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Der Volvo von David Bowie

Heroes

David Bowie, im vergangenen Jahr leider viel zu früh von uns gegangen, war ein Wanderer zwischen den Welten, mehr Gesamtkunstwerk als Musiker. Geboren als David Richard Jones am 8. Januar 1947 im englischen Brixton, war er aber vor allem eine Stil-Ikone. Und er fuhr einen Volvo. Einen ganz besonderen Volvo, der irgendwie auch ein Kunstwerk war: den 262C.

Über diesen Volvo 262C sollte man ein paar Dinge wissen. Denn es stimmt zum Beispiel nicht, dass Bertone den Volvo 262C gestaltet hat. Es stimmt, dass Bertone des Volvo 262C gebaut hat, 6622 Stück zwischen 1976 und 1982. Doch der erste Entwurf für dieses doch sehr eigenwillige Coupé stammt von Hausdesigner Jan Wilsgaard, der erste Prototyp wurde in Zusammenarbeit mit Sergio Coggiola auf die Räder gebracht. Coggiola, der den Saab Sonett III entwickelt und ein schönes Fliessheck-Coupé des Volvo P1800 gezeichnet hatte, entfernte einem Volvo 164 die hinteren Türen und das Dach, setzte eine kleinere Windschutzscheibe ein und ein viel flacheres Dach wieder drauf. Dieser Prototyp existiert noch. Bertone kam erst später dazu, eben, als es darum ging, das Fahrzeug zu bauen. Die ganz grosse Liebe liessen die Italiener dem Wagen aber nicht angedeihen – über die Jahre wurde manch ein 262C vom Rost zerfressen.

In den ersten beiden Baujahren gab es den 262C nur in Silber mit schwarzem Vinyldach; die zweite Generation gab es dafür nur in einem gewöhnungsbedürftigen Gold-Metallic, weitere Farben kamen erst später dazu. Innen war alles edel, Leder, elektrische Fensterheber, Servolenkung, Wurzelholz – und ein sanfter Mangel an Kopffreiheit. Das war vielleicht der Grund, weshalb der Volvo, der in erster Linie für den amerikanischen Markt gedacht war, nicht wirklich abhob an der Verkaufsfront. Einverstanden, da war noch etwas: der PRV-Motor. Anfangs mit 2,7 Litern Hubraum und eher müden 140 PS. Ab 1980 dann mit 2,9 Liter Hubraum und immer noch müden 155 PS. Das reichte für gerade einmal 180 km/h. Geschaltet wurde händisch mit vier Gängen (plus Overdrive, das gab es damals noch) oder über eine Dreigang-Automatik von Borg Warner (das gab es damals noch).

Damit aber noch nicht genug. Denn es gab den 262C auch noch als Cabrio. Geplant war eine Serie von 50 Stück für den amerikanischen Markt, beauftragt wurde der kalifornische Spezialist Solaire. Doch dann hatten die Schweden plötzlich Angst vor ihrem eigenen Mut, man dachte an die amerikanischen Sicherheitsbestimmungen – und schon nach fünf Exemplaren war fertig lustig. Wie viele Exemplare es noch gibt, ist nicht ganz klar.

Doch zurück zu Bowie und seinem 262C. Weil der Volvo schwarz ist, ist auch klar, dass er zur dritten Generation gehört (die es auch noch in Braun und Hellblau-Metallic gab). Bowie (oder seine Produktionsfirma) kaufte den Wagen 1981, er war dann lange Jahre mit einem Schweizer Nummernschild auf David Robert Jones zugelassen (und wurde später endgültig von seiner Produktionsfirma übernommen). Wie oft Bowie seinen 262C tatsächlich fuhr, das ist nicht bekannt – dass er sich damals, in den 80er Jahren, häufig in der Schweiz aufhielt, dagegen schon. Speziell ist an diesem Exemplar nicht nur, dass es nicht über ein Vinyldach verfügt, sondern auch eine anständige Blaupunkt-Stereoanlage installiert hat. Schaltfaul war David Bowie anscheinend auch, sein 262C wurde mit der drögen Dreigang-Automatik ausgeliefert. Der Künstler hatte es eh nicht so mit sportlichen Fahrzeugen, er besass Mercedes, Rolls-Royce, Bentley. Und gestaltete einmal einen Mini um, der heute im BMW-Museum in München steht. Legendär seine Antwort damals, als er gefragt wurde, welches englische Design er besonders schätze: «Das Sandwich».

Der Volvo 262C von David Bowie wird am 29.12. in Gstaad von der Oldtimergalerie Toffen versteigert. Mehr Infos: Classic Car Auction Gstaad. Und mehr Volvo: Archiv. (Photos: Bruno von Rotz – www.zwischengas.com)

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