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Abarth und Zagato

«Double Bubble» – und einfach: schön

Die Carrozzeria Zagato wurde schon 1919 von Ugo Zagato in Rho in der Nähe von Mailand gegründet. Schön früh beschäftigte er sich mit Aerodynamik und Leichtbau – und kleidete einige der schönsten Alfa Romeo der Vorkriegszeit ein. Nach dem 2. Weltkrieg war es zuerst etwas ruhig um Zagato, doch mit einigen schönen Gran Turismo kamen die Mailänder schnell wieder zurück ins Geschäft. Wie genau Zagato mit Abarth ins Gespräch kam, das ist nicht bekannt – wahrscheinlich hatte Abarth 1955 auf der Turin Motor Show einen Versuch von Zagato gesehen, den 600er-Fiat eleganter zu gestalten. Carlo Abarth hatte in den 50er Jahren einen ziemlich grossen Verschleiss an Designern, er war nur schwer zufriedenzustellen.

Der 750er-Motor, den Abarth 1955 auf Basis der Fiat-600-Maschine entwickelte, war so etwas wie ein erster grosser Erfolg für die junge Marke. Abarth verkaufte den 41,5 PS starken Motor mit 747 cm3 Hubraum auch als «derivazione» an die Fiat-Händler, damit diese ihn selber in die 600er einbauen konnten; ausserdem trieb diese Maschine in jenen Jahren noch so manch eines dieser so beliebten Fiat-Derivate an, die später als «etceterini» bekannt wurden. Doch Abarth wollte natürlich mehr, sah seine Zukunft unbedingt auch als Hersteller – und versuchte, «seinen» 750 massentauglich zu machen. Bertone durfte sich versuchen (was aber trotz Hilfe von Franco Scaglione misslang) – und dann landete Zagato quasi aus dem Nichts den ganz grossen Wurf. Aus dem kugeligen 600er wurde «Double Bubble», ein Entwurf, der als einer der grössten Design-Meilensteine angesehen werden darf. «Double Bubble» deshalb, weil das Fahrzeug so niedrig war, dass es zwei Ausbuchtungen im Dach brauchte, damit die Passagiere überhaupt Platz fanden. Nein, die Abarth waren nicht die ersten Zagato-Fahrzeuge mit diesen Höckern auf dem Dach, diese Ehre gebührt den Fiat 8V.

Erstmals gezeigt wurden die Abarth 750 GT Zagato im Frühling 1956 auf dem Genfer Salon. Kurz darauf wurde so ein 750er-Abarth-Zagato Zweiter in seiner Klasse bei der Mille Miglia – und die Erfolgsgeschichte nahm ihren Anfang, immer mehr Privatfahrer wollten solch ein Renngerät. Ein Jahr später rannten fünf dieser Fahrzeuge bei der Mille Miglia, Alfonso Thiele holte sich den Klassensieg sowie den 63. Rang im Gesamtklassement mit einem Schnitt von 117,9 km/h. 1958 und 1959 räumten die Abarth 750 Zagato bei den 12 Stunden von Sebring ab. Bis 1959 konnten wahrscheinlich etwa 600 dieser Wagen verkauft werden, die sowohl schnell wie auch zuverlässig waren. Ausserdem waren sie leicht, nur gerade 535 Kilo, dies bei einer Länge von 3,48 Metern, einer Breite von 1,34 Metern und einer Höhe von 1,19 Metern. Und schliesslich waren sie auch noch: schön. (Die Geschichte dieser 750er-Abarth ging dann noch weiter, es folgte ab 1959 der «Record Monza», 1960 gab es dann den «Sestriere» – doch da war Zagato schon nicht mehr dabei; wir werden sie alle noch vorstellen…)

Dass der 750er mit dem Zagato-Aufbau sich zu einem Renner entwickeln würde, das war bald einmal klar. Carlo Abarth liebte aber auch offene Autos, also verlangte es ihn nach einer Spyder-Version. Zagato lieferte – und das Fahrzeug, das 1957 vorgestellt wurde, sah irgendwie komisch aus, zu lange Nase, zu kurzes Heck, irgendwie machte es den Anschein eines Spielzeug-Autos. Also versuchte es Zagato noch einmal, und wieder fand das Modell keinen Gefallen beim grossen Meister. Er wandte sich an Serafino Allemano, der sich gerade kurzfristig die Dienste des begnadeten Giovanni Michelotti gesichert hatte, und Michelotti machte den kleinen Spyder «ernsthafter». So gab Abarth sein Einverständnis für die Produktion, er hatte die USA im Blick (und mit dem Sohn des ehemaligen Präsidenten, Franklin D. Roosevelt, auch einen grossartigen Importeur), doch die Herstellung des kleinen Spyder wäre derart teuer geworden, dass sich kein Geld mehr mit dem offenen 750er hätte verdienen lassen. Es enstanden aber trotzdem (wahrscheinlich) vier Exemplare, von denen eines in Genf ausgestellt ist.

Aber Abarth liess nicht locker: 1958 beauftragte er wieder Zagato, den 750er mit dem «Record Monza»-Motor in einen Roadster zu verwandeln. Weil der Twin Cam aber deutlich höher baute als die schwächere Maschine, musste Zagato dem kleinen Roadster so etwas wie einen Rucksack anschnallen. Und damit war das Projekt dann endgültig gestorben, denn optisch war es noch weniger hübsch als die erste Variante. Besser konnte das dann aber Allemano, von seinem 750 Spider konnten etwa 150 Exemplare verkauft werden, ein Grossteil davon in den USA.

Und dann gab es auch noch eine frühe Form von «downsizing». Im Juli 1957 hatte Fiat den «Cinquecento» vorgestellt, nur wenige Monate später standen auf der Turin Motor Show bereits erste Varianten mit Sonder-Karosserien. Die sicher schönste war jene von Abarth in Zusammenarbeit mit Zagato, ein «kleiner» 750er ohne «Double Bubble» und auch ohne die hinteren Lufteinlässe, dafür auch nur noch gerade 465 Kilo schwer. Der Zweizylinder mit 479 cm3 Hubraum schaffte anständige 26 PS – und machte den 500 GT Zagato über 150 km/h schnell. Ein Erfolg wurde das winzige Wägelchen trotzdem nicht, wahrscheinlich entstanden nicht einmal zehn Exemplare. Eines davon ist auf dem Genfer Salon 2019 zu sehen.

«radical» präsentiert an der Geneva International Motor Show (7. bis 17. März) auf dem Stand 6230 die grosse Show zu «70 Jahre Abarth» – in loser Folge stellen wir hier die einzelnen Exponate vor. Die Bilder stammen aus dem wunderbaren Buch «Abarth», das im vergangenen Jahr im Delius-Klasing-Verlag erschienen ist. Es gibt auf www.radical-mag.com schon ein grosses Abarth-Bilderbuch – und es kommt dann selbstverständlich noch viel mehr.

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