Zum Inhalt springen

Ruf Ehra

Am guten Ruf arbeiten

Die Übersicht über all die neuen alten Porsche 911 fällt mittlerweile schwer. Klar, da ist Singer, aber auch Gunther Werks, Kaege Retro, Mletzko, Sportec, Erbacher, Rauhwelt, Kalmar, Tuthill, etc.. Nein, Ruf Automobile aus dem allgäuischen Pfaffenhausen gehört nicht dazu, das sind keine Restomod, sondern Eigenkonstruktionen, da werden nicht alte 911er unter Verwendung einer bestehenden Chassisnummmer umgebaut, sondern neue Automobile hergestellt, die dann auch eine eigene Chassisnummer tragen dürfen, beginnend mit W09 als absolutes Qualitätsmerkmal. Ruf Automobile ist seit 1981 als Automobilhersteller anerkannt, geleitet wird das Unternehmen vom unterdessen, aber täglich jünger wirkenden 76-jährigen Alois Ruf jun..

Und der machte in den vergangenen Tagen doch reichlich Schlagzeilen. Zuerst präsentierte er auf der Monterey Car Week schon wieder ein ganz neues Modell, den Ehra (dazu kommen wir noch), dann gab er auch noch Porsche einen Korb. Was nun etwas peinlich ist für die Stuttgarter: Zuerst war durchgesickert, dass der neue Porsche-Chef Michael Leiters seine Fühler nach Singer Vehicles ausgestreckt habe, den erfolgreichsten Restomod-Bastler quasi als Highend-Boutique für seine «Sportwagenschmiede» übernehmen wollte. Doch die Amerikaner um den britischen Gründer Rob Dickinson, denen eh ein etwas problematisches Verhältnis zu Stuttgart nachgesagt wird, zeigten so gar kein Interesse. Also soll sich Leiters in der Folge um Ruf bemüht haben – was Alois Ruf dann zwar nicht bestätigte, aber in einem offiziellen Statement doch sehr klar ausdrückte, dass Ruf nicht zum Verkauf stehe. «RUF is not for sale, and reports suggesting otherwise are false. RUF Automobile remains proudly family-owned and operated, as it has throughout its history. Our independence is fundamental to who we are as a company and has allowed us to pursue our own vision of engineering, performance and craftsmanship for generations.»

Das ist dann schon ziemlich deutlich. Und das, obwohl Alois Ruf und Wolfgang Porsche anscheinend seit Jahrzehnten sehr eng sind. Und man muss ja schon auch sehen, von wo Ruf kommt, in den ersten Jahrzehnten waren die Allgäuer sehr stark abhängig von der Gunst des Werks. Es hält sich hartnäckig die Geschichte, dass manchmal im Morgengrauen direkt ausserhalb der Zäune der Entwicklungsabteilung in Weissach ein paar «weisse», also unnummerierte 911er-Chassis gestapelt wurden, die dann von einem Lastwagen mit Kran abgeholt wurden. Ab 2007 begann dann die Emanzipation, der CTR3 war vorne zwar noch 911, hinten aber eine komplette Neukonstruktion; 2017 wurden die Pfaffenhausener mit dem CTR Anniversary dann komplett selbständig, brauchte keine Porsche-Teile mehr, da ist nichts Porsche, da ist nur Ruf.

Auch der neue Ehra basiert auf dieser Eigenkonstruktion, er will ein Tribut sein an den legendären Yellowbird (eigentlich: CTR), mit dem der ehemalige Formel-1-Weltmeister Phil Hill 1987 auf der VW-Teststrecke Ehra-Lessien auf sagenhafte 339,8 km/h kam. Das war damals eine Sensation, das kleine Unternehmen aus dem Allgäu zeigte Ferrari, Lamborghini, aber auch Porsche, wo der Hammer hängt. Der neue Ehra nun will (und kann) keine Rekorde mehr brechen, doch er wird gemäss Angaben des Herstellers wieder 340 km/h schnell sein. Und in 3,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Dank dem leichten Monocoque und dem Kleid, das ebenfalls aus Carbon besteht, kommt der Ehra auf nur 1325 Kilo. Dies, obwohl er im Vergleich zum bekannten CTR Anniversary doch ziemlich in die Breite gegangen ist, vorne um 58, hinten um 54 Millimeter. Eine Frittentheke braucht er nicht, neu gestaltete Elemente an der Front und am Heck sowie grosse seitliche Belüftungskanäle verbessern sowohl Aerodynamik, Kühlung wie auch die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten; ein ausfahrbarer Carbon-Spoilerchen hinten muss dann aber schon sein. Sehr cool sind die neuen 5-Speichen-Felgen mit Zentralsverschluss. Das adaptive Fahrwerk besteht rundum aus Doppelquerlenkern mit je einer Pushrod-Feder-Dämpfer-Einheit, die horizontal angeordnet ist.

Für Vortrieb sorgt der 3,6-Liter-Biturbo-Boxer, der im Ehra auf 650 PS und 900 Nm maximales Drehmoment kommt. Auf die Strasse umgesetzt wird das mit einem von Ruf entwickelten variablen, zudem auch ganz ausschaltbaren Allradantrieb, der mit einem manuellen 7-Gang-Getriebe kombiniert ist. Dies ist dann auch der entscheidende Unterschied zum «offiziellen» 911 Turbo – den man sich aber wie bei Ruf üblich wohl mit einem happigen «Boutique»-Aufpreis erkauft. Einen Preis gibt es aber noch nicht, auch ist nicht klar, ob der Ehra nur limitiert kommen wird. Sicher ist nun aber, dass er nicht auch beim Porsche-Händler stehen wird.

Eine Übersicht über die Ruf-Automobile haben wir: hier. Und dann gibt es noch das Archiv.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert