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Fiat Abarth 1000 TC Stradale

Stacheltier

Ach, was muss es für ein Vergnügen gewesen sein, in den frühen 60er Jahren solch einen Fiat Abarth 1000 TC Stradale durch die Gassen zu hauen. Kaum Verkehr, kein Radar, die Rennleitung nur ganz sporadisch im Einsatz – und wenn, dann so jämmerlich motorisiert, dass man sie nicht wirklich ernst nehmen musste. Auch Konkurrenz war kaum vorhanden, dann und wann ein Alfa Romeo, der auch nicht von schlechten Eltern war, der Porsche 901/911 lernte erst gerade laufen, aber sonst: Käfer, Kadetten, Taunüsser, Enten. Mit dem Abarth war man so ein bisschen der König, am Berg sowieso (da musste man keinen Porsche fürchten), auf der Landstrasse auch weit vorne. Der 1-Liter-Vierzylinder kam auf 60 PS und musste knapp über 600 Kilo bewegen, das tat er gern – und sehr lautstark. Das kleine Ding war gerade einmal 3,3 Meter lang, nicht einmal 1,4 Meter breit – und bot trotzdem vier Personen anständig viel Platz (plus vorne noch einen ganz anständigen Kofferraum). In der Abarth-Variante war man(n) aber gerne alleine unterwegs, der Spass an der Freud’ war einfach zu gross – die Sitze boten damals noch keinerlei Seitenhalt, da war es gut, wenn man sich am Lenkrad festhalten konnte. Und am doch massiven Schalthebel: die vier Gänge waren noch ganz direkt übersetzt.

Wir haben die Geschichte schon öfter erzählt (etwa: beim Multipla), wir tun es aber gerne wieder: Der Fiat 600, vorgestellt 1955, war grossartig (und dem heute so viel populäreren 500 in allen Belangen weit überlegen). Noch 1955 konnte Abarth seine «derivazione» anbieten, den 750. Der Motor des 600 wurde dafür komplett überarbeitet, der Hubraum stieg von 633 cm3 (Bohrung x Hub 54 x 60 mm) auf 747 cm3 (Bohrung x Hub 64 x 61 mm); es gab einen grösseren Luftfilter, einen Weber-32IMPE-Vergaser – die Leistung stieg von beschaulichen 21,5 auf beachtliche 41,5 PS. Auf Wunsch waren sogar 47 PS möglich. Doch der Fiat 600 derivazione Abarth 750 hatte ein Problem: Er war viel zu teuer. Ein Standard-600 war für 595’000 Lire zu haben, der an seiner zweifarbigen Lackierung erkennbare Abarth kostete satte 920’000 Lire. Das hatte auch einen Grund: Carlo Abarth musste komplette Fiat 600 bei einem befreundeten Fiat-Händler kaufen. Diese wurden dann in den Hallen am Corso Marche demontiert – und dann mit den entsprechenden Teilen (sowie nach einer Qualitätskontrolle) wieder zusammengebaut. Erst 1961 konnte Abarth mit Fiat einen vernünftigen Vertrag über die Lieferung von halbfertigen Fahrzeugen abschliessen. Die erste Krönung erfolgte schon im Frühling 1956, als Domenico Ogna die Klasse bis 750 cm3 der Mille Miglia gewann. In den 600er-Derivaten wurde er bis im Oktober 1960 verwendet, doch da waren auch noch ganz viele andere Modelle. Am berühmtesten sind sicher die 750 Zagato.

Im Sommer 1960 präsentierte Fiat den 600D. Der hatte neben vielen anderen Verbesserungen auch einen grösseren Motor (767 cm3) die Leistung stieg auf 29 PS. Da musste Abarth selbstverständlich sofort reagieren, und es entstand der 850. Dass es gerade 847 cm3 wurden, die perfekt in die von den italienischen Rennsportbehörden neu geschaffene Klasse mit bis zu 850 cm3 Hubraum passte, war ganz sicher nur ein Zufall, auch wenn die guten Beziehungen von Carlo Abarth zu einigen Funktionären ein offenes Geheimnis waren. Abarth offerierte drei Versionen: den 850 mit 52 (bei 6000/min) für 985’000 Lire*, den 850S mit 54 PS (bei 6300/min) für 1’025’000 Lire, und schliesslich den nicht homologierten 850SS mit 57 PS. Bereits im Frühling 1961 wurde das Programm wieder geändert. Im Angebot stand nun nur noch der 850TC mit 52 PS – und einem neuen Preis von nur noch 850’000 Lire (das waren die ersten Auswirkungen des neuen Vertrags mit Fiat). Aber damit nicht genug: Im September 1961 gewann Abarth die 500 Kilometer auf dem Nürburgring mit einem souveränen 1-2-3, die Verkäufe gingen rasant nach oben. Und schon im November wurde der 850 TC Nürburgring zu einem Aufpreis von 50’000 Lire angeboten, mit jetzt 55 PS, deutlich verbessertem Fahrwerk und Scheibenbremsen rundum. Die problemlos verkauften 1000 Exemplare sicherten dem Abarth die Homologation – und war für die eh nicht vorhandene Konkurrenz ein Schock. Es wurde noch heftiger: Bereits im Juli 1962 legte Abarth mit dem 1000er, der auch diesen Stradale befeuert, noch einmal nach. Der Hubraum lag jetzt bei 982 cm3, die Leistung stieg locker auf 60 PS – und die Höchstgeschwindigkeit für das Serien-Produkt auf beachtliche 160 km/h. Was man ihm nicht so richtig ansieht, auch gar nicht zutraut – und was den schon erwähnten Spass an der Freud’ noch weiter steigert.

Dieser Fiat Abarth 1000 TC Stradale stammt aus der Sammlung Möll (Photos: ©Bildermeister). Ausserdem: 70 Jahre Abarth – die Übersicht. Und: das Buch.

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