Fast, also beinahe
Es gibt halt da wieder einmal verschiedene Sichtweisen. Aus England hört man, dass Colin Chapman seinem Chefingenieur Tony Rudd den Auftrag gegeben habe, einen feinen Achtzylinder zu konstruieren. Was dieser selbstverständlich gerne machte, 4 Liter Hubraum wurden es, V8 in einem schrägen 45-Grad-Winkel. Aus italienischen Kreisen heisst es aber, Giorgetto Giugiaro habe nach 12 Jahren Bauzeit genug gesehen von seinem genialen Esprit, er wollte etwas Neues, deshalb habe er – ohne Auftrag aus England – bei einem Esprit-Chassis den Radstand um 12 Zentimeter verlängert – und dem Design noch einmal die volle Kante gegeben. Auch innen.



Wie auch immer, 1984 fanden die beiden Geschichten auf der Motor Show in Birmingham zusammen, dem staunenden Publikum wurde der Etna vorgestellt; Chapman erlebte das leider nicht. Es muss aber das übliche Gebastel gewesen sein, es ist auch nicht wirklich sicher, ob damals wirklich dieser Rudd-Motor, Typ 909, drin war. Lotus nannte aber trotzdem Zahlen, 335 PS, 0 auf 100 in 4,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 290 km/h. Dazu eine aktive Aufhängung aus der Formel 1, Traktionskontrolle, ABS, aktive Geräuschunterdrückung. Damit hätte Lotus dann wieder in der höchsten Liga mitgespielt, die britische Auto-Industrie in einem glänzenden Licht dastehen lassen – was ja dann erst in den 90er Jahren wieder geschah, mit dem McLaren F1. Doch da ist der Konjunktiv: Nach der Messe verschwand der Etna still und leise in irgendeiner Halle in Hethel, dann und wann wurde er Insidern gezeigt Doch da da fuhr gar nichts, auch die vielen Knöpfe, die Giugiaro vorgesehen hatte, hatten zumeist keine Funktion.











2004 konnte ein Lotus-Freak den Etna kaufen – und liess ihn bei Ken Myers fahrtüchtig machen (obwohl das Gerät hauptsächlich aus Holz und Plastik besteht, gar kein, geschweige denn ein aktives Fahrwerk hatte). Einer von nur zwei gebauten Type-909-Motoren kam endlich zu seinem Einsatz, auf die Strasse durfte er zwar nicht, aber auf abgesperrter Strecke kann er bewegt werden. Kürzlich wurde der Etna für 224’000 Dollar von Broad Arrow versteigert – und der neue Besitzer träumt jetzt wohl auch davon, was aus Lotus noch alles hätte werden können. (Was aus Lotus geworden ist, das gibt es dann ab nächster Woche auf diesem Kanal – und in unserer nächsten Print-Ausgabe, radical#5.)










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Ich habe das Auto damals geliebt. Endlich ein Lotus V8. Ich war 15 und der grosse Lotus Fan. Es sollte aber noch 18 Jahre dauern bis endlich ein Esprit V8 zu mir kam. Nun ist er schon 23 Jahre bei mir und die Liebe ist noch nicht erloschen.
Erinnert mich an diesen Subaru – Keil. XT hieß der glaube ich.