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Test Alpine A110 GTS

Letzte Runde

Zehn Tage lang war ich mit der Alpine A110 GTS wirklich quer und rauf und runter durch Korsika unterwegs. Davon hätte ich auch gern berichtet, mit schönen Photos. Aber der Schweizer Importeur von Alpine meint, das passe nicht ins Marketing-Konzept. Also lasse ich es doch bleiben, schreibe hier einen ganz profanen Testbericht zur A110 GTS, der jüngsten und gleichzeitig letzten Variation eines grossartigen Automobils, deren Produktion Ende Juni auslaufen wird. Auf der Alpine-Website steht einerseits: «Gestalten Sie Ihr Wunschmodell weiterhin mit dem Konfigurator». Und zwei Zentimeter weiter oben: «Die A110 kann nicht mehr individuell konfiguriert werden». Dies noch zum Marketing-Konzept.

GTS nun also, im vergangenen Frühling eingeführt. Die Mischung zwischen S und GT, irgendwie klar, also die 300 PS aus dem S gepaart mit dem Komfort des GT. Das passt eigentlich ganz gut, macht die Französin aber doch relativ teuer, 85’400 Franken werden mindestens erwartet (und dazu gibt es noch eine ganz lange Liste mit Individualisierungsmöglichkeiten), während es das (mehr als nur ausreichende) Basismodell anscheinend noch für 70’900 Franken gibt (das war auch schon günstiger, der «Pure» kostete einst 61’000 Franken). Damit gibt die Alpine so ein bisschen einen ihrer grössten Pluspunkte aus der Hand, das so grossartige Verhältnis von Preis zu Leistung. Andererseits: Viel Konkurrenz ist da ja eh nicht (mehr), seit Porsche nicht mehr mittun will, nur noch Marge bolzen will (mit wenig Erfolg, bislang), vielleicht noch der Lotus Emira, aber der kostet dann noch einmal 20k mehr. Und wenn dann die Alpine auch nicht mehr ist, dann wird das Leben schon so ein bisschen trostlos (siehe auch: Neuheiten).

Zum Beispiel: Spurhalte-Assi. Oder: Tempolimitwarngepiepse. Hat die Alpine nicht, muss sie gemäss EU-Regularien auch nicht haben, weil sie seit 2017 quasi unverändert gebaut wird. Das ESP kommt so wunderbar spät, als ob es gar nicht vorhanden wäre, das Infotainment sieht aus, als ob es noch aus dem letzten Jahrtausend stammt (und funktioniert in etwa auch so, abgesehen vom wirklich feinen Focale-HiFi-System). Mit anderen Worten: Einen viel mehr analogen Neuwagen gibt es eigentlich nicht, die Französin mit ihrer Konzentration auf die reine Fahrfreude wirkt wie ein Relikt aus vergangenen, noch guten Zeiten. Gut ist: Fast 30’000 Exemplare wurden in den vergangenen neun Jahren gebaut, zum sündhaft teuren «future classic» wird die A110 wahrscheinlich nicht (mit Ausnahme von ein paar Sonderserien, da ziehen die Preise jetzt schon wieder an). Und was ich da auch unbedingt noch schreiben muss: Die Verarbeitungsqualität ist vom Feinsten, nichts scheppert, die verwendeten Materialien sind nicht nur optisch ein Genuss, sondern auch haptisch.

Es wurde hier auf radical nun schon wahrlich viel über die verschiedenen A110 geschrieben, Basis, Cup, Pure, S, GT, R. Aber noch einmal zur Erinnerung: Mittig arbeitet ein Vierzylinderchen mit 1,8 Liter Hubraum, der es im GTS auf 300 PS bei 6300/min und ein maximales Drehmoment von 340 Nm zwischen 2400 und 6000/min bringt; geschaltet wird über ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe von Getrag (das nur gerade 63 Kilo wiegt). Damit soll die unter 1100 Kilo leichte Alpine in 4,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h kommen, gegen oben ist bei 260 km/h Schluss (mit dem optionalen Aero-Paket erst bei 275 km/h). Gemäss WLTP will der GTS mit 7 Litern auf 100 Kilometern auskommen, das schafften wir nie, 7,7 Liter waren das Minimum – was immer noch ein sehr guter Wert ist. Bei dann sehr offensiver Fahrweise (Siewissenschonwo) wurden es dann auch mal 13 Liter, was aber immer noch ein Drittel weniger ist als bei den Porsche 911, die auf den gleichen Wegen unterwegs waren.

Das ist nun halt schon auch ein guter Referenzpunkt, der 911er. Selbstverständlich wurde bei diesem Ausflug nicht auf der letzten Rille gefahren, aber als so halbwegs anständiger Sportwagentourist bremst man die Alpine später (Gewicht), bringt sie feiner um die Biegung (Präzision), kann folglich auch früher beschleunigen; die fehlenden PS sind wahrlich kein Problem. Der Vierzylinder-Turbo hat extrem Biss in fast allen Lebenslagen, er tönt auch noch gut (insbesondere in der Sport-Stellung), es ist wahrlich eine Freude. Und mehr Power braucht nun wirklich niemand, zumindest nicht auf öffentlichen Strassen. Die Lenkung ist ein Traum, wunderbar direkt, hervorragende Rückmeldung von der Gasse; die Abstimmung des DSG ist für Bergstrassen absolut grossartig, das Spiel zwischen 2. und 3. Gang ist wie ein Tanz. Am besten funktioniert es übrigens in der Normal-Stellung auf manuell, da bleibt der Gang auch wirklich immer da, wo ihn der Pilot haben will; im Sport-Modus schaltet die Alpine leider selbständig hoch, wenn ihr langweilig wird. Und halt perfekt für die flotte Hatz über den Berg: Die grossen, feststehenden Paddels, die sich auch mit dem kleinen Finger bedienen lassen.

Es war dies wohl nun die letzte Runde mit einer (neuen, nicht elektrischen) Alpine. Ohja, ich werde sie vermissen, sie war mir in den letzten Jahren ein Fixstern, so müssen Sportwagen sein, kompakt, agil, fröhlich, hübsch, auf das Fahrerlebnis konzentriert. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Franzosen gar nicht so recht begriffen haben, welch grossartiges Automobil sie mit der A110 geschaffen haben (siehe auch oben, Marketing-Konzept), vielleicht ist das auch der Grund, weshalb sich die Verkaufszahlen so einigermassen in Grenzen hielten. Klar, nachher weiss man immer alles besser – und deshalb: Wer noch kann, der sollte. Es wird in Zukunft keine solchen Automobile mehr geben.

Die Ausfahrt nach und auf Korsika war ausgezeichnet organisiert von sportwagentouren.com. Ich kann das nur und von Herzen empfehlen, grossartige Gassen, wunderschöne Hotels, hervorragendes Essen. Ein Schnäppchen sind die Reisen mit Reinhard Loeven nicht, aber jeden Cent wert, wunderschöne Touren durch die schönsten Landschaften in Europa. Es kommt das alles dann auch noch sehr ausführlich in pure, dem Magazin für zeitgemässe Esskultur. Mein Lieblingssong dieser Reise, übrigens: hier (ganz laut!). Mehr schöne Stories gibt es im Archiv.

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