma, dann fangen die Geier zu kreisen an….

    • Rolf Rolf

      Jaja, die Sprüche der Zwei …..
      „Seine Familie macht in Holz, deshalb heisst er Brett.“
      Mein Lieblingsspruch war: „Mylady haben ein Gesicht zum Eier abschrecken.“

      • Christian Christian

        „Können sie ihren Kachelofen woanders parken, man möchte passieren!“

  4. marcus warner marcus warner

    Da bekommt sogar der ÖLSCHEICH einen Herzinfarkt!

  5. Nick Nick

    Ehrlich-kritischer Artikel zu einem meiner absoluten Lieblingsautos. Trotz aller optischen und technischen Unzulänglichkeiten ist das doch ein wahnsinnig begehrenswertes Auto. Mir war mal eine Sitzprobe und Mitfahrt in einem der wenigen gebrauten V8 Vantage Volante „Prince of Wales“ erlaubt. War ein tolles Erlebnis. An diesem spät gebauten V8 gibt es jede Menge schrulliger Details zu entdecken, etwa die Motorhaube, bei deren Konstruktion man wohl davon ausging, dass immer zwei Personen zum Öffnen vor Ort sind. Ein besonders Highlight ist definitiv der Sound zumindest dieser Version mit der mächtigen Vergaseranlage.
    Leider werden diese PoW mehr oder weniger unter der Hand für erschreckende Summen getauscht.

  6. Rolf Rolf

    Irgendwie überrascht es mich, dass Aston praktisch nie Geld verdient hat.
    Der Ruf war stets exzellent, bei den Royals ist er ja gesetzt.
    An den einschlägigen „geldigen“ Orten dieser Welt und auch in deutschen Großstädten war er immer vertreten.
    Wie man hier liest, verkaufen sich die neuen und die Sondermodelle wie geschnitten Brot. Wie kann man da kein Geld verdienen?

    Ich mochte obigen in den frühen Versionen immer sehr und immer noch, ein prächtiger Wagen. Technisch scheinbar nicht so, aber vom Auftritt her und mit sensationellem Klang.

    Für mich heisst der „Geheimtipp“ DB9, der auf modernere Art einfach gut aussieht, innen schlicht, eigen, aber niemals kitschig aussieht. Im Gegensatz zu beispielsweise 456 hatte er auch eine gute 6-Gang Automatik, die ihn nicht kastriert hat.
    Der Gebrauchtpreis ist sehr heiss, auch fürs Cabrio.

    • Der DB9 ist in der Tat ein sehr schöner Wagen, aber irgendwie ist der Kölner Zwölfzylinder etwas unpassend in einem Aston Martin.
      Und ich erinnere mich, daß ich relativ beengt in einem DB9 Volante gesessen habe, ob das daran lag, daß es ein Cabrio war, weiß ich nicht mehr.

      Rein formal finde ich auch den DB7 noch um einiges schöner als den DB9, auch wenn er auf dem Jaguar XJS basierte, sowohl Coupé als auch Cabrio sind sehr elegant und mit dem Kompressor-Motor mit sechs Zylindern läßt sich der Wagen ausgesprochen leichtfüßig und angemessen bewegen – für mich tatsächlich ein Aston in der Tradition der DB-Modelle!
      Vor einigen Jahren hatte ich mir einmal einen sehr schönen 6-Zylinder-Volante bei Aston Martin in Köln angeschaut, im eleganten Chiltern-Green-Metallic mit cognacfarbenen Lederpolstern und in perfektem Zustand, als ich allerdings das Scheckheft etwas genauer studierte, habe ich meine Kaufabsichten schnellsten fallen lassen, nach der Übergabeinspektion bei Aston Martin in Madrid war der nächste Eintrag sieben Jahre später vorgenommen worden, alle weiteren Eintäge bei unterschiedlichen Händlern und Werkstätten in Spanien, Holland und Deutschland waren zwar in verschiedenen Kugelschreiberfarben ausgeführt, jedoch immer mit der gleichen Handschrift…
      Der freundliche Verkäufer schaute ziemlich entgeistert, als ich ihm die seltsamen Einträge im Scheckheft zeigte und erkärte sich zu einer Reuzierung des Verkaufspreises um 25% bereit, aber irgendwie hatte ich das Vertrauen in den Wagen verloren.

    • >>Irgendwie überrascht es mich, dass Aston praktisch nie Geld verdient hat.
      Der Ruf war stets exzellent, bei den Royals ist er ja gesetzt.
      An den einschlägigen „geldigen“ Orten dieser Welt und auch in deutschen Großstädten war er immer vertreten.
      Wie man hier liest, verkaufen sich die neuen und die Sondermodelle wie geschnitten Brot. Wie kann man da kein Geld verdienen?<<

      Sir David Brown, der sein Vermögen mit der Herstellung von Traktoren gemacht hatte, wurde irgendwann, so die Legende, von einem Freund aus seinem Club gefragt, ob er ihm denn augrund ihrer engen Freundschaft und der Mitgliedschaft im gleichen Club nicht einen DB5 zum Selbstkostenpreis verkaufen könnte.
      Sir David war sofort einverstanden, Farbe und Ausstattung wurden festgelegt und einige Monate später stand der Wagen zur Auslieferung bereit, höflich wurde vor der Zulassung des Schmuckstücks um Anweisung des Rechnungsbetrags gebeten – der Clubfreund von Sir David traute seinen Augen nicht, als er den Rechnungsbetrag las, dieser lag 30% ÜBER dem Listenpreis…
      Ob es zur Abnahme des bestellten Astons kam und inwieweit die beiden Herren ihr Lammfilet noch gemeinsam an einem Tisch im Club verzehrten, das ist nicht überliefert.

      Und, lieber Rolf, so sehr oft sah man früher keinen Aston Martin im Straßenbild, in Hamburg vielleicht ab und zu, allerdings meistens ältere DB-Modelle, in München sicher auch von Zeit zu Zeit, in Zürich und Paris etwas häufiger, nur im Londoner Westend standen die Autos öfters mal vor den weißen Fassaden.
      Im Hamburg der frühen Neunziger gab es dann den wunderbaren Händler "Car & Driver", in einem spektakulären Bau von Hadi Teherani wurden aktuelle und klassische Rolls Royces, Bentley und Astons verkauft, das Unternehmen war das Hobby eines bekannten Industriellen, aber nach ein paar Jahren wurde ihm sein Hobby wohl zu teuer und das architektonisch extrem anspruchsvolle und bedeutende Gebäude in Wandsbek wurde 1996 zu einem Media-Markt.
      Zu der Zeit sah man dann tatsächlich häufiger einen V8 oder einen Virage im Hamburger Stadtbild.
      Soweit ich weiß, ist aus Car & Driver dann die allseits bekannte Website "Classic Driver" hervor gegangen, die der frühere Inhaber von Car & Driver schon 1998 gegründet hatte.

      Ob sich die aktuellen Aston-Martins so besonders gut verkaufen, das wage ich zu bezweifeln, ab und zu liest man doch immer von den unfaßbaren Verlusten, die die Firma macht, was diesen Aspekt angeht, hat sich in der Firmengeschichte nichts geändert, allerdings waren früher wenigstens die Produkte wundervoll, das kann man heute ja nun wirklich nicht mehr behaupten!

      • Klaus Leuschel Klaus Leuschel

        Danke für die Erinnerung an den „spektakulären Bau von Hadi Teherani“, der in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Meiner Meinung nach, weil die ausgestellten Fahrzeuge überhöht präsentiert wurden. Nicht auf jener, der vorbeifahrenden – profanen – Kutschen.
        Übrigens gibt es unter eingefleischten Anhängern englischer Automobile auf den Inseln seiner Majestät so einige, die behaupten, der Niedergang habe 1934 eingesetzt. Hartgesottene halten mit 1937 dagegen. In diesem Sinn kursieren unter den Fans von AM meines Wissens mindestens zwei Jahreszahlen: 1987 (75%ige Übernahme durch Ford). Und 2007 (der Wegzug aus Newport Pagnell).
        Heute versucht sich Lawrence Stroll im automobilen Lifestyle-Segment. Mehr gebe ich dazu hier nicht zu Protokoll.

  7. DeHavilland DeHavilland

    Eine englische Motor-Zeitschrift schrieb mal zu den Astons. dass ‚ihr Image und ihre Präsentation stets des weit das überstrahlten, was sie zu leisten im Stande waren‘
    Das trifft es recht gut – dennoch sind die DB4-DB6 und auch die frühen V8 (die natürlich nur, wenn das Geld nicht für die Sechszylinder reicht) auch stets seit Kindeheit in den Top 5 meiner Traumwagen.
    Was ich gerne wissen würde: wozu dient dieser doch recht hässliche schwarze Kasten und am Heckabschluss? Gerade bei den späten Vantages ist das ein richtiger Showkiller. Ist das der Tank? Sitzt das Reserverad drin – oder stellt es einen ziemlich gebastelt wirkenden Versuch einer Ground-Aerodynamik dar?
    Besten Dank für Aufklärung!
    Mit freundlichen Grüßen
    DeHavilland

    • Das seltsame Heckbleck des V8 unter der hinteren Stoßstange dient angeblich der Aerodynamik, was sich mir aber nicht erschließt – ich fürchte eher, daß damit die Abgasanlage kaschiert werden und zudem Platz für das unter dem Kofferraumboden angeordnete Reserverad geschaffen werden sollte.
      Der Tank liegt dort jedenfalls nicht, dieser ist stehend hinter der Lehne der Rücksitzbank angeordnet.
      „Der häßliche, schwarze Kasten“ wird übrigens nicht schöner wenn man ihn in Wagenfarbe lackiert, jedenfalls bei hellen Farbtönen…

      • Und noch eine kleine Anmerkung, nachdem ich heute morgen in meiner Werkstatt war und dort ein früher Aston Martin Virage Volante stand:
        Der Virage, der allerdings weitgehend auf dem V8 basiert, hat diesen häßlichen Kasten unterhalb der Heckstoßstange auch, warum auch immer!

  8. Rolf Rolf

    Ein Kastenwagen also.

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