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Ferrari 250 P

Doppeltes Lottchen

Ein anständiges Fortbewegungsmittel hat den Motor vorne, davon war Enzo Ferrari Zeit seines langen Lebens überzeugt, schliesslich sei das ja auch schon bei den Kutschen so gewesen. Auch sein Sohn Dino, der im Gegensatz zu seinem Vater eine Ausbildung als Ingenieur vorweisen konnte (Enzo schaffte es nicht über die dritte Klasse der Hauptschule hinaus), konnte ihn nicht vom Gegenteil überzeugen, durfte aber unter den Fittichen von Aurelio Lampredi immerhin ein bisschen experimentieren. Als aber Ende der 50er Jahre immer mehr junge, bestens ausgebildete Ingenieure in Maranello arbeiteten, Giotto Bizzarrini, Carlo Chiti, dann auch Mauro Forghieri, sich auch Rennfahrer immer mehr für die technischen Belange zu interessieren begannen, allen voran Phil Hill und John Surtees, da zog sich der «Ingenere» immer mehr in die dunkleren Gefilde im Restaurant «Cavalino» zurück. Das war ihm alles zu viel, dass der erste Konstrukteurstitel in der Formel 1 mit einem Mittelmotor-Fahrzeug erzielt wurde, machte ihn nicht nur glücklich.

Und dann wollten die jungen Wilden auch noch seine so sehr geliebten Sportwagen umbauen. Aber Forghieri hatte nach dem Erfolg des Mittelmotor-156 in der Formel 1 halt gute Argumente. Enzo schmollte, gab aber doch grünes Licht für die Entwicklung eines P, prototipo, unter einer Bedingung: Die Entwicklung des 250 GTO musste gleichzeitig fortgesetzt werden (daraus entstand dann der 330 LMB, der keinen Blumentopf mehr gewinnen konnte). Ganz bei Null beginnen musste Forghieri nicht, es gab da schon interessante Erfahrungen mit den Dino 206 und 246, doch beim neuen Sportwagen musste ja ein 3-Liter-V12 eingebaut werden, deutlich schwerer und grösser als die filigranen Dino-Maschinen. Mit Hilfe von Pininfarina konnte aber für den neuen 250 P eine Konstruktion und die dazu passende Form gefunden werden, bei der nur 55 Prozent des Gewichts auf der Hinterachse lagen. Es war dies übrigens das erste Fahrzeug von Ferrari, das in einem Full-Scale-Windkanal getestet wurde – an der Universität von Stuttgart…

Vier Ferrari 250 P wurden für die Saison 1963 gebaut, #0810, #0812, #0814 und #0816. Das erste Rennen für #0810 und #0812 waren die 12 Stunden von Sebring Ende März 1963, Mairesse/Vacarella/Bandini kamen mit #0810 auf den zweiten Platz, Surtees/Scarfiotti holten mit #0812 den Sieg. Auch die 1000 Kilometer vom Nürburgring gewann #0812, diesmal mit Surtees/Mairesse. Die 24 Stunden von Le Mans gewannen dann Scarfiotti/Bandini offiziell auf #0814, wobei das gar nicht stimmte, denn #0814 stand nach einem Unfall auf dem Nürburgring noch zur Reparatur in Maranello, Ferrari schickte deshalb #0816 mit den Papieren von #0814 nach Frankreich. Ach ja, 1964 gewann dann #0816 gleich nochmals in Le Mans (aber als 275 P), Guichet/Vaccarella, nahm früher im Jahr noch die 12 Stunden von Sebring mit, Parkes/Magioli. Die Bilder oben/unten stammen von 2018, als die ganze Geschichte aufgedeckt wurde, also: einziges Fahrzeug, das zwei Mal in Le Mans gewann, RM Sotheby’s den Ferrari über Private Sales verkaufte. Man munkelte etwas von 40 Millionen Dollar… Heute soll sich #0816 im Besitz von Richard Mille befinden.

Ganz unten zeigen wir noch #0810, den ersten der Prototipo, der eigentlich nichts gewann, Anfang 1964 an Chinetti in die USA verkauft wurde, dort auch nichts gewann – und seit 1988 im Besitz von Anthony Wang war. Gooding Christie’s versteigert das Fahrzeug in Pebble Beach 2026, erwartet werden 15 bis 20 Millionen Dollar.

Mehr Ferrari, also: viele, sehr viele haben wir im Archiv.

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