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(Ein paar Ferrari von) Piero Drogo

Der Lieferant

Viele Fahrzeuge, die von Drogo «eingekleidet» wurden, gibt es nicht. Aber um das gleich klarzumachen: Piero Drogo war vieles, aber kein Designer. Der einzige Stift, den der Italiener in die Hand nahm, war jener für die Unterschrift unter seinen Rechnungen. Sein wohl berühmtestes Werk, der «Breadvan» auf Basis des Ferrari 250 GT SWB, war eine Konstruktion von Giotto Bizzarrini, von A bis Z – Drogo und seine Carrozzeria Sports Cars (C.S.C.) führten die Wünsche von Bizzarrini nur aus. (Bild unten: Drogo rechts.)

Aber beginnen wir doch von vorne: Piero Drogo wurde am 8. August 1928 geboren, in Vignale Monferrato (da müsste man ja quasi Designer werden). Ob er schon vor oder erst nach dem 2. Weltkrieg nach Venezuela auswanderte, wissen wir nicht, Mitte der 50er Jahre war er aber in Lateinamerika ein ganz erfolgreicher Sportwagen-Pilot. Trotzdem zog es ihn 1958 zurück nach Modena, er arbeitete für Stanguellini (in der Hoffnung auf eine weitere Karriere als Rennfahrer), startete 1958 bei den 24 Stunden von Le Mans, 1959 bei der Targa Florio und 1960 beim Grossen Preis von Italien zu seinem einzigen Formel-1-Rennen, dies auf einem Cooper T43. Dazwischen hatte er 1959 noch Anna Pia Fornaciari geheiratet. (Auch einen Porsche 550 Spyder kleidete Drogo ein.)

1960 stieg er bei der «Carrozzeria Marchesini & Cavalieri» ein. Aber eben nicht als Designer, sondern als Verkäufer und Buchhalter, auch für die PR war er verantwortlich. Weil er aber ausgezeichnete Beziehungen hatte, wurde die neue Firma C.S.C. in Modena schnell bekannt als Spezialist für spezielle Kundenwünsche. Das Unternehmen arbeitete für ASA, ATS, Bizzarrini, Serenissima, aber auch für die Rennteams Ecurie Francorchamps, N.A.R.T. und die Scuderia Ferrari. Berühmt ist neben dem «Breadvan» sicher auch das neue Kleid für den Maserati Tipo 61 von Lloyd Casner, dazu entwickelte C.S.C. die Nasen für die Ferrari 250 LM, half bei den Dino 206 S, schliesslich entstanden die verschiedenen Ferrari-P-Prototypen in der Via Emilia Ovest in Modena (dazu kommen wir dann auch noch, ganz andere Geschichte). Und verschiedene Ferrari-Einzelstücke, denen wir uns hier zuerst einmal annehmen wollen; da wollen wir nummerisch vorgehen.

Ferrari 250 GT (Pininfarina Coupé), Chassis-Nummer 0977GT:

Dieser Aufbau entstand wahrscheinlich 1961 im Auftrag des Schweizer Pierre de Siebenthal, ganz aus Alu.

Ferrari 250 GT (Pininfarina Coupé), Chassis-Nummer 1717GT:

Auktion: Bonhams, Monaco 2024, Schätzpreis 2’500’000 bis 3’000’000 Euro, nicht verkauft. Die Geschichte wurde so dargeboten: «Ferrari 250 GT ‚1717‘ entered Pinin Farina’s Turin factory on 22nd December 1959 and was completed with coupé coachwork on 22nd February 1960. The original colour scheme was Grigio Scuro (Dark Grey) with blue Connolly leather/vinyl interior. In April 1960 the car was delivered to the official Ferrari dealer Garage de Montchoisy in Geneva, Switzerland. Later that same year the Ferrari was sold to its first owner, a resident of Lausanne, Switzerland, and registered as ‚VD 40283‘. In November 1964, ‚1717‘ was serviced at the Ferrari factory’s Assistenza Clienti facility in Modena, the odometer reading being 54,489 kilometres. In 1965, the Ferrari was crashed in Switzerland and sent back to Modena, Italy where the chassis was repaired and shortened by William Vaccari. The rebuilt car was then completely re-bodied by Drogo’s Carrozzeria Sports Cars with particularly elegant and aerodynamic coupé coachwork, and was finished in October 1966. The Ferrari was next owned by Gerard Delgado, a Frenchman living in Barcelona and Mallorca, Spain, and was crashed in France at some time during the 1970s. Having been partially restored, ‚1717 GT‘ was despatched in the 1980s to Franco Sbarro’s garage in Yverdon, Switzerland where additional repairs were carried out and the car painted red. Additional vents aft of the front wheelarches were added, and the front grille modified. Later in the 1980s the Ferrari was sold back to Switzerland, in Lausanne, passing into the custodianship of Pierre De Siebenthal, where it was registered as ‚VD 16543‘. In 1988 Pierre de Siebenthal sold ‚1717‘ to José Segimon of Madrid, Spain. ‚1717‘ next changed hands in July 2000 when it was sold at a UK auction to David Morrison; the Ferrari was registered on UK plates as ‚FAS 881‘. Later that year the car was repainted in silver-grey metallic with a contrasting blue longitudinal stripe». (Von dieser Geschichte gibt es auch andere Varianten – mehr Bilder haben wir in unserer Story zu den Ferrari 250 GT Coupé.)

Ferrari 250 GT SWB Berlinetta, Chassis-Nummer 2053GT:

Soll 1960 als Versuchsfahrzeug für den GTO gedient haben, wurde dann aber als SWB Berlinetta eingekleidet und an Casimiro Toselli (Scuderia St. Ambroeus) verkauft, der damit auch einige Bergrennen gewann. 1962 übernahm die Garage Francorchamps das Fahrzeug, setzte es unter anderem bei den 1000 Kilometern auf dem Nürburgring ein (27. Mai 1962), wo 2053GT einen schweren Unfall hatte. Drogo kleidete den Ferrari neu ein, es gab noch einige weitere Rennen, doch bei den 500 Kilometern von Spa im Mai 1964 ging 2053GT dann endgültig von dannen.

Ferrari 250 GT SWB Berlinetta Competizione (Alu), Chassis-Nummer 2445GT:

(Eine sehr interessante Geschichte – wir können da vielleicht, wahrscheinlich bald mehr erzählen.)

Ferrari 250 GTE, Chassis-Nummer 2493GT:

Das ist jetzt etwas komplizierter: Es war einmal der Ferrari 250 Testa Rossa mit der Chassis-Nummer 0716TR. Der kam irgendwie nach Brasilien – und irgendwie in die Hände von Piero Drogo. Wohl 1964 erhielt das Fahrzeug von Drogo einen neuen Aufbau im Stil eines 250 GTO (und den Motor aus einem 250 GT, die Testa-Rossa-Maschine behielt Drogo anscheinend für sich…), ging durch mehrere amerikanische Hände, kam 1978 zum Italiener Giulio Dubbini. Die Überreste in einen 500 TR/TRC verwandelt – während der Drogo-Aufbau für den 250 GTE (2493GT) verwendet wurde.

Ferrari 250 GT SWB Berlinetta Competizione (Alu), Chassis-Nummer 2735GT:

Wurde 1961 an Rob Walker verkauft, startete mit Moss/Hill bei den 24 Stunden von Le Mans (dnf); Moss gewann in der Folge diverse Rennen mit diesem Ferrari. Im August 1962 verunfallte der damalige Besitzer Chris Kerrison mit 2735GT bei der Tourist Trophy – und liess das Fahrzeug bei Drogo neu einkleiden. 1965 war der Wagen bei Jack Pearce, der anscheinend den Motor aus #3635GT (250 GTE) installierte (und die Maschine aus #2735GT an den 250 GTO #3729GT weitergab), was aber etwas unklar ist. Wie auch immer, Ende der 60er Jahre verunfallte #2735GT, wurde komplett abgeschrieben, erschien dann in den 80er Jahren wieder (samt Motor…), erhielt auch das «Red Book» von Ferrari (…). Der Drogo-Aubau wurde einem 250 GTE (3611GT) aufgesetzt.

Ferrari 250 GT SWB Berlinetta Competizione (Alu), Chassis-Nummer 2819GT:

Der «Breadvan». Ging als «Kurzer» am 11. September 1961 an Olivier Gendebien, der damit zusammen mit Lucien Bianchi auf den zweiten Platz in der Tour de France fuhr. Wurde im Oktober an Graf Volpi verkauft, rot angemalt, bei verschiedenen Rennen eingesetzt, unter anderem bei den 12 Stunden von Sebring im März 1962. Kurz darauf bei Drogo zum «Breadvan» umgebaut (die Berlinetta-Karosserie wurde für #2439GT verwendet).

Ferrari 250 GTE, Chassis-Nummer 3405GT:

Ein 250 GTE, der irgendwann in den 60er Jahren einen Drogo-Aufbau im Stil eines 250 GTO erhielt. Und den Motor aus #2301GT (California Spyder). Und in den 90er Jahren den Motor aus #3945GT (250 GTE). Es soll noch ein sehr ähnliches Fahrzeug existieren, #2707GT, das irgendetwas mit Tom Meade zu tun hat.

Einen ganz besonderen Drogo haben wir noch, ein doch einigermassen aussergewöhnliches Teil, ein 330 GT 2+2 (Chassisnummer 7979). Ja, da darf man geteilter Meinung sein:

Piero Drogo verstarb am 28. April 1973, als er mit seinem Ferrari 250 GT LWB California Spider (#1501GT) in einem schlecht beleuchteten Autobahn-Tunnel bei Bologna auf einen Lastwagen prallte. Seine Witwe heiratete später den Lamborghini-Testfahrer Bob Wallace. Mehr spannende Fahrzeuge haben wir in unserem Archiv.

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