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Neuheiten September 2026

Die Schmiede schmiedet…

Es kommen aus den USA diese Beobachtungen, oder schreiben wir mal: Gerüchte, dass der dortige Markt für die richtig teuren Automobile gerade einen eher beispiellosen Einbruch erlebe. Einige der bekannten Händler sollen in tiefen Schwierigkeiten stecken, gewisse Marken hätten üble Rückgänge zu verzeichnen. Das behaupte nicht ich, das kann man in seriösen Finanzzeitungen und auch auf gut gemachten Websites lesen. Total überraschend kommt das jetzt ja nicht – und wir bleiben dran.

Audi A2

Mein Gott, wie sie ihn grad wieder feiern, den Audi A2 von damals, man könnte meinen, der Messias, mindestens. Vorsprung durch Technik in seiner höchsten, reinsten Form, auf immer und auch noch ewig. Dabei war er damals so hässlich wie er es heute auch noch ist. Und er war viel zu teuer. Und er war genau deshalb der Misserfolg, der von einem hässlichen, zu teuren Automobil zwangsläufig halt zu erwarten ist, das schleckt keine Geiss weg. Aber das ist nun alles vergessen, die Geschichte wird wieder einmal umgeschrieben, muss so sein, denn es gibt ihn ja jetzt neu, den A2, rein elektrisch. Gut, Vorsprung durch Technik sieht eh etwas anders aus. Wir haben es erst kürzlich geschrieben, der VW ID.3 Neo ist viel besser als der ID.3 ohne Neo, aber technisch ist und bleibt auch der Neo einfach ein MEBler, und das ist jetzt halt nicht so total toll. Der A2 ist ein Neo im neuen Kleid, nein, den Fehler vom ersten A2 wiederholt hier nicht, doch dröge ist ähnlich schlimm wie hässlich, oder? Von hinten sieht der Audi aus wie der berühmte Skoda Megane, von vorne wie eine AI-generierte Comic-Figur aus Fernost – und innen ist halt alles ein bisschen auf nett poliert, die X Tausend Taler Aufgeld zu einem Neo müssen ja irgendwie erklärt werden. Aus dem Tal der Tränen wird der A2 Audi sicher auch nicht reissen.

Opel Corsa GSE

Prinzipiell ist der Opel Mokka GSE ja ein wirklich cooles Ding, fahrdynamisch ein Brett. Doch er hat ein Problem: Reichweite. Tritt man ihn so, wie man ihn durchaus treten kann, dann ist schnell wieder Schluss mit Fahrspass, siehe hier. Jetzt bringt Opel aber auch noch den Corsa GSE, gleiches Spiel, kleine Wuchtbrumme mit 280 PS, aber halt auch nur der 51-kWh-Batterie. Doch es dürfte besser werden als mit dem Mokka, leichter ist er, der Corsa, kleiner, steht weniger wie die Wand im Wind. Ach ja, deutlich günstiger als der Mokka wird er auch noch werden, in Deutschland ab 39’900 Euro.

Mitsubishi Pajero

Vier Generationen des Pajero gab es seit 1982, die letzte, V80, lief 2021 aus. Zwar gewann der Japaner doch zwölf Mal die Paris-Dakar, Rekord, doch irgendwann stand er immer tief im Schatten des Toyota Landcruiser und auch so ein bisschen des Nissan Patrol. Doch jetzt will es Mitsubishi nochmals wissen – und bietet mit der fünften Generation ein für Liebhaber von echten Geländewagen doch spannendes Angebot, nämlich: Leiterrahmen, Starrachse hinten. Das hat sonst niemand mehr, Defender und Landcruiser sind ja unterdessen Lifestyle-Warmduscher, da könnte der Mitsubishi eine schöne Nische finden. Als Motorisierung ist bisher einzig ein 2,4-Liter-Diesel bekannt, das dürfte der Grund sein, weshalb der in Thailand gebaute Pajero vorerst in Europa nicht angeboten werden wird. 4,92 Meter lang ist er, 1,92 Meter breit, 1,91 Meter hoch – und innen leider auch komplett durchdigitalisiert.

Range Rover Electric

Es hat ein bisschen gedauert mit dem rein elektrischen Range Rover, aber jetzt kann man ihn endlich zumindest bestellen. Wobei das weiterhin ein bisschen Blindflug ist, denn die Briten halten sich bei den technischen Angaben sehr vornehm zurück. Man weiss: 119-kWh-Akku (brutto? netto?), gemäss WLTP Reichweiten bis zu 600 Kilometer. Man weiss auch, dass es zwei Versionen gibt, EV450 (also 450 PS) und EV550 (also 550 PS), doch dann wird es eher mysteriös. Es sieht so aus, als ob der «echte» Range die Basis ist, da wären wir dann bei 5,06 Meter Länge – und einem Gewicht von? Wahrscheinlich musste es aber halt schnell gehen, denn Bentley den rein elektrischen Torcal für den 23. September angekündigt, da muss JLR noch mitnehmen, was man kriegen kann.

Neue Porsche-Sondermodelle

Nach der Umbennung in «Sportwagenschmiede 35» zeigt der ehemalige Porsche-Konzern nun, wie er sich die Zukunft vorstellt. Das Geschäftsmodell soll daraus bestehen, mit regionalen Sondermodellen Lokalkolorit und entsprechende Zugehörigkeitsgefühle zu generieren. So wird etwa der 911 «St. Moritz» mit Ice-weissem Exterieur (und entsprechend coolem, ebenfalls weissem Fell/Plüsch-Interieur samt ausklappbarem Renn-Pulver-Döschen/Spiegelchen) das erste Modell sein, das serienmässig mit auf Echt-Trompetengold-Felgen aufgezogenen Weisswand-Spikes ausgeliefert wird. Davon abgeleitet ist der «Bergsport», dessen Innenleben allerdings an den Schlafsaal einer miefigen Berghütte erinnern soll, alte Militär-Wolldecken-Sitzbezüge bringen die richtige Stimmung; er ist ausschliesslich in Jägertee-Grün erhältlich. In eine ganz andere Richtung «steht» der «St. Tropez», bislang das einzige Cabrio, innen gibt es Liegestühle im Gutschi-Stöffchen, das Dach verwandelt sich in ein überdimensionales Cocktail-Schirmchen, die sanfte Hellblauton der Lackierung heisst «Viagra on the Beach». Im Lieferumfang ist ein Transporter mit Kran inbegriffen, denn der 911 «St. Tropez» wird ohne Motor ausgeliefert, man lässt ihn sich bringen, stellt ihn irgendwo in einem Parkverbot ab und dort auch stehen; dies hilft der «Sportwagenschmiede 35» dann beim Flottenverbrauch, denn reine E-Modelle wurden bekanntlich gestrichen. Noch nicht bestätigt ist die Variante «Autobahnkurier SS», ein GT2 als Shooting Brake mit Dreifachflügel hinten, schwarz/schwarz/schwarz, ohne Instrumente, nur 1. und 6. Gang.

Bristol Fighter

Es gibt wohl nur wenige Marken mit einer derart wechselvollen Geschichte wie Bristol Cars. Schon nach dem 1. Weltkrieg versuchte sich die Bristol Aeroplane Company ein erstes Mal mit dem Bau von Automobilen, doch das ging dann schief. Bei Ausbruch des 2. Weltkriegs hatte der Flugzeughersteller 70’000 Angestellte, dem damaligen Chef, Sir G. Stanley White, war aber klar, dass es auch einen Plan brauchte für eine Zeit nach dem Krieg; 1945 wurde dann Bristol Cars als Tochtergesellschaft gegründet, es begann die gute Zeit der 400er-Serie. Schon 1960 war man zum ersten Mal am Ende, 1973 gab es einen Besitzerwechsel, 1997 dann den nächsten zu Toby Silverton, unter dessen Führung auch ein V10-Motor entwickelt wurde (das ist wichtig für diese Geschichte). Am 3. März 2011 war dann Schluss, am 21. April 2011 begann mit einem neuen Besitzer alles von vorne, am 5. März 2020 war wieder Ende Feuer, seit 2021 gab es nun wieder Versuche, die Marke neu zu beleben. Nun hat anscheinend ein gewisser Paul King die Rechte – und er bringt fünf Bristol Fighter auf den Markt, ein Modell, das schon zwischen 2004 und 2011 gebaut worden war, angetrieben vom schon erwähnten V10-Motor (der ganz einfach eine Viper-Maschine ist, also 8 Liter Hubraum, im Fighter T mit bis zu 1026 PS). Wahrscheinlich wurden damals 13 Fighter verkauft, ein paar Chassis blieben noch übrig, die werden jetzt umgenutzt.

Polestar 4 SUV

Wenn Sie etwas verwirrt sind von der Nummerierung bei Polestar – uns geht es auch nicht besser. Da wird in China wohl irgendwie auf eine Dartscheibe geschossen, dann nimmt man die Zahl, die getroffen wurde. Der Polestar 4 ist eigentlich der Unnütze ohne Heckscheibe, doch jetzt gibt es den auch noch mit Heckscheibe und Rucksack – und der heisst auch Polestar 4. Was unsere Theorie der Dartscheibe bestätigt. Schöner wird er als so genanntes SUV definitiv nicht. Ach ja, das ist übrigens immer noch die alte SEA-Plattform, 400-V-Architektur, man hat da wohl in China noch ein paar rumstehen, irgendwie müssen die ja auch weg.

Mehr Neuheiten haben wir im Archiv.

13 Kommentare

  1. Rolf Rolf

    Lieber Herr Ruch,

    es ist unvermeidlich. Wir werden wohl künftig aus Sie verzichten müssen.

    Noch heute wird ein Angebot von Porsche als Chief Marketing Manager bei Ihnen eingehen, das Sie nicht ablehnen können.
    Oder, wie der unvergessliche Norbert Blüm sagte: Die Rende is sischer!

    Das Modell St. Tropez trifft absolut perfekt die Bedürfnisse des Sammlers streng limitierter Autos. Der fehlende Motor wird gar nicht auffallen, es geht hier ums be“sitzen“.

    Chapeau!

  2. Max Max

    Jetzt werde ich wahrscheinlich mit Torten beworfen aber ich finde der Polestar 4 hat sich wesentlich verbessert.

    • Peter Ruch Peter Ruch

      in Sachen Kofferraumvolumen sicher…

  3. Daniel Daniel

    Beispielloser Einbruch in den USA? Porsche? Keinesfalls, das ist Fake News.

    Das dortige Designstudio hat eine auf die USA ausgerichtete 911er Sonderversion vorgestellt, limitiert auf 50 Stück, soviele wie die USA Staaten hat (es wird eine 51. Version hergestellt, aber erst versteigert, wenn Grönland der 51. Staat wird).

    Eckdaten: 2 Zylinder Motor (luftgekühlt!) mit 1600 PS. Der Tachometer lügt permanent. Blau weiss rote vinyl Sitze mit Sternen. Lügenbarometer anstatt Drehzahlmesser. Aussen-Farbe: Donald Orange. Extra dünnes Lenkrad für kleine Hände. Der Einfuhr-Zoll beträgt 911%.

    Das Modell macht Porsche great again!

    • Peter Ruch Peter Ruch

      sehr schön, die erste Auktion von RM Sotheby’s in Ittoqqortoormiit… wobei, RM, das sind Kanadier, das geht also nicht. eine Wiederbelebung von Russo & Steele?

    • Rolf Rolf

      Könnte aber auch, aus Versehen, Island werden, der 51. Staat.
      Das verwechselt er gern, der Donald.

      Ein amerikanischer Präsident verpflichtet sich auf Lebenszeit, niemals mehr selbst auf öffentlichen Straßen zu fahren. Also, das dünne Lenkrad muss nicht sein.

  4. Daniel Daniel

    also den Bristol Fighter fand ich immer göttlich – wer anders als die Engländer könnten so einen Wahnsinn bauen? Keine Ahnung wie das Ding fährt, aber mir wäre das egal…

    • Peter Ruch Peter Ruch

      8-Liter-V10, das ist nicht falsch…

    • hugoservatius hugoservatius

      Ich habe immerhin mal dringesessen, in einem Fighter, damals, kurz vor dem Ende der Ära Silverton, ich hatte in hochstaplerischer Manier den großartigen Bristol-Showroom an der Kensigton High Street aufgesucht und Mr. Silverton himself kümmerte sich um den potentiellen Kunden vom Kontinent.
      Ich mochte den Fighter nie wirklich, er war mir zu wenig ein typischer Bristol und zu sehr ein Marcos für Besserverdienende, außerdem empfinde ich Flügeltüren als entwürdigend bei Ein- und Ausstieg, insbesondere für Damen und noch insbesonderer bei Damen mit engen Röcken.

      Stattdessen interessierte ich mich für ein gebrauchtes Zagato Cabriolet, einen Bristol 412, das Exemplar, welches mir Mr. Silverton zeigte, stand in der finsteren, feuchten Tiefgarage unterhalb des Showrooms, war olfaktorisch nicht unproblematisch, in mäßigem Zustand und furchterregend teuer…
      Als wir einige Jahre später bei einer Oldtimer-Ausfahrt hinter einem solchen Bristol herfuhren, fiel mir auf, daß die hintere Stoßstange links zwei Zentimeter tiefer saß als rechts, nach Aussage des Eigners war das schon bei der Auslieferung so und ließ sich nicht korrigieren, da die Aufhängung ebenso schief am Rahmen verschweißt war!
      Frau Servatius kommentierte das Fahrzeug etwas einsilbig als „bemitleidenswert häßlich“, ich verschwieg ihr meine frühere Kaufabsicht sicherheitshalber.

      Dennoch:
      Die alten Bristols waren cool, auch der letzte Versuch eines neuen Bristols vor zehn Jahren, der Bullet, hatte etwas von dieser sehr speziellen Aura.

      • Rolf Rolf

        Ich habe nur ein einziges mal einen Bristol live gesehen, einen 411 Serie 1 in dunkelgraumetallic mit hellgrauem Leder.
        Auf Fotos ein schräges, typisch englisches Auto.
        Auf der Straße sehr beeindruckend, sehr elegant, sehr herrschaftlich.

  5. Oliver Oliver

    Aus gut unterrichteten Kreisen wird gerade durchgestochen, dass Porsche die nächste Sondermodell Marketingbombe zündet:
    Den 992 Solitude in Außenlackierung Maultaschengrau, Interieur Rostbratenbraun und die Felgen Spätzle Goldgelb.
    Das Beste: Das Apple Car Play schwätzt nur auf Schwäbisch

    • Rolf Rolf

      Der gehört aber in die Abteilung „Pure“, siehe Menüleiste (passt wortwörtlich) oben.

  6. Rolf Rolf

    Ach VW, muss man denn jede noch so winzige Nische füllen?
    Taigo, T-Cross, T-Roc, Tiguan, Tiguan lang, Tayron, Tuareg (dazwischen gehen noch zwei).

    Und das alles dann noch von Audi, Skoda, Cupra, Seat.

    Natürlich sind das lange nicht alle, nur ein Teil der SUVs.

    Irgendwie müssen sie die alle entwickeln, bauen, verkaufen. Ersatzteile vorhalten usw..
    Was für ein Irrsinn.

    Da kommt der spinnerte Ami und bietet nur noch zwei Modelle an (den Cyberdings vergessen wir mal) und eins davon ist das meistverkaufte Auto der Welt. Elektrisch.
    So einfach kann es sein.

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