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Untergegangene Marken

Friktionsgetriebe und Holzölbäume

Einst, Anfang der 90er Jahre, habe ich ein Buch über Cadillac geschrieben. Da kam mir noch noch so manch eine Marken unter, von denen heute kaum mehr jemand weiss, Marmon kennt niemand mehr (dabei: grossartig!), Peerless noch weniger, Packard hat immerhin noch ein paar wenige Fans, Cord auch, wenn auch eher ennet dem Teich. Kürzlich nun versteigerte Bonhams eine grössere Menge Fahrzeuge aus dem The National Automobile Museum sowie aus dem The Minden Automotive Museum – und ich staunte dann schon, wie viele Marken ich nicht kannte. Und deshalb: ein kurzer Blick zurück. Es ist dies eine zufällige Auswahl – und wahrscheinlich werden wir sie ganz nach unserem Belieben fortsetzen.

Metz Company

Charles Herman Metz, geboren 1863, war ein früher Industrie-Pionier. Er arbeitete für die Waltham Manufacuturing Company, die hauptsächlich Fahrräder der Marke Orient produzierte – und übernahm sie 1908, denn er sah die Zukunft in Automobilen. Metz gilt als einer der Erfinder des Kit-Car, die Kunden konnten 14 Teile eines Fahrzeugs kaufen (der «Metz Plan», je 27 Dollar, mit der letzten Lieferung kam dann das Lenkrad…), diese dann daheim selber zusammenbauen. Doch die 1909 gegründete Metz Company bot auch komplette Automobile an – und verkaufte bis 1921 doch mehr als 40’000 Einheiten. Da könnte man durchaus einmal etwas tiefer graben, etwa zum Friktionsgetriebe, aber auch zum Städtchen Waltham, wo einst die grösste Uhrenfabrik der Welt stand. Im Bild: 1913 Metz Model 22 Runabout.

Briscoe Motor Corporation

Benjamin Briscoe ist ja auch eine dieser Figuren, die mindestens eine Netflix-Serie wert wären. Geboren 1867, gründete er mit 472 Dollar Startkapital mit 18 sein erstes Unternehmen. 1901 finanzierte er den ersten Buick, erhielt so 97 Prozent der Aktien, die er 1904 verkaufte, um damit die Maxwell-Briscoe Motor Company zu gründen, die wiederum bis 1909 zum drittgrössten amerikanischen Auto-Hersteller wuchs. Briscoe wollte dann die vier grössten Hersteller, neben seinem eigenen Unternehmen noch Ford, REO und Buick unter einem Dach vereinigen, schaffte das aber nicht, gründete deshalb die United States Motor Company und kaufte so ziemlich alles auf, was er kriegen konnte. 1912 ging ihm das Geld aus, er ging mit seinem Bruder nach Frankreich, gründete dort Briscoe Frères in Billancourt, kehrte zurück, gründete 1914 die Briscoe Motor Company, die bis 1921 wahrscheinlich 56’000 Fahrzeug produzierte. Ach ja, später machte Benjamin Briscoe noch ein Vermögen mit Öl, dann noch eines mit Gold – und zog sich nach dem 2. Weltkrieg nach Florida zurück, um Holzölbäume zu züchten. Im Bild: 1915 Briscoe B-15 Cloverleaf Roadster.

Monroe Motor Company

Das ist nun eine etwas spezielle Geschichte. Gut, da war R.F. Monroe, der Kutschen und später auch Aufbauten für Automobile produzierte. Aber da war auch noch die spannende Gestalt William C. Durant, der 1908 General Motors gegründet hatte, 1910 schon wieder gehen musste, 1911 mit Louis Chevrolet Chevrolet gründete (was es ihm 1916 ermöglichte, wieder an die Spitze von GM zurückzukehren) – und sich 1914 mit R.F. Monroe zur Monroe Motor Company zusammentat. Die Monroe wurden dann auch teilweise bei Chevrolet gebaut, über die Chevrolet-Händler vertrieben, obwohl sie eigentlich in direkter Konkurrenz standen, die Monroe noch ein paar Dollar günstiger waren. 1916 stieg Durant wieder aus, 1918 war Monroe bankrott, wurde von der William Small Company aufgekauft, die wiederum Louis Chevrolet als Ingenieur anheuerte. Dieser konstruierte für Monroe sieben Rennwagen, von denen drei als Frontenac bezeichnet wurden; mit einem dieser Fahrzeuge, der ja eigentlich ein Monroe war, gewann Gaston Chevrolet dann 1920 die 500 Meilen von Indianapolis. Die Monroe Motor Company ging nach mehreren weiteren Besitzerwechsel 1923 von dannen, insgesamt wurden 14’344 Exemplare produziert. Im Bild: 1917 Monroe M-3 Roadster.

Das Bild ganz oben zeigt übrigens einen Franklin mit luftgekühlten V12; da kommt dann noch mehr. Noch mehr hat es auch im Archiv.

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