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Maserati A6 1500 – Teil 1

Wahre Schönheit

Einfach die Grundzüge: Gegründet wurde die Marke Maserati 1914 von den Gebrüdern Maserati, Alfieri, Bindo, Carlo, Ernesto und Ettore in Bologna. Anfangs gab es nur Rennwagen, und es gab auch Siege, etwa bei der Targa Florio 1925, doch glänzend lief das Geschäft nie. 1932 verstab Alfieri Maserati, der die treibende Kraft hinter dem Unternehmen gewesen war; 1937 waren die Maseratis wieder einmal am Ende, sie mussten ihr Unternehmen an Grossindustriellen Adolfo Orsi verscherbeln. Der Modenese hatte mit Automobilen nicht so viel am Hut, doch er sah die Werbe-Möglichkeiten für seine anderen Produkte – und verpflichtete die überlebenden Brüder, noch zehn Jahre in der Firma zu bleiben. Was sie auch taten – um am 1. Mai 1947, einen Tag nach Absitzen der «Strafe», OSCA zu gründen (aber das ist eine andere Geschichte). Es war aber wohl Orsi zu verdanken, dass die «fratelli Maserati» nicht in die Armee eingezogen wurden – und so konnten sie für Maserati noch den Wagen entwickeln, der 1939 und 1940 die 500 Meilen von Indianapolis gewann, den 8CTF. Und sie entwickelten den 6CM weiter, der ab 1936 in der Klasse der Voiturettes-Rennwagen antrat, also: 1,5 Liter Hubraum (und ein Roots-Kompressor).

Die Frage ist nun: wie viel hatte jener 1,5-Liter-Reihensechszylinder aus dem 6CM mit jenem 1,5-Liter-Reihensechszylinder zu tun, mit dessen Entwicklung 1941 begonnen wurde und der 1943 zum ersten Mal ein Lebenszeichen von sich gab? Die Rennmaschine hatte einem Hubraum von 1493 cm3, der Motor, der nach dem Krieg Karriere machen sollte, kam auf 1488 cm3 (Bohrung x Hub 66, 72,5 mm; vom 6CM wissen wir das leider nicht); für die Entwicklung hatten Alberto Massimino und Ernesto Maserati verantwortlich gezeichnet. Wie auch immer, nach Kriegsende lief der Motor, eher müde 65 PS schaffte er im ersten Anlauf, zuerst mit nur einem Vergaser. Bezeichnet wurde das Fahrzeug als A6, die 6 für die Anzahl der Zylinder, das A als Reminiszenz an Alfieri Maserati. Der Stahlrohrrahmen war zwar komplex, aber doch robust, es gab vorne und hinten Starrachsen, ein eigenes Getriebe hatte man auf die Schnelle auch noch konstruiert. Mit 780 Kilo war der Wagen aber immerhin sehr leicht, perfekt für einen Rennwagen. In der Geschichtsschreibung wird eigentlich nur darüber geschrieben, wie der A6 den Weg für Maserati zum Serienhersteller öffnete, doch zuerst gab es den A6TR (TR für «Testa Riportata»), auch bekannt als 6CS/46 oder A6 Sport, wahrscheinlich Chassisnummer #051, den der gute Maserati-Kunde Guido Barbieri schon 1946 bei einigen Rennen – ohne Erfolg – eingesetzt haben soll; auch Gigi Villoresi soll so einen A6 Sport bei einigen Rennen gefahren sein. Barbieri gewann dann 1947 mit dieser «Barchetta» irgendeine der vielen italienischen Meisterschaften auf dem A6 Sport.

Zwar hatte es schon vor dem Krieg einige wenige Maserati in zivilen Kleidern gegeben, doch das waren alles Rennwagen gewesen, die man für betuchte Kunden für den täglichen Gebrauch umgebaut hatte. Doch der Geschäftsmann Orsi wusste, dass sich mit Einzelstücken zu wenig Geld verdienen liess, er wollte: Masse, ein grösseres Publikum. Also sandte er ein Chassis nach Turin, bestellte sich einen Wagen, den er auf Messen präsentieren konnte, gerne schon in Genf im Frühling 1947, wo die erste wichtige Auto-Ausstellung nach dem Krieg stattfand.

Der wunderbare Aufbau des Genfer Ausstellungsstücks stammte von Pinin Farina (damals noch nicht in einem Wort geschrieben), und er war sehr aussergewöhnlich, versenkbare Scheinwerfer-Abdeckungen und ein Panorama-Dach als feiner Kontrast zu den ansonsten sehr schlichten, an die Cisitalia erinnerenden Linien des schlanken Körpers. Genau dieses Fahrzeug, von dem man leider die Chassisnummer nicht kennt, gewann kurz darauf auch den Concours d’Elegance in Monte Carlo – und gab der kleinen Truppe von Maserati einen Grund mehr, auf die Strassenfahrzeuge zu setzen. Der A6 nun aber sollte den Beginn der Massen-Produktion für Maserati signalisieren – wobei das selbstverständlich sehr relativ ist, bis 1951 wurden nur gerade 59 (oder vielleicht doch 61?) A6 1500 gebaut, die meisten davon mit einem im Vergleich zum Schmuckstück von Genf 1947 (siehe oben) deutlich vereinfachten Aufbau von Pininfarina (siehe unten, zuerst #059, also ein frühes Exemplar, es begann ja erst mit #051).

Zeigen können wir auch #068, ein Fahrzeug, das lange in Argentinien war.

Es folgt #086, ein besonders hübsches Exemplar mit einer schönen Geschichte. Dieser A6 war 1949 das erste Fahrzeug, das ab Werk mit einem Weber-Dreifach-Vergaser aufgerüstet wurde (man bezeichnet die wahrscheinlich 10 Exemplare deshalb auch als 1500/3C). Erste Besitzerin war Isabella Quarantotti, eine römische Aristokratin, die in ihrer Zeit als Schriftstellerin bekannt war. Obwohl das Fahrzeug unter ihrer Adresse in Positano angemeldet war, wurde es vom Händler in Rom, Peppino Santi, an ein Hotel in Paris geliefert – die Besitzerin wollte mit dem Maserati in Le Mans antreten, als zweiter Fahrer sollte ihr frisch angetrauter zweiter Ehemann Alexander Ronald Smith amten. Aus unbekannten Gründen kam den 1500/3C aber nie in der Sarthe an – und im Dezember 1950 verkaufte die Signora #086 an den nächsten prominenten Besitzer, Donatello Mennini, ein bekannter Fussballspieler, berühmter Skifahrer und erfolgreicher Textilunternehmer. Und erst 1953 trat dieser Maserati zum ersten Mal bei einem Rennen an.

Und schliesslich haben wir auch #101, ein spätes Exemplar von 1950, das einst an den anderen römischen Maserati-Händler, Gugliemo Dei, ausgeliefert wurde, der es an einen Catullo del Monte verkaufte.

Wie viele A6 1500 Pininfarina genau einkleidete, das ist nicht bekannt. Es gab aber auf jeden Fall auch zwei Cabriolets, dies hier soll der Prototyp von 1948 sein.

Und dann ist da noch diese Zagato-Geschichte. Der hier gezeigte Wagen trägt die Chassisnummer #052 – und wäre folglich so etwas wie der Prototyp der strassentauglichen A6 1500. Man weiss, dass dieses Fahrzeug – mit einer von Maserati selber entworfenen Barchetta-Karosserie? – ab Oktober 1945 bis September 1946 für Versuchsfahrten verwendet wurde. 1948 wurde das Chassis zu Zagato geschickt, der dem Maserati einen so genannten «Panoramica»-Aufbau in Aluminium verpasste – es war dies die erste Zusammenarbeit zwischen Maserati und Zagato. Der Wagen wurde dann 1949 an Guido Barbieri (der ja schon #051 besass…) verkauft.

Es kommt dann selbstverständlich noch mehr – mehr Maserati haben wir in unserem Archiv.

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