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Porsche 911 T/R (1968)

Die Grenzen verwischen

Nach und neben einigen Einzelstücken gab es ab 1967 den 911 R, wahrscheinlich 19 Exemplare. Oder auch 20, wir haben das ja schon aufgelistet, hier. Für die Renn-Saison 1968 nun wurden anscheinend einige 911 T vom Band genommen, weil sie die leichtesten Modelle im Angebot waren. Interessierte Kunden konnten dann so einiges an Rennsport-Material dazubestellen – und so entstanden vielleicht 35 Porsche 911 T/R. Es können auch mehr gewesen sein, denn hier verschwinden die Grenzen (und Aufzeichnungen) nun endgültig

Denn für diese Porsche 911 T/R hatten die privaten Kunden die Wahl zwischen dem 160-PS-Motor aus dem 911 S. Oder man griff gar auf den 906-Motor mit Doppelzündung zurück, dann hatte man 210 PS (diese Fahrzeuge konnten zum Beispiel in Frankreich homologiert werden). Es gab das 5-Gang-Getriebe mit diversen Übersetzungen, ein Sperrdiffential, einen 100-Liter-Tank. Unbedingt nötig waren die Renn-Bremsen.

Wir wissen jetzt irgendwie auch nicht so recht, wie wir mit diesen Porsche 911 T/R umgehen sollen. Vielleicht lassen wir uns einfach ein paar Geschichten erzählen – wir müssen ja nicht werten.

Chassis-Nummer: 11820721

Gooding & Co., Pebble Beach 2014, verkauft für 440’000 Dollar.

Chassis-Nummer: 11820807:

Steht bei Schaltkulisse zum Verkauf, angeboten mit folgendem Text: «Das Fahrzeug mit der Fahrgestell-Nr. 118 20 807 wurde im April 1968 als Neufahrzeug an Claude Ballot-Lena vom in Levallois ansässigen, französischen Rennteam Ecurie Sonauto ausgeliefert (Anmerkung der Redaktion: Sonauto war damals der französische Porsche-Importeur). Ausgestattet mit einem 2-Liter-911 S-Motor vom Typ 901/02, einem 5-Gang-Schaltgetriebe (901/54) mit Nürburgring-Übersetzung und einigen seltenen Werksoptionen, darunter die Rallye-Ausrüstung und eine Fussstütze. Dieser 911, mit dem Kennzeichen 6350 UT 75, hat 1968 an einem Rennen in Montlhéry und der Rallye Sud-Ouest in Acquitaine teilgenommen. Beide Male wurde das Auto vom französischen Rennfahrer Claude Ballot-Lena eingesetzt. Mit Rene Mazzia und Pierre Mauroy am Steuer nahm der T/R an den 24 Stunden von Le Mans 1969 mit der Startnummer 63 teil. Aufgrund von Getriebeproblemen schied #807 aus dem Rennen aus. Im gleichen Jahr nahm das Auto mit Startnummer 28 an den 1000 km von Paris teil, wo es auf dem 15. Platz landete und die beste Qualifikationszeit in der GT-Serie erreichte. Ein Jahr darauf, 1970, nahm der T/R erneut beim Coupes de l’ACIF in Montlhéry mit Pierre Mauroy am Steuer teil und belegte den zehnten Platz. Der neue Besitzer Roland Tozzi meldete den T/R bei dem 24 Stunden Rennen und 3 Stunden Rennen von Le Mans 1971 an, nahm jedoch an beiden Veranstaltungen nicht teil. Der 911 T/R wurde 2014 bei Franco Lembo Automobilia in Reims restauriert und in seiner ursprünglichen Farbkombination aus Hellelfenbein (Light Ivory, 6804) und schwarzem Interieur fertiggestellt. Wie bei den meisten Rennwagen besitzt #807 heute nicht mehr seinen ursprünglichen Motor und Getriebe und ist jetzt mit einem 906er-Motortyp 901/20 ausgestattet, welche die optionale und leistungsstärkere Motoroption für den 911 T/R war. Merkmale wie die für die 24 Stunden von Le Mans spezifische Seitenleuchte sowie ein Notausschalter deuten auf die besondere Renngeschichte dieses Porsche hin».

Chassis-Nummer: 11020884

Stand einst bei Maxted-Page zum Verkauf. Die Geschichte wird wie folgt erzählt: «Als Paddy McNally dieses in Metallicsilber lackierte Exemplar 1968 bestellte, traf er mit dieser Wahl voll ins Schwarze. Denn zusammen mit Digby Martland gewann er mit dem 911 T/R die über die Jahreswende 1968/69 ausgetragene Winter Springbok Serie in Südafrika. Die weitere Wettbewerbshistorie des Wagens mit Chassisnummer 118 2 0884 sieht als weiteres Highlight die Targa Florio des Jahres 1970, bei der Alain de Cadenet zusammen mit Mike Ogier Platz zwei in der GT-Klasse bis zwei Liter errang. In den 1980er Jahren erlebte das Auto eine zweite Karriere auf den Rallyepisten, als die Gebrüder Powley mit dem 911 T/R zahlreiche Siege und Klassensiege bei Veranstaltungen auf der irischen Insel errangen».

Chassis-Nummer: 119100215

Für die Saison 1969 soll Porsche noch drei 911 T/R nach den Spezifikationen des amerikanischen SCCA-C-Reglements aufgebaut haben. Eines dieser Fahrzeuge, Chassis-Nummer 119100215, kommt Anfang März 2023 bei Gooding & Co. auf Amelia Island zur Versteigerung. Es verfügt über alles, was man damals haben wollte, den 906-Motor, das Getriebe in der Nürburgring-Abstufung, den 100-Liter-Tank. Und es verfügt über ganz viel Geschichte, gewann diverse SCCA-Rennen und sogar eine regionale Meisterschaft. Zehn Jahre später, 1979, war dieser Porsche noch schnell genug, um bei den 12 Stunden von Sebring auf den zweiten Platz in seiner Klasse zu fahren. Die Renn-Karriere von 119100215 endete erst 1985. Vor einigen Jahren wurde der Porsche 911 T/R restauriert, wieder auf seine SCCA-Spezifikationen von 1969 zurückgebaut. Gooding & Co. hat dieses Fahrzeug mit einem erstaunlich tiefen Schätzpreis angeschrieben. Nur gerade 450’000 bis 650’000 Dollar werden erwartet. Das ist wenig, wenn man die Seltenheit dieses Renn-Porsche berücksichtigt.

Es kommen dann noch mehr… – Geschichten. Und auch die (potentiellen) Chassis-Nummern. Unterdessen können Sie sich mit reichlich Porsche-Stories aus dem Archiv verlustieren.

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