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Gewerbepark, links, hinten

Was wir wirklich wollen

Dann verfährt man sich. Oder es gibt noch weiter hinten einen anständigen Getränkemarkt. Döner vielleicht? Vielleicht ist es auch nur Zufall – oder: Schicksal? Manchmal, wenn wir so unterwegs sind, da springt es uns an, neben der Hauptstrasse, hinter dem üblen DIY, dort draussen im ansonsten auch nicht so schönen Gewerbegebiet. Zuerst, aus dem Augenwinkel, etwas Grünes, wir kennen die Farbe, ja, ein Fiat Multipla, zweite Generation. Hart auf die Bremse, zurück, tatsächlich: Man muss ihn einfach lieben, den Multipla. Auch deshalb, weil ihn so viele hassen, er so ziemlich jede Wahl zum schlechtesten Auto aller Zeiten gewinnt. Dabei war er ausgesprochen clever gemacht, diese Raumausnutzungsziffer hat seither niemand mehr erreicht. Und gleich dahinter: Saab 9000, die schwedische Schwester des Alfa 164, Fiat Croma und Lancia Thema. Und dann auch noch ein Renault Avantime. Anhalten, aussteigen.

Und dann ist da halt noch mehr. Noch drei weitere Saab, ein Jaguar XJ, ein Kadett D, Lancia Kappa. Und dann: Alfa 164, grossartig. Und dann: Citroën XM, noch grossartiger. Es stellt sich die Frage: Wer tut sich das an? Und: warum? Das sieht alles nach viel Arbeit aus, das fährt man dann nicht einfach so vom Hof. Und gerade darum ist die Kombination so beeindruckend – und wir hätten es in genau dieser Kombi sehr gerne auf unserem eigenen Hof stehen. Keine Porsche, sicher keinen Benzen, aber diese Automobile aus jenen Jahren, als Automobile noch ihren ganz eigenen Charakter hatten. Man sie voneinander unterscheiden konnte. Was da steht, das kostet alles kein Geld (ok, die Avantime haben angezogen), man kann es auch noch für vernünftige Kohle wieder auf die Strasse bringen (ok, mit Ausnahme des XJ vielleicht) – und ja, wir möchten sie alle lieber fahren als all das neue Zeux.

Morgen dann kommt mein neuer «daily», also, ich muss ihn noch abholen. Gehört in die gleiche Kategorie, Sie werden noch wohl reichlich von ihr lesen. Und ja, wenn Sie auch noch so etwas einfach rumstehen haben, schon seit Jahren behaupten, den mach ich dann mal, aber gleichzeitig genau wissen, dass Sie es nie tun werden – mit uns kann man darüber reden (office@pruductions.ch). Und manchmal tut es ja gut, wenn man einfach nur darüber redet.

Mehr spannende Automobile haben wir im Archiv.

7 Kommentare

  1. Alpscruiser Alpscruiser

    Ein schöner Beitrag. Erinnert mich an letzten Sonntag als ich einen weißen Audi 100 Avant CC (Typ 44) gesehen hab und bestimmt 15 min drum herum geschlichen bin und viele Fotos gemacht habe.
    Es war genau das Modell das mein Vater damals hatte in dem ich groß geworden bin.
    Mittlerweile ein toller Oldtimer den man noch heute günstig im Alltag bewegen kann und gut mit schwimmt (je nach Motorvariante).
    Immer wieder toll wie ein altes Fahrzeug einen in die Vergangenheit katapultieren kann mit all den Erinnerungen.

    Ich selbst habe in der Garage ein Audi Coupé quattro (85‘), Oldsmobile Super 88 Holiday Sedan (58‘), Fendt F15 (50‘), Honda CB 400 (80‘) Umbau auf CaféRacer, Hercules MP4 (72‘). Zum fahren kommt man leider zu wenig (Kind und Kegel). Sie bringen einen aber in eine unbeschwerte Zeit zurück. Selbst beim Schrauben an den Vehikeln. Die Fahrzeuge haben eine Identität, Charme und Persönlichkeit und bringen Fahrfreud(e).

    Mein Alltagsauto, ein ID.7 Tourer, ist das souveränste und komfortabelste Auto das ich je besessen habe. Ich bin noch nie so entspannt im Urlaub angekommen aber auch noch nie mit so wenig Spaß.
    Ich habe nichts gegen Elektroautos. Mittlerweile sind sie uneingeschränkt im Alltag brauchbar. Das stumpfe Gefühl erstreckt aber auch über den Großteil neuer Verbrenner. Einfallslos, langweilig, austauschbar.

    Kauft jetzt junge Klassiker!

    • Hans Erb Hans Erb

      In der Tat eine coole Sammlung. Mein Honda Legend Coupé KA8 würde da genau auch noch reinpassen. Und eine Avantime sollte man sich definitiv antun. Obwohl: Diva.

  2. Matthias Matthias

    Ja, das mit der «vernünftigen Kohle» ist meistens die perfekte Illusion. Die oben abgebildeten Autos sprechen bereits optisch eine deutliche Sprache. Sie sprechen nicht, nein, sie schreien: «Finger weg, ich werde teuer!» Platte Pneus, Algenbesatz vom langen Stehen. Und das sind nur die äusserlich sichtbaren Mängel. Wie die innen oder von unten aussehen, das will man gar nicht wissen. Diese Karren wirken, als wären sie dem Auto-Abbruch auf wundersame Weise entkommen. Nachvollziehbare Historie? Meistens Fehlanzeige. Ob mal «Klassiker» aus diesen abgeratzten «Youngtimern» werden, dass wissen nur die Rostgötter. Wer eine eigene Werkstatt hat und schrauben kann und will – nichts wie ran ans Blech!

    Für alle anderen Autofans dürften sich diese Fahrzeuge, auch wenn man sie quasi geschenkt bekommt (warum nur? Weil kein halbwegs vernünftig denkender Mensch sie will!), finanziell in Fässer ohne Boden verwandeln. Ersatzteilprobleme und Zicken der verbauten Elektronik, da kann man fröhlich einen Tausender nach dem anderen in der Hoffnung versenken, die Chaise irgendwann mal «durchrepariert» zu haben oder sogar den Veteranenstatus beim netten MFK-Prüfer zu erhalten. Der Mann beim Bosch-Dienst wird dein bester Freund, und der Karosseriespengler erwartet dich mir einem Lächeln im Gesicht und fauchendem Schweissgerät – Juppidu, Umsatz naht! Was man da an Kohle reingebuttert hat, kriegt man beim Wiederverkauf nie und nimmer wieder raus. Da geht man mit dem Geld lieber ins Casino oder spendet für Pro Senectute, wenn man zu viel davon hat.

    Das Mantra der Old- und Youngtimerszene heisst ja nicht umsonst: Das beste Auto nehmen, was man bekommen kann. Auch wenn es teurer ist. Keine Sorge, die kribbelnde Spannung, was als nächstes kaputtgeht, bleibt auch bei den besseren der jahrzehntealten Oldies aus erster Rentnerhand erhalten, bei denen mit 100% kompletter Historie und durchgestempelten Service-Heftli. Hinterhof-Möhren wie die Helden im obigen Artikel verdienen kein Mitleid und keine schwärmerischen Träumereien, sondern einen Kran, der kräftig zupackt, um diese Gurken ins Auto-Nirwana der Schrottpresse zu befördern.

    Nein. Kauft besser keine solchen „jungen Klassiker“. Jetzt nicht und auch später nicht.

    • Peter Ruch Peter Ruch

      das war jetzt aber nicht: nett. aber: realistisch. und doch nähren wir uns beständig an der Hoffnung, genau dort im Gewerbepark, links, hinten, auf genau jene Möhre zu stossen, die – ok, wahrscheinlich doch nicht )

    • Christian Christian

      Hallo Matthias, ganz soo negativ würde ich das jetzt nicht sehen! Ich kann jetzt hier am Rechner auch nur nach den Bildern urteilen, aber so schlimm wie Du es beschreibst muss es nicht kommen.
      Klar, jeder hat eigene Erfahrungen gemacht. Man müsste sich die Fhrzeuge wirklich „näher“ und genauer ansehen.
      Sicherlich kann man auch vom optischen auf den technischen Zustand schließen und finanziell „lohnt“ sich kein Auto, egal ob neu oder alt.
      Die letzten Jahre hatten wir halt die Situation, dass die Preise für alte oder seltene Autos gestiegen sind (nachdem sie zeitlich das Tal der Tränen durchschritten hatten) und sich eine Restauration dann doch gelohnt hat. Für einen Enthusiasten spielt aber auch das keine Rolle und es gibt genügend Autos, die von Ihren Besitzern liebevoll und aufwändig hergerichtet wurden. Den Leuten ist klar, dass sie das investierte Geld und die Mühen niemals wieder „herausbekommen“.
      Aber „schrauben und basteln“ macht auch Spass – kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.
      Ob es sich „lohnt“, einen Fiat Multipla wieder flott zu kriegen, muss jeder für sich entscheiden. Wenn`s einer macht, hat er mit Sicherheit Aufmerksamkeit wenn er mit dem „Ding“ vorfährt 😉

  3. In dieser „Sammlung“ sind ja wirklich einige sehr reizvolle Fahrzeuge zu finden!
    Ganz vorne der Renault Avantime, dann der Multipla und der Jaguar XJ, es scheint ein Achtzylinder zu sein, das macht die Wiederbelebung etwas aufwendiger…
    Die Saabs sind jetzt nicht die reizvollsten Vertreter ihrer Spezies und der Lancia Kappa hat mich nie begeistert, jedenfalls als Limousine.

    Grundsätzlich würde ich eine Wiederbelebung der meisten Fahrzeuge nicht so negativ sehen, die Autos sehen teilweise ganz gut aus, für eine seriöse Einschätzung müßte man sie genauer inspizieren.
    Aber ganz grundsätzlich scheint mir bei einigen Fahrzeugen die Instandsetzung absolut lohnend, die zusätzlich zu dem wahrscheinlich überschaubaren Einkaufspreis entstehenden Kosten sind in jedem Fall nicht so hoch wie der Kaufpreis eines „modernen“ Fahrzeugs einer ähnlichen Klasse, dazu kommt der nicht existente Wertverlust und, ganz wichtig, die aus der Nutzung eines solchen Wagen resultierende Lebensfreude.
    Und, nicht zu vergessen, die Nachhaltigkeit eines einmal gebauten und möglichst gut gepflegten und lange genutzten Fahrzeugs.

    Gerade ein Avantime oder ein Multipla sind ja ein rollendes Statement und dürften ganz sicher nicht weniger wert werden, wenn man sie vernünftig herrichtet und dann vernünftig nutzt.
    Ebenso der Jaguar, der sicher etwas teurer zu unterhalten ist, aber seinem Fahrer und dessen Passagieren ein unvergleichliches Gefühl des Wohlbefindens vermittelt…
    Für mich ist jede Fahrt mit meinem 22 Jahre alten XJ ein Vergnügen, Jaguarfahren ist dermaßen entspannend, daß man es auf Rezept bekommen sollte!
    Und das „Social Standing“ des vielleicht noch 15.000 € wert seienden Wagens ist um ein so Vielfaches höher als das einer neuen Mercedes E-Klasse, das ist wirklich erstaunlich, man muß nur einmal vor einem klassichen Grand Hotel mit Doorman vorfahren, die Wirkung ist schon sehr besonders.

    Für Menschen, die – wie mich – nahezu alle neu zu erwerbenden Fahrzeuge ziemlich kalt lassen, sind die präsenteierten „Gewerbeparkautos“ jedenfalls höchst reizvoll und eine wunderbare Alternative zu den wenigen günstigen Neuwagen auf dem Markt.
    Ich würde mich des Avantimes und des Multiplas annehmen, zum Glück liest meine Frau hier nur die Beiträge zur Kulinarik…

  4. Rolf Rolf

    Nun, mir ist dieser Artikel auch nicht aus dem Kopf gegangen.
    Der Reiz, ein charaktervolles Auto für kleines Geld zu kaufen, ist groß. Auch wenn klar ist, dass da immer mal „was kommen mag“.

    Ich habe einige auf mobile.de angesehen und bin immer wieder erstaunt über die enormen Preisspannen. Sind die teuren wirklich gut oder schwimmt da einfach einer auf einer Welle und probiert´s mal?
    Für einen Laien wie mich absolut nicht einzuschätzen.

    Der Avantime ist einfach toll und immer noch recht günstig, der Vel Satis ist geradezu billig zu haben. Beim XM wird es schon eng und die Spanne ist riesig.

    Freunde hatten sehr lange einen Audi A4 B5 und pflegten ihn liebevoll. Er sah aus wie neu. Aber er verschlang immer wieder die Tausender, bis er letztlich für eine größere Überholung 4.500,- € benötigt hätte, dann haben sie aufgegeben. Das war er einfach nicht mehr wert.

    Spaßeshalber habe ich mal zwei Autos angesehen, die wir damals als junge Vertriebler uns Mitte/Ende der 1980er neu beim Händler angesehen haben (und dann doch bei Golf GTI geblieben und später auf 3er BMW umgestiegen sind) und ……. war platt.
    Der Opel Calibra ist ganz schön teuer als Altauto und richtig gestaunt habe ich darüber, dass der VW Corrado offenbar Kultstatus hat und sehr teuer gehandelt wird.

    Ja, ich würde so etwas gern als „daily“ fahren, aber zwei Dinge müsste er haben, Klimaanlage und Servolenkung. Und da wird es schon schwierig bei Baujahren früher als 2000. Und die Kombis kosten bereits in der Anschaffung immer deutlich mehr (Citroen, Volvo, Mercedes).

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