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Peugeot 203

Handzahm

Den 201 hatten wir schon, den 202 können wir auslassen – und uns direkt dem Peugeot 203 zuwenden, der zwischen 1948 und 1960 gebaut wurde (und zwischen 1949 und 1954 das einzige Modell war, das Peugeot im Angebot hatte). Der Löwe, der nie mehr als handzahm sein wollte (und konnte), gehört zu den wenigen Automobilen, die tatsächlich auf einem weissen Blatt Papier konstruiert werden durften – er hatte mit seiner selbsttragenden Karosserie und dem komplett neuen 1,3-Liter-Motor so rein gar nichts mit den Vorkriegs-Fahrzeugen von Peugeot gemein.

Es war ein modernes Fahrzeug, das Peugeot da auf den Markt brachte. Vorne gab es eine Einzelradaufhängung, die Starrachse hinten wurde über eine Deichsel und einen Panhardstab geführt; die Bremsen wurde schon hydraulisch betätigt. Der Vierzylinder mit 1,3 Liter Hubraum verfügte über einen halbkugelförmigen Zylinderkopf und eine hochliegende, seitliche Nockenwelle, schaffte beachtliche 45 PS; die Kraft wurde über ein Vierganggetriebe an die hinteren Räder übertragen (es war ein Frontantrieb geplant gewesen, doch dieser wurde dann als zu teuer verworfen). Geschaltet wurde am Lenkrad. Interessant ist, dass der Löwe schon damals auf Sparsamkeit ausgelegt war, als eines der wenigen Fahrzeuge mit weniger als 10 Litern auf 100 Kilometern auskam. Der Hintergrund: Als der 203 auf den Markt kam, war Benzin in Frankreich noch rationiert. Sein vernünftiger Verbrauch bei doch ganz guten Fahrleistungen (Höchstgeschwindigkeit ca. 120 km/h) war ein feines Verkaufsargument; insgesamt wurden fast 700’000 Exemplare verkauft.

Eines der wichtigsten Merkmal des Peugeot war einerseits die grosse Modell-Vielfalt (es standen bis zu 12 Versionen im Angebot, dazu kamen noch die von den Design-Ateliers gebauten Varianten, als Titelbild und unten ein viersitziges Cabrio der Schweizer Karrosserie Worblaufen), andererseits die ständigen Verbesserungen; der Kenner kann an einem originalen 203 allein anhand der Optik das Produktionsjahr erkennen. Das Design selber erinnerte stark an die amerikanischen Fahrzeuge von Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre. Es heisst, dass der noch in den Kriegsjahren entworfene Peugeot sich stark am legendären Lincoln Zephyr orientiert habe – und er brachte mit seinen opulenten Formen und 4,35 Meter Länge tatsächlich so ein bisschen Hollywood auf die französischen Strassen, auf denen sonst nur Citroën 2CV und Renault 4CV zu sehen waren. Als der 203 dann 1960 aus der Produktion lief, sah er aber erstaunlicherweise immer noch nicht alt aus – und brauchte gleich zwei Nachfolger, den 403 (ab 1955) und ab 1965 dann auch noch den 204.

Der Peugeot fühlte sich damals schon auf den Landstrassen wohler als in den engen Gassen der französischen Innenstädte – und so fährt er sich auch heute noch. Man wird keine Rennen gewinnen wollen (obwohl die 203 gerade bei Langstrecken-Rallies durchaus erfolgreich waren), doch das entspannte Gleiten kann der Franzose auch heute noch auf einem Komfort-Niveau, das die Härte moderner Mittelklasse-Fahrzeuge absurd wirken lässt. Völlig locker schluckt er die Unebenheiten der Strasse, schaukelt dann auch nicht weiter, wie man sich das etwa von Citroën gewohnt ist; sogar in den Kurven neigt er sich erstaunlich wenig. Es findet das alles allerdings auch bei Geschwindigkeiten statt, welche sogar die Rennleitung lächeln lassen, die Beschleunigung von 0 auf 100 misst man wohl eher in Minuten als Sekunden. Es haben erstaunlich viele 203 überlebt (was unter anderem auch darn liegt, dass die Motoren ausgesprochen zuverlässig waren – und sind), auch die Preise bleiben vernünftig.

(Dieser Text erscheint im Rahmen einer kleinen Serie zum 210. Geburtstag von Peugeot. Bereits geschrieben haben wir zum Bébé, zum 201, zum 302, zum 205 Turbo 16 und zum 908 HDi FAP. Die aktuellen Peugeot-Modelle finden Sie selbstverständlich in unserem Archiv.)

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