Rückblick (und Le Mans)
Das Dutzend ist lange schon voll – und eigentlich frage ich mich jedes Mal, warum ich mir die 24 Stunden von Le Mans doch immer wieder antue. Die An- und vor allem die Rückreise sind beschwerlich (in Frankreich sind sie längst sehr streng mit den Geschwindigkeiten, Abschnittsmessung und so), die Rennen sind in den vergangenen Jahren doch eher langweilig geworden (es gibt, wie immer, Ausnahmen, etwa: Toyota 2016). Und trotzdem: Da besteht seit Kindheit einfach eine grosse Faszination. Und seit ein paar Jahren gibt es auch eine schöne Tradition: Ich muss am Sonntagmorgen jeweils einen Tee trinken bei «Pulme», einem Grüppchen von Engländern, die seit den 70er Jahren nach Le Mans kommen, unterdessen sind es etwa 50 Jungs, eine professionelle Küche, ein riesiges Festzelt, Grossleinwand, drei Trucks mit Ausrüstung werden angekarrt. Die Herren – und es sind ausschliesslich Gentleman – reisen dann mit ihren Ferrari, Porsche, Aston an, werfen sich in winzige Zelte für ein paar Minuten Schlaf. Und feiern ab Donnerstag. Und weil das Essen auf der doch eher fettigen Seite ist, braucht es halt auch zwei, drei Getränke.






Es gewann dann: Ferrari. Es hätte eigentlich ein Dreifach-Sieg sein müssen, aber es sind halt Italiener, sie haben das gleich mehrfach weggeschmissen, so wurde es am Schluss noch knapp, der zweitplatzierte Porsche lag nach 24 Stunden nur gerade 12 Sekunden zurück. Es war trotzdem relativ öd, Ferrari schien immer noch zulegen zu können, wenn die Gegner einmal ein paar schnellere Runden fuhren. Die übelste Aktion gab es bei den GT3, da drehte der Manthey-Porsche den überlegenen BMW von Valentino Rossi einfach von der Strecke, weil man ihn auf der Strecke nicht in den Griff kriegte. Meiner bescheidenen Meinung nach hätte auch der Porsche, der auf den 2. Rang kam, disqualifiziert werden müssen, das Team versuchte im Abschlusstraining einen üblen Trick, wurde erwischt, auf den letzten Quali-Rang versetzt, aber nicht disqualifiziert, wie das bei jeder anderen Sportart der Fall gewesen wäre. Aber Le Mans hat halt seine eigenen Gesetze, das macht auch einen Teil der Faszination aus. Für den Kenner: Die Cadillac hatten den mit Abstand besten Sound (und schafften auch die schnellste Runde), waren aber ansonsten chancenlos.

Einfach noch kurz dies: Gib dem Franzos’ eine Uniform – und er wird zum (X) (ok, das gilt nicht nur für die Franzosen). So ein bisschen Macht, zum Beispiel als Parkplatzeinweiser – und er hebt für ein Wochenende völlig ab. Wenn er dann dieses eine Mal im Leben etwas «bestimmen» kann, nein, Du darfst jetzt noch nicht essen, erst in 20 Sekunden, nein, Du darfst hier nicht zu Deinem 30 Meter entfernten Auto, Fussgänger müssen aussen rum, zwei Kilometer, ah, Du willst einen Café, dann sprich es doch aus wie Café, weil Café, das kann ich ja nicht verstehen, ich sprech ja ausser Französisch keine andere Sprache. Ja, ich frage mich jedes Mal, warum ich mir die 24 Stunden von Le Mans doch immer wieder antue. Aber irgendwie ist es auch klar, warum Peugeot und Alpine bei der diesjährigen Austragung auch wieder hinterher fuhren, noch chancenloser waren als Cadillac.

Weil wir wohl ahnten, dass es in Le Mans auf einen Zweikampf zwischen Ferrari und Porsche hinauslaufen würde, haben wir in den vergangenen Tagen hauptsächlich Stories dieser beiden Marken publiziert. Beginnen wir doch mit Porsche – oder besser: Fahrzeugen mit einer Porsche-Basis. Der Artikel zu den Singer-Porsche wurde so intensiv und häufig diskutiert, dass hier quasi eine neue Literatur-Gattung entstand: der Kommentar. Es ist beides sehens- und lesenswert:

Die 911er von Singer – eine Sammlung
Falls Sie es noch nicht gemerkt haben: Unsere Ansammlung von Porsche 911 Carrera RS 2.7 ist eine feine Sache (zu bewundern: hier). Und da sind wir froh, wenn wir wieder einmal ein Exemplar finden, das wir noch nicht haben. (Ja, das ist auch so etwas wie ein Hilferuf, wir wollen natürlich mehr, wir brauchen nur ein Bild und eine Chassis-Nummer…)

Porsche 911 Carrera RS 2.7 – #9113601537
Auch bei radical war Ferrari – in der Menge – der klare Sieger. Wir haben ein paar Sammlungen erweitert (etwa F40, #87568 und #84036, ein 365 GTB/4 Competizione, #16343, ein «kurzer» California Spider, #2277GT, ein Lusso, #5461GT), vor allem aber das grosse Stück zu den «Tour de France» in Ordnung gebracht.

Ferrari 250 GT LWB «Tour de France»
Und endlich auch noch eine Sammlung der echten Ferrari 365 GTS/4 begonnen. Keine Ahnung, warum das mit den offenen Daytona so lange gedauert hat. Aber dafür gibt es eine Liste der Nicht-Konvertierten.

Ferrari 365 GTS/4 – eine Sammlung
Viel, viel seltener. Und viel, viel teurer:

Ferrari 275 GTB/4S Spyder N.A.R.T.
Dazu kamen noch drei Mal «Numbers»:


Chevrolet Yenko Super Camaro 450

Wir geben uns immerhin Mühe: Neuheiten.
Bleiben Sie uns gewogen, empfehlen Sie radical weiter.


Ach ja, Le Mans – der Film von und mit Steve Mcqueen – ein Klassiker. Einer meiner liebsten Filme, wenig Gequatsche, kein Geballere, keine dümmlich, künstliche Liebesgeschichte.
Es ist ein Rennen, das eine eigene Aura hat. Und auch wenn`s mit dem Reglement nicht so genau genommen wird ist das vermutlich immer noch besser, als das was die „ach so tollen“ Regelements aus anderen Rennserien gemacht haben. Und der Spruch von Niki Lauda ist heute (leider) bittere Realität – „nur noch dumm im Kreis herumfahren“…
Gib einem Irgendjemad eine Uniform und erhebe in qua Gesetz über die anderen Menschen – o weh, o weh…. nicht nur bei den Franzosen!
Supi!
ich war auch dort.
An der Stelle, wo der Steve Mc Queen mit seinem Filmwagen vorbei gehobelt
ist.
Ein junger Bub mit 7 damals.
Wir waren da noch oft, die verschiedenen Stadien, der markerschütternde letzte 917.
Später diese Matramonster.
Und so ging es dann rauf bis, dieses Wochenende.
ich hab für den Kubica gefiebert. Der wunderschöne gelbe 499P.
Und man ärert sich immer wideer üver den “ Vatikan“..
( Mein Ferrari 360, abgeholt in Maranello, also der Sitz des Vatikans.. wer es versteht,
versteht Italien, und wie Ferrari von oben her manchmel zum gggg.. ist so)
Und meine Porsche-herz ( rechts Maranello links Zuffenhausen) hat mit den 993 ern
gefiebert.
UND NATÜRLICH DER FAHRER.. (ich mag die Kevin estre Beule am Nürburgring)
Frankreich wie immer cool.
Und ja, Auf den Seitenstrassen hinter Metz, bisserl ins Burgund, da ist kaum Polizei
aber ich erzähl net weiter, sonnst dort auch noch diese lahmarschigen SUV-Toten
und co..
Mein 1986er Aston Martin ( der BOND eckige) durfte.
Und so weiter.
Und wir leben im Zeitalter der HIRNTOTEN und FERNGELENKTEN.
30% sind Volltrotteln ( siehe Trumpwäler, und global regionales) 30%
wissen nicht obs im tesla scheissen sollen oder warten was tun sollen.
Und ganz aussen oben, bin ich.. und mir ist das alles scheiss egal.
Der Planet dreht sich weiter.
„Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren. Jetzt ist die Zeit der Monster.“
Und? eben. Widerluaga 🙂
>Und wir leben im Zeitalter der HIRNTOTEN und FERNGELENKTEN.
Wenn schon, dann sind 80 bis 90 Prozent Mitläufer! Oder Leute die nur ihre Ruhe haben wollen. Wie man’s nimmt.
Le Mans – der Mythos…
Leider war ich noch nie dort und wahrscheinlich wäre es auch eine große Enttäuschung, denn meine Vorstellung von Le Mans wurde geprägt von der Carrera-Bahn meines älteren Cousins, den wundervollen Rennsportphotos mit Ferraris, Porsches, Aston Martins, Jaguaren und Bentleys.
Und natürlich vom Film, Steve McQueen, Siegfried Rauch – immerhin hat mir ein Freund vor vielen Jahren eine Le Mans-Autogrammkarte von ihm mit persönlicher Widmung geschenk! -, den Porsches in Gulf-Lackierung, dem grandiosen Dunlop-Bogen und der romantischen Vorstellung eines Kampfes von Männern und Motoren durch die Nacht in den Morgen, wunderschönen Frauen mit Zeitnehmertafeln in den Boxen, dem Sprint der Fahrer zu ihren Fahrzeugen, jedes Mal, wenn ich in meinen Porsche steige und nach dem Zündschloß suche, komme ich mir ein bißchen wie der King of Cool im Gulf-Overall vor…
Aber wahrscheinlich ist die Realität (inzwischen) eine ganz andere, es dürfte alles heftig kommerzialisiert sein, grell und bunt und laut und natürlich sind die Rennwagen auch nicht mehr ansatzweise so schön wie früher…
Vor einigen Jahren hatte ich eine Einladung nach Le Mans, ich habe abgesagt, es ging mir ein bißchen wie in der Kurzgeschichte von Siegfried Lenz über einen Reisenden im Nachtzug von Hamburg nach Paris, der den Mitreisenden die Besonderheiten der Stadt an der Seine bis ins Detail schilderte und dann immer heimlich in Köln ausstieg und zurück fuhr, er hatte alles über die Stadt gelesen und traute sich nicht, Paris wirklich zu besuchen, er hatte Angst, daß die Realität ihn enttäuschen würde!
Oh Ja, Siegfrid Rauch hat in diesem Film auch super gespielt – oder vielleicht war er auch er selbst und hat gar nicht gespielt? Kein Wunder, dass „Mr. Cool“ und er später gute Freunde waren. Und ein Deutscher in einem Ferrari der um den Sieg fährt!
Was mich immer fasziniert, sind die glühenden Bremsscheiben in der Nacht, bei Regen noch mehr! Da sieht man die unglaublichen Kräfte, die da auf das Material einwirken.
„Rennen ist Leben. Alles, was davor oder danach ist, ist Warten.“ …oder so ähnlich 😉
Lieber Christian, ich finde auch, daß Siegfried Rauch die Rolle des Gegners von Steve McQueen sehr überzeugend spielt.
Er muß ein extrem angenehmer und sympathischer Mann gewesen sein, der Freund, der mir die Autogrammkarte geschenkt hat, hat viele Male mit ihm zusammen gearbeitet und war gut mit ihm befreundet, etwas, was in dieser Branche eher selten vorkommt…
Bemerkenswert finde ich auch, daß im Film Erich Stahler zwar einen etwas martialischen Namen hat, aber ansonsten keine der vor 55 Jahren ja noch sehr präsenten Klischees über den Deutschen Kämpfer und Heroen bedient wurden.
Ich würde den Film zu gerne mal wieder auf einer großen Leinwand in einem richtigen Kino sehen, zuletzt habe ich ihn auf dem Rechner im Büro laufen lassen, damals, als die Apples noch DVD-Laufwerke hatten…
Ein separates DVD Laufwerk für die USB-Buchse gibt es fürs MacBook Air, habe ich hier unbenutzt rumliegen.
Nachdem ich am Starnberger See geboren und aufgewachsen bin und nach einem beruflichen Ausflug meiner Eltern von 1,5 Jahren in die Nähe von Ulm, wohnten wir eine Weile – wie der Name schon sagt – in Weilheim/Obb., bevor ich dann nach München wechselte.
Das Nachbardorf heisst Polling (hat nichts mit IT zu tun), da gibt es einen Biergarten, in dem Siegfried Rauch häufig mit Familie saß. Ein ganz normaler Mensch, ruhig, ohne Star-Allüren, er machte kein Aufhebens um sich.
Gegenüber etablierte sich damals im alten Kloster ein Oldtimer Händler, der sich mittlerweile zur echten Nummer in Deutschland gemausert hat. HK-Engineering.
Damals konnte man einfach so durch die noch unrestaurierten Hallen und Ställe schlendern und es gab einige feine Autos, die da rumstanden.
PS:
Sehr schön ist auch der Film „Le Mans 66 Gegen jede Chance“, in dem es vorwiegend um Ken Miles geht. Lustig die Fahrt von Carroll Shelby mit Henry Ford II auf dem Beifahrersitz.
Ich war nur mal 1974 in Spa, da fuhren Capris, Mantas und CSL 3.0 usw. mit Flammrohren an den Seiten, aus denen das Feuer beim Schalten einen Meter schoss. Wir waren an der Haarnadel.
Noch etwas für die News:
Gestern stand hier im Ort auf einem Hof der MG Cyberster.
Nie vorher von dem gehört, ich war überrascht.
Sieht aus wie eine – gelungene – Mischung aus MX5 und Jaguar F-Type, aber doch eigenständig. Ziemlich groß, recht hoch, wegen der Batterien.
Trotzdem mal KEIN SUV!!!!! Allein dafür Applaus.