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radical zero: Fahrbericht Denza Z9GT

Nicht ganz auf der Höhe

Mit einem Einstiegspreis von 117’500 Franken steht der Denza Z9GT in der Schweiz angeschrieben. Er ist damit aktuell der teuerste Chinese in der Schweiz (knapp vor dem Polestar 5, der bei 115’000 Franken beginnt), er will allein schon mit der sechsstelligen Zahl aufzeigen, dass es die BYD-Tochter sehr ernst meint, Premium und so. Die technischen Daten unterstreichen diesen Anspruch: Drei E-Motoren, 1156 PS, 1210 Nm, ein 122,5-kWh-LFP-Akku, bis zu 1500 kW (!) Ladegeschwindigkeit. In 2,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h, 270 km/h Höchstgeschwindigekeit. Design von Wolfgang Egger, 2-Kammer-Luftfederung, Hinterradlenkung, Toque Vectoring, tralala, also alles, was gut und teuer ist – und bei der Konkurrenz, etwa dem Porsche. Taycan Turbo GT, noch viel, viel mehr kostet.

Sieht er gut aus, der Denza? Ja, doch, diese Shooting-Brake-Form hat schon etwas. Der Z9GT ist 5,18 Meter lang, 1,99 Meter breit, 1,49 Meter hoch, verfügt über einen Radstand von 3,13 Meter. Der Kofferraum fasst stattliche 495 Liter, bei abgeklappten Rücksitzen sind es 1680 Liter, vorne gibt es noch einen Frunk von 53 Litern. Innen gibt es einen zentralen Touchscreen, mit 17,3 Zoll riesig, dazu kommen zwei kleinere Bildschirme, einer mit den für den Fahrer relevanten Infos, der zweite zur Unterhaltung des Beifahrers, natürlich gibt es auch noch einen Head-up-Display. Und Bildschirmchen für die kamerabasierten Aussenspiegel, die erfreulicherweise ganz gut abzulesen sind. Hinten sitzt man fürstlich, vorne sowieso, wobei der Fahrersitz ein kleines Kunstwerk ist, belüftet gegen die Kurvenneigung arbeitet.

Es gibt ansprechendes Leder und sogar echtes Holz – und doch mag nicht so recht Premium-Feeling aufkommen, es wirkt alles so keimfrei künstlich. Man merkt, dass da nicht der grosse Meister gewerkelt hat, der schon seit 40 Jahren das Leder oder das Holz persönlich auswählt und dann sauber verbaut, man hat wohl einfach KI gefragt, wie man das am effizientesten löst. Zwar kennt Egger sicher die besten Lieferanten, kriegt da auch alles, was er haben will, doch ein Crash-Kurs in Sachen Innenraum-Gestaltung und -Verarbeitung ersetzt einfach nicht die Erfahrung aus noch so manchem Jahrzehnt im Luxus-Segment; gewisse Dinge kann man für Geld glücklicherweise nicht kaufen. Das ist nun aber Jammern auf sehr hohem Niveau, eben, ein Bentley oder Porsche kostet viel mehr, da bezahlt man halt die angesprochenen Lehrjahre an Erfahrung auch noch mit. Für eine ausführliche Beurteilung des Bediensystems war unsere Testfahrt zu kurz.

Was wir da aber gemerkt haben, auf diesem Ausflug: Auch Fahrwerk kann man nicht einfach kaufen. Was er gut kann, der Denza, ist friedlich, komfortabel einherrollen, das auch bei höheren Geschwindigkeiten, die mehr als 3 Meter Radstand sorgen da für feine Stabilität. Doch das können die meisten Längsdynamiker, da hilft auch das stattliche Gewicht von 2,9 Tonnen (!) und natürlich die aufwendige Luftfederung. Doch beim #GTEST von German Car of the Year fahre ich ja immer die gleiche Strecke (siehe auch: Land Rover Defender Octa), und da gibt es auch engere Gassen mit einigen bösen Biegungen – und das kann der Z9GT dann irgendwie nicht so gut. Klar, grosses, schweres Automobil, das ist sein bevorzugtes Geläuf sicher nicht, doch was da die Hinterachslenkung veranstaltet, das muss man als komisch bezeichnen. Schön sauber gezirkelte Kurven werden plötzlich eckig – und als Pilot habe ich keine Ahnung, warum. Die Lenkung des Denza ist eigentlich gut, anständige Rückmeldung von der Vorderachse (dazu kommen wir noch), doch was da hinten geschieht, das ist völlig unnötig, unbegreiflich – und schafft definitiv kein Vertrauen.

Anderer Punkt: Haut man den Pinsel, sprich: das Fahrpedal, etwas kräftiger runter, dann bäumt sich der Chinese auf wie das Ferrari-Cavalino. Dann wird die Vorderachse sehr, sehr leicht – und es wird fast schon abenteurlich, nur schon geradeaus zu fahren. Dann voll in die Eisen, in diesem Fall eine teure Keramik-Bremse, dann passiert das genaue Gegenteil, der Denza wird hinten sehr leicht. Also, das können andere Hersteller besser, viel besser, zum Beispiel Dacia. Und ich hatte das Gefühl, dass das Bremspedal bei jeder etwas intensiveren Betätigung weicher wurde; Probleme hatte ich keine, aber Vertrauen jetzt auch nicht wirklich. Da besteht beim ganzen Fahrwerk noch sehr, sehr viel Nachholbedarf, da hätte Denza vielleicht besser einmal mit 1000 PS weniger und ohne weitere Spielereien begonnen. Denn so ein reifenmordender Crab-Walk, den der Z9GT beherrscht, der bringt mir jetzt im Alltag gar nichts.

Nun wirft die geneigte Leserin vielleicht ein: Man muss diese Dinger, eigentlich kein Automobil dauernd an seinen Grenzen bewegen. Da kann ich beipflichten, zumindest teilweise, denn erstens macht es dem Berichterstatter halt einfach Spass. Und von einer Gerätschaft mit mehr als 1000 PS muss man, zweitens, einfach verlangen können, dass sie die Fahrdynamik so richtig gut im Griff hat, sonst muss man sie als gefährlich einstufen, oder zumindest deutlich übermotorisiert. Vor allem aber geht es, nun schon drittens, um die Reaktionen eines Automobils in Notsituationen, Ausweich- oder Bremsmanöver etwa dürfen auch den Laien nicht vor Probleme stellen. Und da kann ich dem Denza nun wirklich nicht die Bestnote geben.

Es ist schon so: Aus China kommen sicher die besseren E-Automobile, da sind sie den Europäern weit enteilt, das wird sich auch nicht mehr aufholen lassen, denn die Chinesen ruhen sich bekanntlich nicht auf irgendwelchen Lorbeeren aus. Aber da, wo es mehr um Emotionen geht, um das Handwerk, edle Materialien, Haptik, aber auch in Sachen Fahrvergnügen, also Dinge, die man nicht einfach so lernen oder irgendeinem Computerprogramm übergeben kann, sondern spüren, fühlen muss, da verbleibt ein doch beträchtlicher Rückstand. Und klar kann man Daniel Craig ans Steuer eines Denza Z9GT setzen, von seiner James-Bond-Rente wird er sich den Aston Martin eh nicht mehr leisten können.

Mehr Strom? zero. Alles andere: Archiv.

18 Kommentare

  1. Danke, dass Du die ganzen chinesischen Autos testest. Auf Grund der schieren Menge fehlt mir einfach die Zeit dafür. Lächeln muss ich immer wieder dabei, zum Beispiel bei der Zeile „… das können andere Hersteller besser, zum Beispiel Dacia.“

  2. Hömal Hömal

    Spannend in dem Zusammenhang:

    Ich bin mit österreichs privater Westbahn auf Urlaub gefahren. Die sehr dafür gescholten wurde, dass sie ihre neuen Garnituren in China gekauft hat.

    Was ich als Fahrgast wahrgenommen habe: Die Züge sind hübsch, keine Frage. Aber sie klingen sehr dünnhäutig. Deutlich mehr Fahrgeräusche im Innenraum. Es wackelt und schüttelt spürbar mehr. Die Klotüren spinnen schon, obwohl die Garnituren nagelneu sind. Kein Vergleich mit den Siemens-Garnituren, die die ÖBB angekauft hat. Es zeigt sich auch hier: Echte Qualität kann China (noch) nicht.

    Wobei hier eine Warnung ausgesprochen sei:

    Die Koreaner haben vor 30 Jahren vergleichbare Gurken gebaut und wurden in Europa kräftig verlacht dafür. Heute lacht schon lange niemand mehr über die Koreaner. Man sollte Asiaten niemals unterschätzen. Klar, die ersten Kopien sind nicht mehr als das, billige Kopien. Aber so wie China Europa in Sachen Technik längst überholt hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie in Sachen Premium genauso gut sind.

    • Peter Ruch Peter Ruch

      Nein, das glaube ich nicht – die Japaner können es ja bis heute noch nicht, auch ein Lexus sieht innen halt aus, als ob da ein paar Grundschüler ein bisschen mit netten Materialien spielen durften. Gut, ist jetzt schon ein paar Monde her, dass ich zuletzt eine Lexe gefahren bin, aber damals zählte ich im Innenraum zwölf verschiedene Materialien. die dann auch nicht so richtig schön aufeinander abgestimmt waren. und die Chinesen haben dazu noch ein ganz anderes Problem: sie wissen im gegensatz zu den Japanern und auch Koreanern seit ein paar Generationen nicht mehr, was Luxus ist. sie kaufen jetzt zwar Rolexen wie blöd, aber das reicht halt noch nicht.

      • fancy pancy mike fancy pancy mike

        Grüß Gott,
        Wie wahr, Stil kann man nicht kaufen!
        Servus

      • AP AP

        Dabei werden die wirklich schrecklichen Autos (noch) gar nicht nach Europa exportiert ,,, wer mal in Tokyo oder Seoul war, weiß wovon ich spreche … da gibt es Kleinwagen, die sind höher als breit und die Taxis haben Plastikvorhänge in den Fenstern …
        Geschmäcker sind eben verschieden!!

        • AP AP

          Aber wir Europäer sollten nicht zu überheblich sein, denn ein Xm, ein Q8, oder alle diese adipösen SUV werfen bei mir auch immer die Frage auf, ob deren Besitzer keine Wohnung haben oder ob Wien, München und Berlin plötzlich im Hochgebirge liegen ????

  3. Christine Krug Christine Krug

    Nun wirft die geneigte Leserin vielleicht ein: Man muss diese Dinger, eigentlich kein Automobil dauernd an seinen Grenzen bewegen.
    Dauernd eh nicht, aber es sollte schon auf mancher Bergstraße Spass machen.
    Nun dann kauft Frau sich auch keinen Chinesen.
    Sportliche Grüße
    Christine

  4. Carl Carl

    Löst den „Nicht-Haben-Wollen Reflex“ aus. Zu fett, sinnlos stark, kann nichts wirklich gut für das Geld. Ein wirklich belangloses Auto.
    Wobei, die Farbe ist toll. Ist sie aber auch als „Verde Montreal“ auf einer Giulia. Und da stimmt dann auch die Fahrdynamik 😉

  5. Christian Christian

    Wieso Fahrwerk? Das ist bei dem Gewicht und Preis doch eher eine Immobilie und wird als Homekino und Spielekonsole verwendet…;-)
    Autofahren, noch dazu selbst wird doch total überbewertet. Mit so einem Koffer gewöhnst Dir das dann schon ab.

  6. Urs Wolf Urs Wolf

    Schwierig, schwierig!
    Die guten Auto Tester sterben uns aus! Sie bekommen von den Herstellern gar keine Fahrzeuge mehr und die Hersteller, welche das Potential hätten gut wegzukommen, bauen schon gar keine Autos mehr.

  7. Max Max

    Mit den Sesseln wär’s eigentlich ziemlich einfach zu verbessern.. Man lässt den gelben Rennstreifen weg. (Igitt) nimmt eine schöne Farbe und macht den ganzen Sitz daraus.

  8. Rolf Rolf

    Danke für so einen tiefen und sensiblen Einblick in dieses Auto.

    Der Hinweis auf Lexus ist richtig.
    Der LS 400 Facelift eines Freundes war zwar ein extrem gutes Auto, aber das Leder fühlte sich wie Kunstleder an, das Holz wie Plastik und das Gesamtambiente war sehr kühl. Trotz bester Verarbeitung und echter Qualitäten des Autos.

    Beim Phaeton war das nicht unähnlich, nur das Leder Sensitiv roch ein bisschen besser (oder besser: es roch überhaupt).
    Wenn ich an das schwer duftende Roser-Leder in frühen Mercedes denke oder an den feinwürzigen Conolly-Duft, doch, das trägt erheblich zum emotionalen Empfinden eines Luxusautos bei.

    Audi wollte auch Premium werden. Man versuchte es über Quattro und CW-Wert.
    Ich fuhr 11 Monate als Interimsfahrzeug einen Audi 100 2.0E (Modell C3 Facelift).
    Der hatte versenkte Klapptürgriffe, die so wenig tief waren, dass man gerade mal die Fingerspitzen reinkriegte. Dafür waren die Türfedern so stramm, dass man die Tür kaum aufkriegte, diese einem von den Fingern rutschte und wieder zuschlug. Mit der Zeit gewöhnte man sich an, mit Links einen Spalt zu öffnen und mit Rechts die Tür am Fensterrahmen aufzuziehen. Premium ist so was nicht.
    Das Fahrverhalten war ähnlich seltsam, wie oben beschrieben.
    Erst mal war der Wagen mit 190 angegeben, fuhr nach Tacho 220. Bis 200 zog er ganz gut, es waren aber die langsamsten 200, die ich je fuhr.
    In schnellen Autobahnkurven konnte es passieren, dass der Wagen plötzlich vorne zu pumpen begann und langsam aus der Spur wanderte. Adrenalin! Wenn man dann noch den Fehler machte zu bremsen, dann hob er stark das Heck, vor allem auf der kurveninneren Seite und torkelte vor sich hin. Sehr sehr unangenehm.

    Der Kollege fuhr einen 520i (E34), den wir bei gemeinsamen Fahrten immer nahmen, ich fuhr sehr lange Strecken damit. Der federte sauber und lag wie ein Brett auf der Autobahn. Die Türgriffe waren mindestens doppelt so tief und konnten auch bei klemmender Tür benutzt werden. Lustig an dem war, dass er bis 140 eher zäh wirkte, dann aber richtig flott wurde. Hatte der Ram-Air? 😉

    Ein 2016 zur Probe gefahrener A4 fühlte sich an wie ein größerer Golf und war innen zwar sauber gemacht, aber sehr steril. Bei Mercedes und BMW kam da ganz ein anderes Premiumgefühl auf. Mir ist ein Rätsel, woher die Mär stammt, Audi baue die hochwertigste Innenausstattung?

    Beim Denza sieht man übrigens deutlich, dass ein 1,50 m hohes Auto niedrig aussehen kann. Man muss es nur lang und breit genug machen.

    • Christian Christian

      „Mir ist ein Rätsel, woher die Mär stammt, Audi baue die hochwertigste Innenausstattung?“ – Aber, aber Rolf,

      Du vergisst die tollen Spaltmasse, die tolle Narbung des hochwertigen Kunststoffes, den „do scheppr`t nix“-Aberglaube, ach ja, die Spaltmasse und wieder die Spaltmasse.

      Es soll mittlerweile Kunden auf dieser Welt geben, denen das alles egal ist. Die wollen eine möglichst große, möglichst billige Kiste um von A nach B zu kommen…hab ich so gehört!

    • Max Max

      Na vielleicht identifizierte sich der 520i als Turbo, deswegen das zugehörige Loch!

  9. Hans Hans

    Dass Japaner keine Interieurs können stimmte ich zu: Bis ich mir die neuen Mazdas etwas genauer anschaute. Bin ich der Einzige, der diese auch innen sehr schön und sorgfältig gemacht finde?

    • Rolf Rolf

      Leider habe ich ihn noch nicht live gesehen, aber von den Fotos her wäre der Mazda 6e, würde ich ein neues E-Auto haben wollen, ganz weit vorne auf der Liste. Nur nicht in dem Pralinenpapier-Rot. Innen sieht er in hellbraun toll aus und der Preis ist ziemlich fair.

    • Peter Ruch Peter Ruch

      stimmt, Mazda, da muss ich mich entschuldigen, Mazda hatte ich vergessen.

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