Zurück zum Content

BMW 507 – #70059

Pontiac-Blau

Jetzt einmal abgesehen von wenigen Silberpfeilen ist der BMW 507 der mit Abstand teuerste deutsche Klassiker. Man weiss nicht so genau warum, aber der Roadster kostet seit Jahren mindestens das Doppelte eines Flügeltürers. Es heisst, dass München da auch seine Hände im Spiel hat, um die Preise auf sehr hohem Niveau zu halten – wir sprechen da von über zwei Millionen Dollar, seit Jahren.

Ende September wurde nun wieder ein BMW 507 versteigert, von Bonhams auf dem Audrain Concours in Newport, Rhode Island, USA. Das Fahrzeug mit der Chassisnummer #70059, also eines der zweiten Serie, wurde inklusive Premium für 2’315’000 Dollar zugeschlagen. Also ein guter Preis, aber ganz normal für einen BMW 507.

Nun handelt es sich bei #70059 aber eigentlich um: eine Ruine. Das Fahrzeug wurde 1957 über den venezuelanischen BMW-Importeur Eduard Zingg an den Amerikaner Lester Stubbins verkauft. Stubbins war eine aussergewöhnliche Persönlichkeit, er verdiente sich mit Kaugummi-Maschinen ein Vermögen, besass auch einen Mercedes 300 SL und einen Ferrari 250 GT, fuhr 1959 bei den 24 Stunden von Le Mans auf einen erstaunlichen 6. Rang. Er soll seinen BMW geliebt haben – trotzdem liess er den in Silberblau ausgelieferten auf Weiss umlackieren. Und brachte ihn 1961 nach Kanada. Wo er irgendwie in die Hände eines gewissen Jack Kroch aus Ottawa gelangte. Der #70059 in Pontiac Bright Blue Metallic lackierte.

1979 verkaufte Kroch den BMW an Herman Bold, der zusammen mit seinem Bruder Gerhard 507er und die entsprechenden Teile sammelte, für 22’000 Dollar. #70059 wurde nach Philadelphia überführt – und stand dort 43 Jahre lang in einer Garage. Zwar wurde er dort so ein bisschen gepflegt, auch der Motor wurde dann und wann in Bewegung gesetzt, doch eigentlich war dieser «blaue» 507 nur als Ersatzteile-Lieferant gesetzt, die Gebrüder Bold besassen nämlich zwei weitere 507 (#70054 und #70228). Erstaunlicherweise konnte #70059 nach all diesen Jahren selber aus der Höhle fahren, in der er mehr als vier Jahrzehnte ungenutzt verbringen musste.

Nun denn, der Zahn der Zeit hat schon deutlich an diesem 507 genagt. Man kann das nun liebevoll Patina nennen und auch zu bewahren versuchen (vielleicht inkl. dem Geruch?), doch wahrscheinlich wird auch ein sehr gewiefter Restaurator da ein paar Dolores kosten, um den BMW wieder auf Vordermann zu bringen. Und dafür sind dann 2,3 Milliönchen als Basispreis schon eher happig.

Ja, wir sind schon einmal einen BMW 507 gefahren. Und ja, wir kennen die Geschichte gut. Und ja, wir haben eine unserer berüchtigten Sammlungen dazu. Das alles gibt es: hier.

Gib als erster einen Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.