Sechs Kilo
Man muss sich immer wieder bedanken beim Taschen-Verlag, dass er Bücher wie «Ferrari» von Pino Allievi überhaupt möglich macht. Unter den klassischen Motorbuch-Verlagen hat kaum jemand mehr den Mut, ein Werk mit fast 700 Seiten in der Grösse von 28 x 37,4 Zentimeter und einem Gewicht von fast 6 Kilo noch zu publizieren. Und das dann auch noch zu einem vernünftigen Preis von 125 Franken/Euro anzubieten.

Es ist so: Wenn man in seinem Leben ein einziges Ferrari-Buch kaufen will, dann ist es genau dieses. Auch wenn man schon zwei, drei hat, dann gehört dieses Werk unbedingt noch dazu. Wer noch ein Weihnachtsgeschenk sucht: Hier ist es. Wer so ein bisschen auf dicke Hose machen will, so ein richtig fettes Teil in der guten Stube herumliegen haben will, oder schöne Bücher schätzt, der braucht auch nicht weiter zu suchen. Und ja, das Preis/Leistungsverhältnis ist wieder einmal absolut grossartig.








Der Verfasser, Pino Allievi, ist einer der bekanntesten Sport-Journalisten Italiens, anscheinend auch Schriftsteller. Er hatte einst noch mit Enzo Ferrari «Ferrari Racconta» verfasst, das letzte Werk des Commendatore. Allievi ist sehr eng mit dem Werk, er erhielt Zugang zum Archiv, er kennt viele Sammler – und man findet tatsächlich einige Bilder, die man noch nicht auf jedem Online-Portal schon gesehen hat. Auch die Auflistung aller Siege, die Ferrari je erreicht hat, ist auf jeden Fall verdienstvoll.








Aber da sind wir auch genau beim Punkt: So richtig viel Neues hat der Autor nicht zu berichten. Der Ansatz ist gut, aber dann fehlen halt: Chassis-Nummern. Und nein, auf ein Buch mit ganz vielen, komplett überbearbeiteten Bildchen aus der Ferrari-Presseabteilung habe ich persönlich nicht gewartet, das ist unnötig und schade, das wertet die Arbeit von Allievi leider ab. Aber das ist wahrscheinlich man ganz persönliches Problem, dass bei mir schon über 100 Ferrari-Bücher rumstehen, ich nicht noch eines mehr brauche. Vielleicht sollte ich es verlosen? Ich überleg mir noch was. Und empfehle es unbedingt zum Kauf, einfach, weil ein grosses, schweres, schön gemachtes Buch etwas ist, was glücklich macht.







Ganz viel Ferrari haben wir in unserem Archiv. Bestellen können Sie das Ding am einfachsten über taschen.com. Und ja, dieses Ding gab es schon mal, etwas dünner damals, dafür viel teurer, hier.


Tatsächlich, hat man diese Bilder und wahrscheinlich Kommentare irgendwo schon einmal gesehen/gelesen, entweder im eigenen Bücherregal oder dem großen Internet
. Zum Verschenken an einen Ferrari Neuling, oder wie Sie so schön bemerkt haben, zum etwas wichtig machen auf dem Kaffee table Haufen. Es ist bei Ferrari Büchern so ähnlich wie mit den regelmäßig erscheinenden, ultimativen Porsche 911 Lektüren, haste eine, kennste fast alles.
Allerdings, das Bild mit der Einfahrt zum Ferrari Arreal und der Überschrift „Liberta Willavoro“ und zwei Hammer und Sichel Emblemen ist einfach genial.
Ulrich Günther
Viva la Liberta und Viva il Lavoro, dazu die Italienischen Sterne und Hammer und Sichel. Das Auto dürfte ein 125er sein? Das Jahr vielleicht 1947?
Heute würde da nicht mehr „Hoch lebe die Freiheit“ und „Hoch lebe die Arbeit“ stehen. Aber nach dem Krieg war die Kommunistische Partei in den italienischen Industriegebieten sehr stark und siehe dazu auch Don Camillo und Pepone in Brescello, nicht so weit weg von Maranello….
Ob man das Buch unbedingt braucht? Wahrscheinlich nicht, eher so „Nice to have“.
Die Artikel von Pino Allievi in der Routeclassiche lese ich gerne. Ist neben Radicalmag seit Jahrzehnten meine liebste Autolektüre. Früher waren da auch immer hübsche Damen mit den Autos abgebildet aber seit ein paar Jahren geht das nicht mehr. Ja, die Damen waren immer angezogen, damit hier nicht falsche Vorstellungen aufkommen.
Mir geht es ähnlich wie dem Autor, Ferrari-Bücher – jedenfalls solche über die Ferraris, die mich interessieren – gibt es furchtbar viele und die Inhalte wiederholen sich ohne Ende.
Seit meinem ersten Ferrari-Buch, „Traum-Ferrari für Sport und Reise“ von Antoine Prunet von 1981, sind einige, durchaus schöne, Bücher über die Marke dazu gekommen, aber seit vielen Jahren ist die Abteilung „Ferrari“ in meinem Bücherschrank nicht gewachsen, ähnlich geht es mir mit den Porsche-Büchern.
Aber das hat mit drei Dingen zu tun:
1.
Ferrari ist nicht unbedingt „meine“ Marke und die moderneren Modelle interessieren mich gar nicht.
2.
Der Hype – nicht nur aber insbesondere in den sozialen Medien – um die Marke, die Blindheit, mit der die Ferrari-Jünger jedes noch so furchtbare, neue Modell (Purosangue, zum Beispiel…) bejubeln, die Ignoranz gegenüber den sehr zweifelhaften politischen Ansichten des Commendatore, die Menschen, die ich in Ferraris sehe, unbedingt mit Krönchen-Uhr und Trophy-Woman, all das stößt mich sehr ab.
3.
Die Tatsache, daß es kaum noch gute Technik-Buchhandlungen bzw. überhaupt Buchhandlungen mit einem vernünftigen Angebot an Autobüchern gibt – ich möchte ein Buch zunächst durchblättern und dann entscheiden, ob ich es erwerben will, das Bestellen bei dem großen, bösen A mit anschließender Rücksendung ist so gar nicht meins!
Ich kann Ihren Ausführungen voll zustimmen, Herr Servatius.
Ich habe ein paar Bücher, wo unter anderem ein paar Ferrari-Modelle beschrieben sind und nur ein Buch, in dem es direkt um den „Drake“ (von Cino Rancanti) geht und nur nebenbei um die Autos, die zu seinen Lebzeiten gebaut wurden.
Na ja, das Klientel, dass nicht nur bei Ferrari „Kunde“ ist, verbessert nicht unbedingt das Image der Marke(n) aber was soll man sagen, es füllt die Kasse!