Aussergewöhnliches
So richtig berühmt wurde die englische Marke H.R.G. nie, obwohl sie doch 20 Jahre lang bestand. In diesen 20 Jahren wurden aber nur gerade 241 Fahrzeuge gebaut, was wohl auch die Erklärung für die mangelnde Berühmtheit ist. Auch ist vielleicht der Name etwas kompliziert, er steht für die drei Firmengründer E.A. Halford, Guy Robins und Henry Roland Godfrey; Liebhaber nennen die Marke «Hurch».
Unter den so seltenen H.R.G. ist dieses Airline Coupé aus dem Jahr 1938 das seltenste, denn es wurde nur genau dieses Exemplar gebaut. Und es führte dazu, dass die Firmengründer sich zerstritten. Halford, ein Major der englischen Armee, bestellte bei Crofts den Aufbau, liess ihn auf eines seiner Halford-Special-Chassis setzen, einen 1,5-Liter-Triumph-Motor samt dessen 4-Gang-Getriebe einbauen – und fertig war das Ärgernis für die beiden anderen Geschäftsleitungsmitglieder. Denn eigentlich baute H.R.G. absolut minimalistische Fahrzeuge, mehr so Rennwagen für die Strasse, zumeist mit Motoren von Singer. Das Airline Coupé (dessen Hinterteil von einem MG PA Airline Coupé stammte) war den beiden anderen Herren zu schwülstig – obwohl es heute sehr einfach wirkt, sehr elegant. Major Halford verliess das kleine Unternehmen im Streit.
Das kleine Wägelchen, nur gerade 55 PS stark, wurde zuletzt 2017 von RM Sotheby’s auf Amelia Island versteigert – nachdem es 48 Jahre beim gleichen Besitzer war. Ganz günstig wurde das Vergnügen nicht, es wurden über 200’000 Dollar erwartet, aber das ist irgendwie auch verständlich, denn solch aussergewöhnliche Einzelstücke gibt es so viele ja nicht; zugeschlagen wurde Chassis-Nummer WT68 dann für 176’000 Dollar. Ein genauer Blick auf die Bilder lohnt sich, es gibt viele wunderbare Details zu sehen.
Wir möchten mit dieser Story wieder einmal an unsere kleine Reihe «Die Aussergewöhnlichen» erinnern. Mehr Exoten haben wir ausserdem in unserem Archiv.


[…] MagH.R.G. Airline CoupéEs ist dies das Einzelstück eines H.R.G. Airline Coupé von 1938. Aussergewöhnlich – und […]
Sehr schön, der kleine HRG, besonders die subtile Zweifarbigkeit gefällt mir – vielleicht was das eine Inspiration für die Damen und Herren von Cool & Vintage in Portugal, die bei ihren Restaurierungen alter Land Rover den Rahmen farbig absetzen?
Der hat es mir richtig angetan, der kleine Kerl.
Wirklich wunderschöne Details.
Ich frage mich, hat der traumschöne Schalthebel irgendwie ein Gelenk, vielleicht um ihn auf verschiedene Armlängen einzustellen?
Vorn angeschlagene Türen, eher selten bei dem Baujahr. Ganz leicht irritierend im ersten Moment, das Holz an den Türen. So ausgeformt habe ich das bei einem so alten Auto noch nie gesehen.
Auf hemmings.com sieht man noch zwei weitere ganz wunderbare Details:
Die Scheibenwischer sind mit verchromten Gestänge verbunden und die Frontscheibe lässt sich unten ausstellen. Zusammen mit dem Schiebedach ersetzt das eine Klimaanlage.
Zwei nicht ganz unbekannte Kollegen von Herrn Ruch fallen mir beim Betrachten der Fotos ein.
Jeremy Clarkson, der in einem Lightweight E-Type von Eagle (ja ok, kann man auch nicht mögen …..) sagte, dass er nur drin sitzen will, alles ansehen und anfassen.
Und Fritz B, Busch, der in seinem berühmten Artikel über die geschrubbte Flunder schrieb, dass er jetzt gern ein Ölkännchen hätte, um alles zu schmieren, in der Hoffnung, dass sich dann das Publikum zerstreuen würde, weil er Angst hatte, beim Losfahren etwas falsch zu machen.
Hier ist das Kännchen. Herrlich.