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Bugatti Mistral

Sag zum Abschied leise Servus

Achim Anscheidt ist ein sehr gebildeter, sehr eloquenter Mann. So halt, wie man sich den Chefdesigner von Bugatti vorstellt. Also auch immer stilvoll gekleidet – ein gelbes Hemd darf es dann schon sein, wenn er einen gelb-schwarzen Boliden vorstellt. Doch man merkt seiner Stimme an, dass er eigentlich lieber schwarz getragen hätte bei der Präsentation des neuen Mistral. Einen Traueranzug. Denn mit dem Roadster geht eine grosse Ära zu Ende – er wird der letzte Bugatti sein mit dem W16-Motor.

Bis Ende Jahr werden alle Chiron gebaut sein in Molsheim. Dann folgt die Produktion des Bolide. Und dann kommt noch der Mistral. Wohl Ende 2024 ist dann fertig mit der Produktionsstätte in Molsheim, jener so traditionsreichen Stätte, an der schon die ganz grossen Ettore und Jean Bugatti gewirkt hatten. Natürlich bleiben das Schloss und die umliegenden Gebäude im Besitz des Unternehmens, doch dieses wird zukünftig aus dem kroatischen Sveta Nedelja dirigiert.

Es ist ja kompliziert: Im vergangenen Jahr wurde die Bugatti Rimac d.o.o. gegründet, ein Joint Venture, an dem Porsche 45 Prozent und die Rimac Group 55 Prozent hält; Chief Executive Officer ist Mate Rimac. Die Rimac Group wiederum gehört zu 35 Prozent Mate Rimac, dem kroatischen E-Auto-Pionier, zu 22 Prozent Porsche und zu 11 Prozent Hyundai; die restlichen Aktien befinden sich in Streubesitz. Bugatti gibt es schon jetzt nicht mehr als eigenständige Tochter des VW-Konzern, die Zukunft wird von Rimac (und wohl auch noch ein bisschen Porsche) bestimmt. Und auch wenn dann und wann zu lesen ist, dass der Nachfolger des Chiron auch noch thermisch betrieben werden wird: Nein, dem ist nicht so. Dafür hat Rimac auch gar nicht die Kompetenz. Und die Produktionsstätten in Kroatien sind sowieso voll auf E-Fahrzeuge ausgelegt. Und in Molsheim werden, wie schon erwähnt, in Zukunft keine Autos mehr gebaut. (Und überhaupt ist unterdessen alles ganz anders, Stand Juni 2026.)

Volkswagen, oder vielleicht besser: Ferdinand Piëch hatte die Namensrechte an Bugatti 1998 gekauft. Im Jahr 2000 kündigte Piëch das erste Modell an, den Veyron 16.4., 16 Zylinder, 4 Turbos, 8 Liter Hubraum, 1001 PS – es dauerte dann fünf Jahre, bis die ersten Kunden-Fahrzeuge auf die Strasse kamen. Vom Veyron wurden bis 2015 in verschiedenen Versionen 450 Stück gebaut. 2015 kam als Nachfolger der Chiron, nun mit 1500 PS und der Ankündigung einer Produktion von 500 Exemplaren. Nun ja, es werden ein paar mehr werden, es kommen noch 40 Divo dazu, 10 Centodieci, 40 Bolide, la Voiture Noire, jetzt noch die 99 Mistral. Als Bolide wird der Bugatti 1850 PS und 1850 Nm maximales Drehmoment haben, dies bei 1240 Kilo Kampfgewicht; der Mistral kommt nur auf 1600 PS, wiegt aber rund zwei Tonnen. Das wird seinen Fahrleistungen keinen Abbruch tun, der Allradler soll in weniger als 2,5 Sekunden auf 100 km/h sein und mit 420 km/h Höchstgeschwindigkeit das schnellste offene Serienfahrzeug der Welt.

So erstaunlich wie erfreulich ist, dass Anscheidt und sein Team beim Mistral noch einmal aus dem Vollen schöpfen durften. Die Front verfügt über neue Splitter, eine spitzer zulaufende Nase und verschiedene neue Lufteinlässe, unter anderem bei den Lampen – das ist deshalb nötig, weil der Roadster über ganz andere Strömungsverhältnisse verfügt als die Coupé. Auch von der Seite unterscheidet sich der Mistral von seinen geschlossenen Brüdern, die Formgebung ist doch deutlich flacher. Hinten gibt es eine neue Lichtsignatur. Und dann ist da natürlich die wunderbare Dachlinie des Mistral, komplett flach, harmonisch gerundet – der Wagen wirkt offen noch eleganter als der Chiron und La Voiture Noire. Und ja, zur Bezeichnung kann man durchaus den Kopf schütteln, sie hat rein gar nichts mit der Bugatti-Historie zu tun, aber so richtig stringent war die Benamsung in der Bugatti-Neuzeit ja eh nie.

So ausführlich Achim Anscheid zum Design und auch zum Innenleben des Mistral berichten kann, so wortkarg wird er, wenn es um die Zukunft von Bugatti geht. Aus anderen Gesprächen in Molsheim hatten wir schon herausgehört, dass die gut überschaubare Bugatti-Kundschaft (noch) nicht bereit ist für E-Autos, dass insbesondere die wirklich solventen Sammler sicher noch zuwarten werden, bevor sie sich einen reinen Stromer bestellen würden. Klar, Ausnahmen gibt es immer, es würde wohl auch genug Käufer geben, doch Bugatti muss ja schon sehr darauf achten, eine klar definierte Klientel bedienen zu können. Und wenn da die grossen Namen aus der Szene nicht dabei sind, dann könnte das zum Problem werden. Anscheidt erzählt also nur, was ihm die PR-Abteilung vorab erlaubt hat. Ok, er hält sich nicht immer daran: Dass alle Mistral verkauft sind, hätte erst bei der Weltpremiere in Pebble Beach verkündet werden sollen – die ai hat das Fahrzeug aber schon ein paar Wochen früher gesehen und mit Anscheidt gesprochen. Schade also, wenn Sie sich nun schon fünf Millionen Euro angespart haben, Sie kommen trotzdem zu spät.

Mehr Neuheiten haben wir im Archiv. Aber das braucht dann natürlich auch eine Sammlung:

«Fly Bug»

Im Zentrum der gestalterischen Konzeption steht die Libelle. Dieses Insekt dient als Vorlage für eine Formensprache, die Leichtigkeit, Dynamik und visuelle Komplexität miteinander verbindet. Ergänzt wird das Erscheinungsbild durch die speziell entwickelte Lackfarbe «Dragonfly Blue». Sie zeigt je nach Lichteinfall und Betrachtungswinkel Farbwechsel zwischen Blau- und Türkistönen und greift damit die optischen Eigenschaften von Libellenflügeln auf. Auch die Felgen sind farblich entsprechend abgestimmt, trotz unterschiedlicher Material- und Lackanforderungen. (Presse-Mitteilung)

«Caroline»

For the W16 Mistral ‘Caroline’, its future owner, a loyal Bugatti customer, sought to complement the design philosophy of the W16 Mistral with an entirely unique identity – one defined by delicacy and grace. That vision was rooted in the gentle beauty of flowers, intertwined with the world of Haute Couture and a heartfelt tribute in the car’s name – chosen in honor of his daughter.

«La Perle Rare»

Ohne Worte.

«Le Retour de jeune Prince»

Der W16 Mistral «Le Retour du Jeune Prince» (Die Rückkehr des jungen Prinzen) ist ein einzigartiger Roadster, der sowohl aus der Geschichte des Kunden als auch aus der poetischen Visualisierung dieser Geschichte durch das Bugatti-Designteam entstanden ist. Inspiriert von der Erde, dem Mondlicht und den Sternen sowie von einem berühmten Meisterwerk der Literatur wurde dieser Bugatti Sur Mesure W16 Mistral von einem aussergewöhnlichen Hypersportwagen in eine intime Hommage an Fantasie, Erinnerung und persönlichen Ausdruck verwandelt. (Presse-Mitteilung)

Chassis-Nummer: VF9SM3V3XSM795096

Auktion: RM Sotheby’s, Monterey 2026, Schätzpreis 7,5 bis 9,5 Millionen Dollar, mit diesen Angaben: «Finished in an arresting combination of Italian Red and Nocturne, with an interior trimmed in Italian Red and Beluga Black leather, the Bugatti Mistral offered here is offered out of single ownership having covered just 321 miles at the time of cataloguing. It is further specified with approximately $325,000 in factory options and tailored finishes, and is accompanied by a copy of its window sticker, factory car cover, battery tender, tool kit, and owner’s manuals.»

«Blanc Éternel»

Aus der Presse-Mitteilung: «Das Exterieur ist in einer eleganten Kombination aus „Pearl“ und „Sparkle“ gehalten, im Innenraum gepaart mit „Magnolia“ und „Grey Carbon Matt“; dabei reicht das Design des Hypercars weit zurück bis zu den Anfängen der modernen Bugatti-Ära, als Ferdinand Piëch das Ziel setzte, das den W16 für immer prägen sollte: ein Auto, das mehr als 400 km/h schnell sein kann und dennoch so elegant ist, dass man am selben Abend damit zur Oper fahren kann. Dieser W16 Mistral wurde gebaut, um beide Facetten des Fahrzeugs ein letztes Mal zum Ausdruck zu bringen. Für den Kunden war es gleichermaßen wichtig, eine Verbindung zwischen seinem Fahrzeug und dem Mann herzustellen, der all dies möglich gemacht hatte: Ettore Bugatti, der die Marke Bugatti 1909 in Molsheim gründete. Seine Signatur ist in die Kopfstützen eingenäht, in das Aluminium der Türschwellen eingearbeitet und anstelle der üblichen Bugatti-Signatur auf der Innenverkleidung der Motorabdeckung neu interpretiert. Dieser Dialog zwischen Bugattis Vergangenheit und Gegenwart setzt sich auch auf der zusammen mit Lalique entworfenen Plakette in der Mittelkonsolte fort. Die aus Kristallglas gegossene Plakette mit dem Titel „Spirit of the Wind“ verweist auf die langjährige Beziehung zwischen Bugatti und Lalique – die ursprünglich von Ettore Bugatti und René Lalique selbst aufgebaut wurde – und erinnert an die Skulptur, die W16-Mistral-Kunden bei der Konfiguration ihres Fahrzeugs erhielten. In enger Zusammenarbeit mit Jascha Straub, dem Leiter des Bereichs Sur Mesure und Individualisierung bei Bugatti, sowie dem renommierten Partner Bugatti Riad gestaltete der Kunde ein weiteres persönliches Detail. Anstelle der für Bugatti üblichen Elefantenskulptur ziert nun ein Falkenkopf den Schalthebel – eine Anspielung auf ein Tier von besonderer Bedeutung in seiner Heimatregion im Nahen Osten, wunderschön ergänzt durch eine in „Anthrazit“ gestickte Skizze auf den Türverkleidungen.»

Einen Überblick über weitere Hypercars gibt es: hier.

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