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Aston Martin Jet 2+2

Unendliche Geschichte

Anfang der 60er Jahre hatte Bertone einmal einen Aston Martin DB4 GT frisch eingekleidet (ja, diese Geschichte sollten wir auch einmal erzählen). Noch früher gab es wohl vier Spider auf Basis des DB2/4, mit Touring und Zagato waren ja aber auch schon zwei andere namhafte italienische Design-Studios um das gute Aussehen der Engländer bemüht. Weshalb Barry Weir, nach eigener Beschreibung «a titled gentleman» und «self-made millionaire by the age of 21», auf die Idee kam, ausgerechnet bei Bertone einen Aston Martin ganz nach seinen eigenen Vorstellungen aufbauen zu lassen, weiss der «selfless rescuer (who can’t swin)» nur selber: Bertone pfiff im Sommer 2012, als das Projekt angeschoben wurde, bereits aus dem letzten Loch. Und dem Aston Martin Jet 2+2 sollte die unschöne Rolle des letzten je von Bertone gebauten Automobils zukommen, 2014 machten die Italiener nach langer Leidenszeit den Laden dicht.

Barry hatte einen ganz besonderen Wunsch: Er wollte einen Shooting Brake. Den er auf Basis eines Aston Martin Rapide auch gleich selber entwarf. Es war ihm nach mehr Kofferraum (und einem Edelholz-Ladeboden, der auf Knopfdruck ausgefahren werden kann), er wollte mehr Kopffreiheit und er wollte ein riesiges, abdunkelbares Glasdach. Er zeichnete – und Bertone setzte um. Und das innert weniger Monate, denn schon im März 2013 erlebte das Einzelstück seine von Aston Martin autorisierte Weltpremiere auf dem Genfer Salon. Es wird allerorten geschrieben, dass riesiges Interesse an dem Fahrzeug bestand, Weir wollte unbedingt eine Kleinserie auf die Räder stellen, doch dann ging Bertone Konkurs. Oder das Interesse war doch nicht so gross. Oder die Preisvorstellungen waren absurd; es geisterten Zahlen von über einer Million Pfund durch die Presse. Und das für einen abgesehen vom Aufbau serienmässigen Rapide, 6-Liter-V12, 476 PS, in etwas über 5 Sekunden auf 100 und zwei Tonnen schwer.

Ganz so begeistert ist Barry Weir, der sich selber als «World Rallye Champion Driver» bezeichnet (weil er einst mit einem Aston Martin DB2/4 in 80 Tagen um die Welt fuhr…), anscheinend unterdessen auch nicht mehr von seinem Entwurf. Obwohl er im vergangenen Jahr bei der endgültigen Liquidation noch die von Bertone genutzten Formen und das Tonmodell kaufen konnte, was den Bau von weiteren Fahrzeugen problemlos gemacht hätte, will er nun alles, aber auch wirklich alles (inkl. dem Nummernschild »JET 2») loswerden. Naja, das will er schon länger, aber anscheinend ist das Interesse nur mässig; es riecht ein bisschen «verbrannt».

Ja, wir sammeln jetzt hier alle Shooting Brake von Aston Martin – Sie werden überrascht sein, wie viele es sind. Eine Übersicht über unsere Aston Martin/Lagonda-Geschichten gibt es: hier. Und andere Old- und Youngtimer gibt es immer in unserem Archiv.

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