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Cisitalia 505 DF

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Als ich den Cisitalia 505 DF zum ersten Mal sah, 2015, als er aus der Fendt Collection versteigert wurde, da traute ich meinen Augen nicht. Er wurde damals Ghia und dort Giovanni Savonuzzi zugeschrieben: Ghia stimmt sicher, Savonuzzi sicher nicht. Wenn man schaut, was der Italiener, geboren am 28. Januar 1911, verstorben am 18. Februar 1988, so alles entworfen hat, denn ist ganz klar: den Cisitalia 505 DF nicht. Um es abzukürzen: Das war kein Meisterwerk von Aldo Brovarone (der später für Pininfarina einige davon schuf).

Blicken wir kurz zurück: Alfa Romeo hatte mit dem 1900, Millenove, ein Fahrzeug geschaffen, das für die etablierten Designer eine hervorragende Ausgangsbasis bot, ihr Können zu bewiesen – leider zum letzten Mal überhaupt. Fiat dachte, da mithalten zu können, bot mit dem 1900 auch eine Basis an, welche die bekannten Meisterschneidereien verwenden sollten – bloss war das Interesse einigermassen gering. Piero Dusio, Chef von Cisitalia, ein ewiges Fähnchen im Wind, einer der wahren Opportunisten nicht bloss in der Auto-Industrie, sah aber eine Möglichkeit, wie er sich dem kommenden grossen Zampano der italienischen Auto-Branche, Gianni Agnelli, andienen konnte: Er bestellte 10 dieser 1900er – und liess sie von Ghia einkleiden. Das Resultat war halt eher so mässig. Denn der Fiat 1900 war mit mit seinem etwa 60 PS halt definitiv kein Alfa Romeo 1900. Cisitalia besserte da noch etwas nach, kam mit einem modifizierte Zylinderkopf und Weber-34DR6-Vergasern auf etwa 80 PS, doch das konnten Abarth und vor allem Alfa Romeo definitiv besser.

Und dann war da halt noch das eher unglückliche Brovarone-Design – wahrscheinlich existieren nur noch zwei Stück davon. Das Exemplar, das wir hier zeigen, trägt die Chassis-Nummer #00209, wurde an Franz Stolz, einen Schweizer Rennfahrer von mässiger Berühmtheit, ausgeliefert, ging dann durch mehrere Schweizer Hände, um 2005 in die Fendt Collection zu gelangen. Dort wurde richtig Geld in die Restauration investiert – es heisst: 230’000 Dollar -, doch attraktiver machte all dieser Aufwand das Fahrzeug nicht. RM Sotheby’s versuchte nun, diesen Cisitalia 505 DF (für «derivata Fiat») in Mailand 2025 für einen Schätzpreis von 200’000 bis 240’000 Euro loszuschlagen; er fand keinen neuen Besitzer.

Mehr zu Piero Dusio und seinem wichtigsten Modell, dem Cisitalia 202, haben wir: hier. Hübschere Savonuzzi-Vorschläge gibt es auch hier, das Archiv: hier.

2 Kommentare

  1. Irgendwie spannendes Design, fast ein bisschen Muscle Car. Aber ja, mit dem Motörchen dann nicht stimmig.

  2. Mit ein paar wenigen Veränderungen könnte der Wagen ganz gut aussehen, runde Radausschnitte vorne, ein Heruntersetzen der vorderen Stoßstange auf die Höhe der hinteren Stoßstange und ein weniger aufgespritzter Kühlermund – schön wäre das Äußere ähnlich schön wie das Interieur.
    Vor allem das Heck ist nicht unelegant, fast ein wenig „jaguarhaft“.

    Irgendwie sind diese kleinen, zierlichen Coupés der fünfziger und sechziger Jahre so wunderbar feine, unprotzige und dennoch besondere Autos.
    Diese Gattung scheint leider verschwunden, die letzten Vertreter waren für mich die eleganten Peugeot Coupés bis hin zum 406 Coupé und die frühen, ganz schlichten Maserati Biturbos.

    Aber wahrscheinlich ist diese Autogattung ausgestorben, weil es die dazugehörige Klientel nicht mehr gibt.

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