Warum eigentlich nicht?
Früher waren sie ein Statussymbol. Aber das war nur ihr zweitgrösstes Problem, denn als 1973 die Ölkrise ausbrach, fielen grosse Limousinen in erster Linie wegen ihres hohen Treibstoffverbrauchs in Ungnade. Und eben in zweiter, weil derart opulent präsentierter Luxus nicht mehr zum europäischen Zeitgeist passte. Nur noch in der Politik und einigen Chefetagen blieben grosse Limousinen auf dem alten Kontinent das Fortbewegungsmittel erster Wahl. Dass vorne ein grossvolumiger Motor ordentlich Benzin schluckte, wurde ihnen in diesen Sektoren lange verziehen. Die Idee mit dem Diesel fasste in diesem Segment sowieso nie so richtig Fuss – weder vor, während oder nach der Ölkrise.



Aber erst jetzt hält der wirklich passende Antrieb bei den grossen Limousinen Einzug. Denn wahre Laufruhe kann es nur elektrisch geben. Gleichzeitig räumt der Elektroantrieb den früheren Hauptkritikpunkt nachdrücklich aus dem Weg, denn selbst eine fünf Meter lange Limousine ist windschlüpfriger als ein kompakter SUV. Und damit effizienter, sparsamer, nachhaltiger. Wie der neue Volvo ES90. Der hat einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,25 und besitzt ausserdem einen der kleinsten CO2-Fussabdrücke aller Volvo-Modelle. 29 Prozent des verwendeten Aluminiums sind recycelt, und auch 18 Prozent des Stahls.

«Nur weil ein Auto gross ist, muss es keinen grossen CO2-Fussabdruck haben». Sagt Volvo. Nur weil ein Auto gross ist, muss es sich beim Fahren nicht so anfühlen. Sagen wir. Denn wir konnten die neue Limousine an der Côte d’Azur testen und waren dann doch überrascht, wie leichtfüssig sich dieses exakt fünf Meter lange Auto fährt. Mit dem adaptiven Luftfahrwerk, das bei der Ausstattungslinie Ultra standardmässig verbaut ist, wird das Dynamikniveau zusätzlich erhöht. Im hügeligen, kurvenreichen Hinterland zwischen Nizza und Monaco kommt aber gewiss auch mit der Standardfederung reichlich Freude am Lenkrad auf, weil der ES90 den Richtungsvorgaben prompt und doch unaufgeregt folgt. Dass der Volvo dabei auch enorm ruhig sein würde, damit haben wir natürlich gerechnet. Mit der Akkustikverglasung ist es dann wahrlich ein Schweben wie Thor in Frankreich.

Dazu kommt eine sehr gute Übersicht, was wieder einmal beweist, dass es dafür keinen stelzigen SUV braucht. Wobei der ES90 für eine Limousine relativ hoch ist, nämlich rund 1,55 Meter. Das liegt an der Batterie im Unterboden, die in der Variante mit Hinterradantrieb dank 88 kWh nutzbarer Kapazität eine WLTP-Reichweite von 651 Kilometern ermöglicht. Bald wird es den ES90 auch noch mit Allradantrieb geben, wo dann zwei Motoren zusammen 449 PS oder in der Performanceausführung sogar 680 PS generieren. Ein noch etwas grösserer Stromspeicher mit nutzbaren 102 kWh bringt die WLTP-Reichweite der beiden Allradversionen auf 700 Kilometer.



Aber auch der ES90 mit Hinterradantrieb kann mehr als genügen. Nicht nur bezüglich Reichweite, sondern auch in Sachen Fahrleistungen. 6,6 Sekunden dauert der Spurt von 0 auf 100 km/h. Die auf 180 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit ist für die allermeisten Länder ja immer noch viel zu hoch, also eigentlich völlig irrelevant. Viel wichtiger ist das sichere Gefühl von immensen Leistungsreserven, die selbst der Einstiegs-ES90 vermittelt, wenn beispielsweise überholt werden muss. Stichwort Leistung: Beim Laden fliessen dank 800-Volt-Technologie bis zu 310 kW ins Auto, beim grösseren Akku können es sogar 350 kW sein. So kommt binnen nur zehn Minuten Strom für 300 Kilometer in die Batterie.



Trotz dieser Batterie im Unterboden sitzt man übrigens eher im als auf dem Auto, was das Fahrerlebnis noch einmal angenehmer werden lässt. Überhaupt vermittelt der ES90 ein Gefühl von vollständiger Souveränität – auch optisch. Nichts an ihm wirkt aufgesetzt, geschweige denn effekthascherisch. Neben ihm sehen viele andere moderne Autos richtiggehend klobig aus, selbst wenn der Volvo in Zahlen grösser ist als sie. Die klassische Limousinen-Silhouette ist eben immer noch elegant, die unverwechselbare Designsprache der Schweden verleiht der Karosserie zusätzliche Leichtigkeit.

Für die Insassen zählt natürlich mehr, was der Innenraum zu bieten hat. Und das ist einiges. Da gibt es dank 3,1 Meter Radstand vor allem viel Platz, vorne wie hinten. Aber auch viel Licht durch das serienmässige Panoramaglasdach, das sich in der Ausstattungslinie Ultra auf Knopfdruck elektrochromatisch abdunkeln lässt. Und auch reine Luft, denn alle ES90 fahren mit einer Vierzonenklimaanlage inklusive Luftreinigungssystem vor. Das Ambiente im Interieur ist markentypisch skandinavisch wohnlich – unabhängig davon, ob für den Sitzbezug das lederfreie Material Nordico biologischen Ursprungs oder echtes Nappaleder gewählt wird. Je nach Ausstattungslinie lassen sich die Vordersitze und auch die beiden Aussensitze hinten beheizen und belüften. Sie werden optional zum Konzertgestühl: entweder mit einem Bose-Premium-Sound-System oder einer Highend-Anlage von Bowers & Wilkins und 25 Lautsprechern.

Die Bedienung von Klima, Sound und allem anderen erfolgt über einen 14.5-Zoll-Touchscreen. Der fungiert als Benutzeroberfläche für eines der intelligentesten Autos, die man derzeit kaufen kann. Zwei Kerncomputer ersetzen im Volvo ES90 über 100 Steuergeräte und erhöhen die Leistungsfähigkeit um ein Vielfaches. Als softwaredefiniertes Fahrzeug wurde der ES90 um diese fortschrittliche Technologie herumentwickelt. Das bringt ihn in Sachen Leistung, Komfort und nicht zuletzt Sicherheit auf den neusten Stand der Technik. Immer. Denn lernfähige Künstliche Intelligenz und Over-the-Air-Updates sorgen dafür, dass das auch in Zukunft so bleibt. Mit seiner Lidar-Technologie ist Volvos grosse Limousine auch auf autonomes Fahren vorbereitet.



Irgendwie klingt das alles ziemlich elitär, eben doch nach einem Statussymbol. Ja, der ES90 ist tatsächlich sehr fein, sehr gross, sehr luxuriös. Dabei aber auch unaufdringlich, bodenständig, praktisch. Und mit einem Einstiegspreis von 74’950 Franken für das Gebotene beachtlich preiswert. Da stellt sich dann schon die Frage: Warum eigentlich nicht mal eine grosse Limousine nehmen?

Wie bedanken uns bei David Hänggi für diesen Text. Mehr Strom gibt es unter zero, alles andere im Archiv.


Wirklich wieder ein Volvo in der Tradition der Marke, trotz etwas massivem Unterbau sehr elegant, nicht aggressiv, saubere Linien, sehr feines Interieur, nicht so verspielt wie der große Citroen DS.
Aber leider auch wieder: Riesige, viel zu breite Räder und völlig übertriebene Leistungsdaten, die PS-Zahlen lassen mich immer wieder erschaudern, wer, um Himmels Willen, braucht 680 PS in einem PKW, kann man diese absurden Leistungsdaten nicht zugunsten der Reichweite reduzieren?
Die Frage nach der Tauglichkeit als Statussymbol ist angesichts der Auflösung der gesellschaftlichen und ästhetischen Konventionen eher zu vernachlässigen, je nach Peer Group sind Riesensuffs, sinistre Brüllmercedesse, fein gepflegte Klassiker oder überspoilerte 911er Statussymbole, schlicht-elegante Limousinen zeichnen ihre Eigner eher als Thinking Men and Women aus, in der Tech-Szene war das Tesla Model S lange Zeit eine Art Statussymbol, was aber vor allem an der Vorreiterrolle als vollelektrische Limousine lag.
Auf jeden Fall sehr schön, daß es noch Limousinen gibt, daß es elektrische Autos gibt, deren Anblick keine Depressionen oder alternativ Angstzustände auslösen, daß Volvo seine Markenidentität bewahrt und ausbaut.
„Warum eigentlich nicht mal eine grosse Limousine nehmen?“
Nun, das sind schon immer die besten, komfortabelsten und auch die schnellsten Reisewagen. Deshalb, immer gern.
Fließheck mit Heckklappe in der Oberklasse oder oberen Mittelklasse.
Ich finde es toll, aber es war bisher immer schwierig.
Vielleicht ist der Markt inzwischen reif dafür?
In zwei Spielfilmen war jetzt der Mercedes EQS zu sehen.
Ja, der wird hier …… sagen wir mal, nicht so sehr geschätzt.
Aber er sah gut aus. Repräsentativ, elegant und durch die hinteren Kotflügelausbuchtungen auch nicht so seifig wie gern beschrieben.
Ohne Hyperscreen auch ein feiner Wagen.
Ich denke, der Volvo ist eine (halbe?) Klasse drunter und auf seine ganz eigene Art, der Volvo-Art, könnte es klappen.
Ich würde ihn tausendmal eher nehmen als den EX.
Schade, dass Sie in dem lubhudeligen Text vergessen haben zu erwähnen, dass radical-mag und Volvo verpartnert sind.
Aufmerksam, wie Sie sind, ist Ihnen wahrscheinlich nicht entgangen, dass dieser Artikel «zugekauft» wurde. Aber ja, die Volvo-Beilage in radical#5 ist tatsächlich bezahlt.
Auf den ersten Blick ebenbürtig zu meinem ID.7 Tourer Pro. Nur das der VW mehr Platz hat da Kombi und billiger.
Von Sitzheizung,-Belüftung, Massagefunktion, dem ganze autonomen Fahrdingsbums, Assistenten etc. Ganz zu schweigen von ebenbürtige Fahrleistungen, Fahrwerk, Panoramaglasdach usw. usw.
Mit der SW-Version 5 und aufwärts klappt jetzt auch das Infotainmentsystem.
Lediglich die 800V Architektur fehlt.