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Wie sich Aston Martin selbst abschiesst

Geld fressen Seele auf

Es sind ja eigentlich gute Nachrichten für Aston Martin: Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz, Valhalla sei Dank, um 38 Prozent auf 628,6 Millionen Pfund. Auch der «Gewinn» legte massiv zu, er stieg um gleich 68 Prozent auf 212,5 Millionen Pfund, was eine saubere Marge von 34 Prozent ergibt. Bloss, man muss diese Zahlen etwas genauer anschauen, denn Aston Martin hat da noch ein kleines Problem: Miese. Nach Zinsen (ohne Amortisation) stieg der ausgewiesene Verlust im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr von 140,8 auf 154,2 Millionen Pfund. Der bereinigte Nettoverschuldungsgrad der Briten liegt bei 9; ein gesundes Unternehmen hat höchstens 1,5, Ferrari, zum Beispiel, kommt auf 0. Der Fluch bei so viel Schulden ist: Die Zinsen sind unverschämt hoch (bei Aston wohl deutlich über 10 Prozent) – und so hat das Unternehmen eigentlich gar keine Chance, sich je erholen zu können. Erschwerend dazu kommt, dass die Marke Aston Martin ja auch sonst nur auf «Pump» lebt: Man zehrt weiterhin vom James-Bond-Image (die Kooperation wurde aber schon 2021 beendet, es wird nicht zu einer Neuauflage kommen), die Technik leiht man sich von Mercedes-OMG, nicht einmal auf die Renngeschichte hat man noch Einfluss (die Rechte für die Formel 1 wurden 2020 für 50 Millionen Dollar an Lawrence Stroll* verschenkt).

Und jetzt haben die Jungs um den bemitleidenswerten CEO Adrian Hallmark (der bei Bentley einen guten Job gemacht hatte) wohl einen weiteren Fehler gemacht: Sie haben 50,1 Prozent «of its non-automotive intellectual property» an eine amerikanische Heuschrecke verkauft, die Authentic Brands Group, hinter der HPS Investment Partners steht, ein Töchterchen von BlackRock (das ist die Mutti von Merz). Diese Namensrechte, für die anscheinend 550 Millionen Pfund bezahlt werden sollen, wurden gleich mal in eine neue Firma auf den Cayman Islands transferiert (obwohl da noch Klagen der grössten Aston-Martin-Gläubiger** hängig sind…), Aston Martin hat dafür in einer ersten Tranche Zugriff auf 100 Millionen Pfund erhalten. Was das wert ist: siehe oben. Was das Problem ist: siehe unten.

Man könnte ja nun meinen, grossartig, 550 Millionen Pfund für alles, was «non-automotive» ist – und sich fragen, wie Authentic Brands Group das je wieder reinholen will. Nun, sie wird, sie ist spezialisiert darauf, hat ähnliche Deals schon mit Reebok und Brooks Brothers abgeschlossen. Man braucht da etwas Phantasie, was das alles umfassen kann, klar, Merchandise, T-Shirts und Hütchen und Unterhosen, aber dann auch Uhren, Yachten, Vorhänge, Wolkenkratzer, billige Lederjacken, Kondome, Protein-Shakes, Schnaps, tralala. Und das ist nun eben die Gefahr für Aston: Man verdient zwar an solchen Deals auch fast die Hälfte mit, aber die Engländer laufen in erster Linie Gefahr, dass der Brand endgültig verwässert wird. Und der (eigentlich) gute Name war das Einzige***, was der Marke in ihrer 113-jährigen Geschichte noch geblieben ist. Ausser natürlich: die Schulden.

* Lawrence Sheldon Strulovic ist nicht nur der Sugar Daddy von Formel-1-Niete Lance Stroll, sondern auch ganz eifriger Sammler von Ferrari; einen McLaren F1 besitzt er auch, und einen Ford GT40, aber wohl keinen klassischen Aston Martin. Strulovic, heute Stroll, ist nun ein ganz enger Freund von Les Wexner, einst Besitzer der Lingerie-Kette Victoria’s Secret; die beiden Herren teilten viel, Ferrari, Häuser, Yachten, zum Beispiel. Wexner wiederum war sehr, aber sehr eng mit Jeffrey Epstein verbandelt. Es gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

** 2020 kaufte Lawrence Stroll für 182 Millionen Pfund einen Anteil von 16,7 Prozent an Aston Martin (darin inbegriffen: 50 Millionen für die Rechte am F1-Team). Seine Yew Tree Investments besitzt heute rund 20 Prozent der Aktien, der Staatsfonds von Saudi-Arabien (PIF) kommt auf etwa 14 Prozent, Geely und sein Gründer Shu Fu Li liegen wohl bei 17 Prozent, Mercedes-Benz schafft es – je nach Verbindlichkeiten aus den Technik-Lieferung – auf bis zu 20 Prozent (wer genau ist der Motorenlieferant in der F1?). Es gibt weitere prominente Investoren wie den Schweizer Ernesto Bertarelli, von Beruf eidg. dipl. Erbe, etwas über 3 Prozent.

*** Die Walküre, besser bekannt als Valkyrie, macht noch immer Ärger. Die Klagen und Gegenklagen bestehen weiterhin, unterdessen gibt es auch ein paar Besitzer, die würden ihr Auto gern auf den Mond schiessen. Simples Tanken ist eher so ein Abenteuer, für das es eine Ingenieursausbildung braucht – und für den Service nach jeweils 1000 Kilometern muss man das Fahrzeug an die einzige Service-Stelle am Nürburgring bringen. Jedes Mal…

Da sind schon ein paar schöne Aston-Martin-Stories in unserem Archiv.

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