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Maserati A6G/54 – #2140

Patina

Mit vollem Namen heisst er wahrscheinlich Maserati A6G 2000/54 Gran Sport Coupé – und dürfte eines der berühmtesten Autos überhaupt sein. Was vor allem daran liegt, dass das Fahrzeug mit der der Karosserie von Frua und Chassisnummer #2140 ab 1959 als verschollen galt – und erst 2014 wieder auftauchte, als das Auktionshaus Artcurial den verbleibenden Teil der Baillon-Sammlung «entdeckte», den «Scheunenfund des Jahrhunderts». Aber gehen wir doch der Reihe nach (zur Einstimmung empfehlen wir unsere Geschichten zu den Maserati A6 in mehreren Folgen, es beginnt: hier).

Der Maserati mit der Chassisnummer #2140 war das vierte und letzte Coupé auf Basis des A6G, das von Frua ausgeliefert wurde. Der Wagen kam am 6. Juli 1956 von Frua zu Maserati und wurde am 2. August über den französischen Maserati-Importeur Ets. Thépenier an den ersten Besitzer, den Architekten und Bauingenieur Jacques Fildier ausgeliefert (Kennzeichen 1007FH75), der satte 4,2 Millionen Lire bezahlt haben dürfte (2,5 Millionen für den A6G, 1,7 Millionen für den Aufbau von Frua). Das Fahrzeug war damals schwarz lackiert und verfügte über ein beiges Lederinterieur – und einen eigenartigen, konkaven Grill. Der wohl nach einem Unfall 1957 vom neuen Besitzer Marcel Chalas durch eine weniger auffällige Variante ersetzt wurde. Am 17. Dezember schliesslich kaufte der Pariser Transportunternehmer Roger Baillon den Frua-Maserati.

Baillon hatte über die Jahre still und heimlich eine Sammlung von mehr als 200 Autos aufgebaut, die er auf seinem Schlösschen Château Gaillard in Echiré im Departement Haute-Seine versteckte. Im Gegensatz zu den meisten anderen seiner Fahrzeuge führte #2140 aber ein gutes Leben, er durfte neben einem Ferrari 250 California Spider SWB (#2935GT, gehörte einst Alain Delon) in seiner eigenen Garage parken – und wurde wohl auch bewegt. Das Transportunternehmen Baillon machte Ende der 70er Jahre Konkurs, ein erster Teil der Sammlung wurde 1979 zwangsversteigert, ein zweiter Teil dann 1985. Als Roger Baillon 1996 verstarb, konnte sein Sohn Jacques aber immer noch 114 Automobile erben, darunter den erwähnten Ferrari – und den Maserati. Und anscheinen versuchte er ihn auch wieder zum Laufen zu bringen – aus Einweg-Spritzen bastelte er einen provisorischen Vergaser. Jacques Baillon verstarb dann 2013, seine Erben beauftragten Artcurial mit der Versteigerung von weiteren 59 Fahrzeugen; der Delon-Ferrari kostete den Käufer unfassbare 16,3 Millionen Euro, der Maserati kam auf ebenfalls stolze 1,72 Millionen Euro.

Doch damit ist die Geschichte von #2140 noch nicht fertig. Der amerikanische Käufer liess den Maserati technisch überholen, achtete aber akribisch darauf, dass die Patina des Scheunenfundes komplett erhalten werden konnte. Er fuhr das Fahrzeug, dem die Schweizer Strassenverkehrsämter niemals eine Zulassung ermöglicht hätten, auch bei diversen Veranstaltungen. Doch jetzt scheint ihn der so wunderbare Frua-Maserati zu langweilen, #2140 kommt bei den Gooding&Co.-Auktion in Pebble Beach Mitte August unter den Hammer; Schätzpreis gibt es noch keinen.

Dieses Fahrzeug ist selbstverständlich auch Teil unserer Sammlung aller Maserati A6G/54, hier.

1 kommentar

  1. Marco Marco

    Gelangweilt ??? Wie gesnobt muss man sein, um von diesem unglaublich schönen Mäse, mit dieser wahnsinns Patina gelangweilt zu werden ? Ich würde mein Haus verkaufen und mit der Fettpresse in Embriostellung im Motorraum schlafen !!

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