Selbstmord
Nach 14 Exemplaren war dann schon wieder Schluss. Porsche hatte sich da selbst ein Ei gelegt mit dem 968 Turbo S, der mit seinem 305 PS, 500 Nm maximalem Drehmoment und einem Gewicht von 1300 Kilo praktisch allen 911ern überlegen war. In 5 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigte und mit 280 km/h Höchstgeschwindigkeit oben raus gleich schnell war wie das Top-Modell, der 911 Turbo. Das durfte nicht sein, der «Hausfrauen-Porsche» wilderte zu sehr im eigenen Gärtchen, also wurde er wieder abgesägt. Wobei: Sein Preis von satten 175’000 D-Mark sorgte wohl auch dafür, dass die Nachfrage eher gering war.



Und doch, es war ein erstaunliches Fahrzeug mit einer erstaunlichen Karriere. Alles hatte mit dem 924 begonnen, ein Modell, das den gusseisernen Porsche-Freunden heute noch kalte Schauer über den Rücken jagt, nicht nur, weil sein Vierzylinder aus dem VW LT stammte. Trotzdem wurden über 150’000 Exemplare verkauft (was den Stuttgartern das Überleben sicherte); noch besser lief es dann ab 1982 mit dem 944, unter dessen Front-Haube endlich ein echter Porsche-Motor für Vortrieb sorgte, bis 1991 konnten 163’000 Stück abgesetzt werden (was den Stuttgartern das Überleben erleichterte). Es kam dann noch der 968, 1991, der durfte aber nicht lang, nur bis 1995, und er war mit noch 11’000 Exemplaren auch nicht mehr wirklich ein Renner. Obwohl: Gebaut in Zuffenhausen und ausgerüstet mit dem 240 PS starken 3-Liter-Vierzylinder kam er dem 911 schon sehr nahe, auf der Rennstrecke schenkte der Transaxle der Heckschleuder gar nichts – ganz einfach, weil er viel einfacher zu fahren war.



Das wussten auch einige gute Rennsport-Kunden – und deshalb legte die Kundensport-Abteilung mit dem 968 Turbo RS auch ein ziemlich grobes Modell auf, 350 PS, 1200 Kilo. Blöd war, dass es gleichzeitig auch noch den 911 Carrera RS/RSR 3.8 gab, der deutlich beliebter war, vom 968 Turbo RS entstanden deshalb nur drei Stück. Doch weil es in Stuttgart halt Tradition war, dass es von Rennfahrzeugen oft auch eine Strassen-Variante gab, wurde so nebenbei auch noch der 968 Turbo S entwickelt, mit gewaltigem KKK-Turbo (1,0 bar), Sperrdifferential, besseren Bremsen, ohne Komfortausstattung. Geplant war eine Kleinserie von 50 bis 100 Stück, doch, eben: siehe oben.



Dieses Exemplar, Chassisnummer WP0ZZZ96ZPS890064, ist eines von zwei Fahrzeugen mit blutoranger Lackierung (das andere trägt die Chassisnummer 0061). Es wurde an Hans Dieter Wieczorek ausgeliefert, der Wagen blieb wohl bis 2009 im Besitz seiner Familie. 2016 ging der Turbo S nach Amerika, wurde dort für 40’000 Dollar auf Vordermann gebracht – und wurde von Gooding & Co. in einer Online-Auktion 2021 für 792’000 Dollar verkauft.

Mehr noch? Gern.
Chassis-Nummer: WP0ZZZ96ZPS800412
























Auktion: RM Sotheby’s, Monterey 2023, Schätzpreis 600’000 bis 800’000 Dollar. Soll der Prototyp sein, wurde als Homologations- und Presse-Fahrzeug verwendet (Kennzeichen BB-PW 221). Später wurde das Fahrzeug an Sven Quandt (ja, den BMW-Erben) verkauft, der den Porsche rund 30 Jahre in seinem Besitz hatte und anscheinend auch gut bewegte.
–
Chassis-Nummer: WP0ZZZ96ZRS890061

Dazu haben wir eine Story, hier.
–
Chassis-Nummer: WP0ZZZ96ZPS890068




































Auktion: Gooding Christie’s, Amelia Island 2026, Schätzpreis 900’000 bis 1’200’000 Dollar, mit diesen Angaben: «This 1993 Porsche 968 Turbo S was ordered directly from the Porsche Racing Department by Helena Suková, the celebrated Czech tennis star. Among the most accomplished players of her generation, Suková captured multiple Grand Slam titles and a silver medal at the 1988 Seoul Olympics – and was also a noted Porsche enthusiast. Completed on July 19, 1993, this 968 Turbo S was specified in paint-to-sample Zermatt Silver Metallic over a black leatherette interior with corduroy inserts. Factory equipment included German-market specification, a higher-capacity battery, protective side moldings, central locking, rear fog lamp, green graduated tinted windshield, alarm system, and air-conditioning. Suková is believed to have retained ownership until circa 2014, supported by Monaco-based inspection and insurance records. In December 2014, the car was purchased with 29,600 km via Porsche Dresden by Andreas Knapp-Voith of Düsseldorf, Germany, a German racing driver and Porsche enthusiast from a long-established industrial family. Subsequent German records include a 2017 HU/AU inspection and a Porsche Center service in 2018 at approximately 29,690 km, supporting very low accumulated use. Circa 2021, the 968 Turbo S was purchased by noted Porsche collector Michael Kelter of Birmingham, Michigan, following his developing interest in the model and a subsequent search for multiple examples. The cars were reported to be addressed sequentially by Kelter and his team, allowing insights gained from each project to inform the next. This car was prepared last and retained the longest in Kelter’s personal collection, benefiting from the cumulative experience developed throughout the process. Sold into current ownership in early 2024, this Turbo S showed just 30,367 km (18,872 miles) at the time of cataloguing. Presenting extremely well throughout, it is accompanied by books, tools, spare tire, factory spare drive axles, first aid kit, and documentation dating to its original factory order. Additionally, Motive Archive in Chicago has managed any minor services needed.»
–
Wir haben das auch etwas zum Porsche 968 Turbo RS. Noch mehr Porsche haben wir in unserem Archiv.


Wenn der 924 Porsche das Leben rettete, wäre es vielleicht mal Zeit für eine Neuauflage.
Wendelin schaffte diese mit dem Cayenne. Da brauchen wir keine Neuauflage.
Max, so ein richtiger kleiner, feiner und nicht absurd teurer Porsche ist schon lange überfällig!
Der originale Boxster war so ein Auto, bevor er immer fetter, größer, schwerer und teurer wurde.
Aber ich denke, daß die Zeit vorbei ist, die aktuellen Porsches, also die richtigen, die keine SUV’s sind, haben sich komplett vom ursprünglichen Spirit der Marke wegbewegt und ich kann mir auch nicht vorstellen, daß es nochmal eine Hinwendung zum perfekten, puristischen, kleinen und immer noch sozialverträglichen Porsche geben wird.
Gibt`s doch schon lange – Mazda MX5 oder Miata. Wurde hier auch schon vorgestellt und sehr gelobt.
Oder die neue Alpine, Lotus Elise, usw.
Es wird auch solche kleine, wendige und puristische Flitzer geben, aber nicht mehr von einem deutschen Hersteller oder gar Porsche. Die sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr bzw. sind komplett abgehoben.
Bevor die ihr Hirn anstrengen, bauen die einen noch dickeren 911er und lassen den im Kreis (Nürburgring) mit „Sonderausstattung“ irgendweche Hundertstelsekunden schneller fahren als das vorherige dicke Monster.
Christian, MX5 ist für mich eine andere Spielklasse, ein tolles Auto, aber eher ein MGB der Jetztzeit.
Die Elise ist wunderbar, wird nicht mehr gebaut, ist ein Traum zu fahren und ein Albtraum im Alltag, ein sehr guter Freund von mir hat solch ein Auto, allerdings als Fünftwagen und zum Service muß er von Berlin nach Leipzig fahren, das ist die nächste Vertragswerkstatt!
Und: Irgendwas ist immer mit dem Wagen.
Ein Porsche kann eben auch ein Alltagsauto sein, ist wintertauglich, perfekt verarbeitet und man kann mit ihm durch die Waschstraße fahren.
Einzig die Alpine kommt einem Porsche nahe, zwar nicht verarbeitungstechnisch, einen Kofferraum hat er auch nicht, aber er ist schon ansatzweise ein richtiges Auto, auch wenn er sich – wie gestern erlebt – im Schnee entgegengesetzt der Fahrtrichtung auf dem Standstreifen der Autobahn stehend nicht sehr gut macht…
Nein, ein Porsche mit seiner Verarbeitungsqualität, seiner Alltagstauglichkeit, seiner Perfektion und auch seinem immer noch klangvollen Namen, das ist schon etwas Besonderes, selbst die von mir nicht sonderlich geliebten 944 hatten schon einen eigenen Anspruch.
„Back to ze roots“ wäre die Devise.
Auch ein Retro-Modell wäre vorstellbar, bei Renault klappt das ja auch gut.
Bei Jaguars „copy nothing“ wäre ich mir da nicht so sicher