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Ferrari 250 GTZ

Die Mysteriösen

Es gibt bereits einen kleinen «Einschub» zu den Zagato-250-GT-LWB in unserer Sammlung der Ferrari 250 GT LWB «Tour de France». Da geht unter all den Preziosen vielleicht etwas unter, um welch feine Besonderheiten es sich bei den fünf Ferrari 250 GTZ, wie wir sie hier bezeichnen wollen, handelt. Die «Tour de France» sind bekannt, berühmt, sie waren ja auch auf den Rennstrecken dieser Welt sehr erfolgreich – und so etwas wie das Fundament von Ferrari, mit Kundensport-Fahrzeugen gutes Geld zu verdienen. Die «TdF» gab es in vier Serien, es entstanden bei Scaglietti auf Basis eines Pininfarina-Entwurfs wohl 72 Exemplare (eben, da haben wir eine sehr schöne Sammlung, hier).

Wie es aber dazu kam, dass schon das fünfte Exemplare der Ferrari 250 GT LWB Berlinetta, wie die «Tour de France» offiziell heissen, einen Aufbau von Zagato erhielt, ist nicht wirklich geklärt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ferrari selber ein paar Chassis zu Zagato nach Mailand schickte, ist eher gering; die Zusammenarbeit mit Zagato kam nie so recht zustande. Deshalb waren es vielleicht eher persönliche Vorlieben, die ein paar wenige Ferrari-Kunden nach Mailand brachten. Elio Zagato, selber ein sehr begabter Rennfahrer, hatte den Ruf, nicht nur schöne, sondern vor allem auch leichte Rennfahrzeuge bauen zu können.

Erster Kunde war Vladimiro Galluzzi. Dieser, ein erfolgreicher Rennfahrer und auch Präsident der Scuderia Sant’Ambroeus, verlangte von Zagato ausdrücklich ein Fahrzeug, mit dem er sowohl Rennen wie auch Schönheitskonkurrenzen gewinnen konnte. Das Fahrzeug mit der Chassisnummer 0515GT, bekannt als «Berlinetta», wurde dann auch bei einigen Rennen eingesetzt (ohne einen Blumentopf zu gewinnen), aber schön ist es auf jeden Fall, heute gilt es als Paradebeispiel für diese Ferrari 250 GTZ. Vielleicht auch deshalb, weil es mittlerweile David Sydorick gehört und so ziemlich an jedem Concours schon angetreten ist. (Wir wollen hier nicht mit allen Details langweilen, die ganze Geschichte von #0515GT und ganz viele Bilder finden Sie in unserer TdF-Sammlung.)

Der nächste Ferrari 250 GT, der zu Zagato nach Rho kam, trug die Chassisnummer #0537GT. Bestellt wurde es vom ehemaligen Kampf-Piloten Camillo Luglio (ausgeliefert aber dann an dessen Frau Cornelia Vassali). Obwohl er den Wagen erst Ende Juli erhielt, konnte die Luglio 1956 noch die italienische Meisterschaft für Sportwagen mit mehr als zwei Liter Hubraum gewinnen. #0537GT war noch einmal leichter als #0515GT – und schon bei jenem Exemplar konnte Zagato mindestens 50 Kilo einsparen im Vergleich zu den Scaglietti-«Tour de France». Überhaupt ist #0537GT, als «Coupé Corsa» bezeichnet, vielleicht noch ein wenig konsequenter, in vielen Details mehr geschärft als sein berühmteres Brüderchen, doch der aktuelle Besitzer Robson S. Walton, dem der Wagen schon seit 1994 gehört, zeigt ihn nicht auf jeder «Hundsverlochete» her.

Zwar behielt Luglio #0537GT noch ein paar Jahre, aber für die Saison 1957 bestellte er bei Zagato ein neues Renngerät, #0665GT. Da gab es dann einige Veränderungen und Verbesserungen – #0665GT sieht ganz anders aus als die beiden früheren Zagato-250-GT. Und Schönheitspreise liessen sich damals wohl auch nicht mehr gewinnen. Dafür gewann Luglio zum zweiten Mal die italienische Meisterschaft – und fuhr bei der letzten Mille Miglia auf den 6. Gesamtrang, wurde 2. in seiner Klasse. Und es schliesst sich mit diesem Fahrzeug ein erster Kreis: zweiter Besitzer von #0665GT, genannt «Competizione» war dann Vladimiro Galluzzi. Heute gehört das Fahrzeug, wahrscheinlich, Lee Harrington.

Nur der vierte 250 GTZ brach aus dem erlauchten Galluzzi/Luglio-Kreis aus, wurde von Vittorio de Micheli aus Florenz bestellt. Wie sein Übernahme, «Lusso», schon aufzeigt, durfte Zagato da aus dem Vollen schöpfen, insbesondere bei Innenausstattung. Das hielt de Micheli allerdings nicht davon ab, mit seinem Ferrari mit der Chassisnummer #0689GT bei einigen Rennen anzutreten. Nach einem Unfall 1960 erhielt der Wagen eine neue Front, erst der aktuelle Besitzer Rick Nash liess das Fahrzeug wieder auf die originale Konfiguration zurückbauen.

Der letzte der Zagato-250er trug die Chassisnummer #1367GT, war also auch unter den TdF eine spätes Modell. Und das als «Prototipo» bezeichnete Fahrzeug war optisch doch recht anders als seine Mailänder Brüderchen, Vladimiro Galluzzi, schon wieder er, wollte eigentlich einen Rennwagen. Und das ohne Double Bubble, dafür mit Heckflossen. Der grossartigste Zagato-Entwurf ist das sicher, Galluzzi trennte sich auch sofort wieder von diesem Fahrzeug – nächste Besitzerin war keine Unbekannte, nämlich Cornelia Vassali, also die Gattin von Camillo Luglio. #1367GT befindet sich wahrscheinlich seit Anfang der 80er Jahre beim gleichen italienischen Besitzer.

Die genauen Besitzverhältnisse und mehr Bilder aller fünf Zagato-250-GT-Ferrari gibt es in unserer TdF-Sammlung. Mehr schöne Sachen haben wir in unserem Archiv.

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