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Ein kurzes Erlebnis im Ineos Quartermaster

Die Rampensau

Werner ist ein Off-Road-Urgestein. Er kennt sie alle, die echten Geländewagen, Defender (den echten), G-Klasse, Land Cruiser. Jetzt ist er bei Ineos dabei, kennt jedes Detail, erzählt schöne Geschichten – und hat sogar «radical» überzeugen können, in einen Quartermaster zu steigen. Dies mit dem Versprechen, dass es so richtig grob wird, geländetechnisch. Und tatsächlich hat Werner da etwas gefunden, das ganz lustig ist – leider sieht es auf den wenigen Bildern nicht so wild aus. Aber da am einen Hügel, mit Schieferplatte, brauchten wir dann tatsächlich alle vorhandenen Sperren. Und etwas Anlauf, sonst wären wir zu Fuss nach Hause.

Ach, die Ineos. Da hat sich Sir James Arthur Ratcliffe, geboren 1952, Self-Made-Milliardär und Jim für seine Freunde, ein lustiges Spielzeug geschaffen. Nach dem Auslaufen des «echten» Defender, so sein Gedanke, würden reichlich Kunden weiterhin einen ähnlichen, aber selbstverständlich viel besseren Geländewagen haben wollen. Also kaufte er sich die besten Ingenieure und die teuersten Teile zusammen, etwa Motoren von BMW, Getriebe von ZF, Starrachsen von Carraro, lässt diese in der ehemaligen Smart-Fabrik im französischen Hambach zusammenbauen, entstanden sind bisher der Grenadier (benannt nach einem Pub in London) und der Quartermaster, ein Pick-up mit Doppelkabine. Wie die Geschäfte laufen, können und wollen wir nicht beurteilen, aber das dürfte den Unternehmer eh nicht wirklich interessieren, er hat sich ja auch erst grad kürzlich 25 Prozent von Manchester United aus der Portokasse geleistet.

So ein Quartermaster ist noch einmal einen halben Meter länger als der schon nicht wirklich kompakte Grenadier, misst 5,44 Meter. Auf die Pritsche passt eine Euro-Palette, 800 Kilo Zuladung sind möglich, an den Haken gehen 3,5 Tonnen Anhängelast. Allein schon an diesen Zahlen sieht man, dass wir uns hier in der Nutzfahrzeug- und nicht der Plüsch-SUV-Abteilung bewegen. Gut, die ausufernde Länge macht den Ineos nicht gerade zum Parkhaus-König, er hat auch den Wendekreis eines gestrandeten Wals, aber fährt sich auf befestigten Strassen erfreulich komfortabel (im Vergleich zu einem Defender). Unser Proband verfügt über den BMW-Diesel, also 249 PS und 550 Nm maximales Drehmoment – man hört den Selbstzünder gut bei seiner Arbeit. Doch das bewegt sich ganz angenehm, auch dank der feinen ZF-8-Gang-Automatik.

Aber deswegen sind wir nicht eingestiegen, das kann auch ein neuer Defender ganz nett. Werner will über eine Wiese mit Löchern so gross wie eine Kuh, der Ineos sackt vorne rein, zieht sich wieder raus, fällt hinten ab, hat aber alleweil beste Traktion, weil feinste Verschränkung. Weil Automat, kriecht er nicht mit Standgas aus den Löchern, das Fahrpedal will fein dosiert sein, doch das hat man schnell im Griff. Klar, Bergabfahrhilfe gibt es auch – und viele Piepser, die man aber glücklicherweise mit den entsprechenden Off-Road-Programmen ausschalten kann. Die Rampe packt er ohne weitere Hilfsmittel locker, bloss die Sache mit dem Wendekreis ist halt so eine Sache; enge, verwinkelte Waldwege sind eher nicht so das Ding des Ineos.

Wir machen noch ein bisschen bergauf und bergab und tiefere Löcher, irgendwann müssen wir aber wieder raus aus dem Gelände. Und da will es Werner dann wissen. Anhalten, beide Achsdifferentialsperren aktivieren, Geländeuntersetzung rein. Dann zweiter Gang – und ab. Ups, es scharrt und tut und lärmt, aber vorwärts geht gar nichts mehr. «Hat geregnet», analysiert Werner die Situation, «zurück, mehr Anlauf». Gesagt, getan – geschafft. Schon ziemlich beeindruckend, weiter oben genannte Konkurrenten hätten jetzt hier die Seilwinde oder einen Umweg genommen. Werner lächelt. Dann diskutieren wir noch über Timbuktu und ob man tatsächlich dorthin fahren möchte mit so einem Ineos, doch darüber schreiben wir dann etwas, wenn wir mal einen Grenadier im Test hatten.

Wir fuhren den Ineos Quartermaster im Rahmen einer Veranstaltung von #gcoty. Mehr Geländewagen, etwa unseren eigenen Land Rover Defender, finden Sie im Archiv.

4 Kommentare

  1. Max Max

    Grandios, die Schalter unterm Bildschirm erinnern an Cockpits früherer Tage.

    Und der Quartermaster muss ja den Berg hochkommen, weil die Winde will man ja nicht aus der Verpackung holen.

  2. Rolf Rolf

    Ich könnte mich in den Hintern beissen. Dreimal haben wir den Defender probegefahren und meine Frau wollte ihn unbedingt kaufen. Mir war er irgendwie zu teuer, obwohl er damals für runde 30.000 € zu haben war, in kurz.
    Heute wäre er gut gepflegt deutlich mehr wert ….. hätte hätte Fahrradkette …..

    Als ich dann vor einigen Jahren von einem spleenigen Milliardär las, der die Prokuktionseinstellung des (echten) Defender mental nicht verkraftet hat und deshalb selbst einen Nachfolger bauen wollte, dachte ich noch, das wird eh nix.

    Chapeau Sir Radcliffe, Sie haben es getan und das Auto ist (was man so sieht und liest) grandios, gefällt mir extrem gut und kostet gegen einen Schicki-Micki-Mercedes G so gut wie nichts.

  3. maxi moll maxi moll

    ER ist schön..

    Nur eine Frage, ( mit knapp 3700 ha Grund und Berg, bis 2300hm ,also Grossbauer)
    Wenn Straßen vom Zustand
    NEBENSTRASSE 5 ter Ordnung in Bergweg ( Straßen für Optimisten)
    übergeht..

    WIE FAHREN WIR?

    Mir ist klar, dass in der ATTACCAMA in TEXXES und Vladiwosdogg Platz ist.
    Und in der Wühlgrube.
    Und wo dann zb in der Schweiz?

    Coppy Huston?

    • Peter Ruch Peter Ruch

      ja, Wendekreis und Breite sind ein Problem. Aber das ist ja ein Gebrauchsartikel, der muss ja nicht schickeeinkaufsstrassenschön glänzen.

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