Beta-Version
Und auch wenn ich Volvo wirklich sehr schätze und den neuen EX60 am Ende dieses Textes als sehr begehrenswertes E-Fahrzeug adeln werde, dies muss jetzt gleich zu Beginn raus: kein Apple Car Play. Kommt dann vielleicht noch in diesem Jahr, oder im nächsten, und anscheinend nicht als Ultra. Das geht doch so nicht, ganz besonders in der Schweiz nicht, wo der iPhone-Anteil bei gefühlten 90 Prozent liegt. Doch anscheinend ist genau das der Punkt: In anderen Ländern ist dem nicht so. Zum Beispiel in China. Und auch wenn wir nun Volvo sehr gern als schwedisch wahrnehmen wollen (im Gegensatz etwa zu chinesischen Polestar), die Basisarbeit an den elektrischen Volvo geschieht halt einfach im Reich der Mitte. Und den dortigen Entwicklern geht das iPhone in etwa dort vorbei, wo sicher schon bald der nächste Furz eines dicken, dummen Narzissten entweichen wird.

Mir persönlich ist das relativ egal, ich verkupple mich nur höchst selten, aber mein Sohn stand kurz davor, sich dem Schweden zu verweigern. Gut, er findet ohne sein Smartphone kaum den Weg zur Dusche, wie anscheinend viele Menschen empfindet er sich ohne iPhone nur als ein halber solcher, eine Autofahrt ohne eigene Musik und seine Homies ist quasi undenkbar. Auch da wäre mein Mitleid jetzt nicht besonders gross, aber ich verstehe Volvo trotzdem nicht: Man kann doch heutzutage kein ganz neues Automobil mehr auf den Markt bringen ohne Apple Car Play. Das Auto ist nicht fertig, es ist die Beta-Version eines Schattens seiner selbst. Zumal die Schweden sich doch auch noch der besten Vernetzung, höchsten Digitalisierung, überhaupt von allem rühmen, was es an Infotainment und Assisteninnen und solch Zeux gibt. Es ist ja nun nicht das erste Mal bei den Schweden, dass ein neues Modell erst mit reichlich Verspätung auf den Markt kommt, da sollte man vielleicht das Konzept ändern, die Fahrzeuge erst dann vorstellen, wenn sie wirklich fertig sind. Man sie dann innert einer bestimmten Frist auch tatsächlich als fertiges Produkt kaufen kann. Und will. Es wird einige potenzielle Kunden geben, die diesen EX60 jetzt, ohne das Apple-Dings, (noch) nicht kaufen wollen.

Und man muss es auch klar sehen: Der EX60 ist das wichtigste Modell der Schweden seit, ewig, vielleicht seit der Gründung. Er ist noch wichtiger als die «Neue Klasse» für BMW, die Bayern stehen auf mehr Füssen – bei Volvo muss der EX60 der Gamechanger werden, er muss. Zwar bleibt der fossile XC60, der mit Abstand meistverkaufte Volvo der vergangenen 20 Jahre, weiterhin im Programm, doch wenn die Schweden die längst versprochene Energiewende schaffen wollen, dann muss das über den EX60 passieren. So hat die Geely-Tochter das immer wieder selber verkündet, der Schon-Wieder-CEO Hakan Samuelsson erst kürzlich wieder bekräftigt. Und trotzdem: schon wieder Software-Probleme. Da liegt etwas im Argen, in Göteborg (oder halt eben in China?).

Eigentlich ist ja alles: bestens. Erstmals die ganz neue SPA3-Plattform, selbstverständlich 800-V-Architektur. Drei verschiedene Akku-Grössen, netto jeweils 80 (374 PS, 480 Nm, nur Heckantrieb), 91 (510 PS, 710 Nm, Allrad) und 112 kWh (680 PS, 790 Nm), maximale Ladegeschwindigkeit bis zu 370 kW, mit der grössten Batterie eine WLTP-Reichweite von bis zu 810 Kilometern. Der EX60 ist 4,8 Meter lang, 1,9 Meter breit, 1,63 Meter hoch, hat einen Radstand von 2,97 Metern und einen Kofferraum, der 634 Liter Fassungsvermögen hat (maximal: 1647 Liter). Klar, es ist wieder so ein SUV-Kasten, im Verhältnis zu anderen solchen Klötzen nicht ganz so schwer (mit der grössten Batterie 2,4 Tonnen) – und auch wenn man über das Design nun trefflich streiten könnte, so sieht er halt aus, wie ein Volvo aussehen muss. Also: gut. Nicht so ein futuristischer Toaster, sondern ein anständiges Automobil.

Uns wurde für ein paar wenige Tage ein T10 zur Verfügung gestellt, also die Mittelklasse im aktuellen Modellangebot. Die Idee war: So einigermassen brav aus dem Schweizer Jura nach Paris, dann etwas flotter – also: ganz normal – wieder zurück. Für den 91-kWh-Akku im Allradler gibt Volvo einen WLTP-Verbrauch von 15,7 kWh/100 km an, eine Reichweite von 660 Kilometern. Wir starteten bei 100 Prozent SOC in Porrentury, da geht es ja dann zuerst reichlich Überland, französische Schnellstrassen, dann Autobahn, etwas mehr als 450 Kilometer bis zum Ziel. Es waren allerdings auch deutlich über 30 Grad, draussen – und wenn schon keine eigene Musik, dann wenigstens Klimaanlage. Und so lag der Verbrauch dann – Tempomat 125 km/h auf der Autobahn – bei 18,2 kWh/100 km. Das ist gut, das ist wirklich gut, aber es ist nicht überragend. Es reichte auf jeden Fall nicht bis Paris rein, an einer 300-kW-Ladesäule kurz ausserhalb der Stadt zog der EX60 aber saubere 296 kW maximal, verblieb bis 60 Prozent auf über 220 kW, nach 16 Minuten ging es wieder weiter. Auf dem Rückweg, nicht immer innerhalb der Vorgaben der Rennleitung plus noch mit einem Ausflug auf die Strecke des Bergrennens St. Ursanne – Les Rangiers, da waren es dann 22,4 kWh/100 km, das darf man im Verhältnis auch zu den geboten Fahrleistungen dann als wirklich gut bezeichnen.

Die Rechnung: 18,2 kWh/100 km, das sind bei einem 91-kWh-Akku dann genau 500 Kilometer Reichweite. Beim sinnvollen SOC zwischen 80 und 10 Prozent kommt man also auf realistische 350 Kilometer. Verstanden?

Aber der Volvo geht, alter Schwede. Es ist nicht dieser Knall wie bei anderen Stromern, es fühlt sich ganz natürlich, organisch an. In 4,6 Sekunden will er von 0 auf 100 km/h rennen, das trauen wir ihm definitiv zu (gemäss Videoanalyse waren es 4,42 Sekunden); die elektronisch begrenzten 180 km/h schafft er locker, wir haben es für unsere Leserinnen ausprobiert. Aber was er halt wirklich souverän kann: Überholmanöver. Und aus der Kurve beschleunigen. Der Schwede will jetzt kein Sportwagen sein, der Aufbau ist schon auch wirklich hoch, doch der Grip ist beim Allradler sensationell, das Fahrwerk ist gut, sowohl komfortabel wie auch mit etwas Rest-Sportlichkeit, so man denn will. Meist will man das aber gar nicht, denn die Ruhe im Volvo ist wirklich beeindruckend, auch bei höheren Tempi, man gleitet friedlich einher – und kommt sehr entspannt auf erstaunliche Durchschnittsgeschwindigkeiten. Und man sitzt auch gut; ob wir die recyclierten Innenraummaterialien wirklich mögen, das klären wir dann an anderer Stelle.

Wir hatten es schon bei seinem ganz direkten Konkurrenten, dem BMW iX3, geschrieben: Das Bediensystem wirkt überfrachtet. Klar, die neuen Automobile können immer mehr, es lässt sich dies noch ein-, jenes verstellen, Innenraumfarben, Massage, Assis, KI, Apps, whatever. Es darf aber halt doch die Frage erlaubt sein: Warum? Gut, im Volvo kann man sein iPhone nicht koppeln (Androide aber schon), doch warum soll mein Auto all das können wollen, was mein Smartphone auch kann – bloss halt komplizierter, langsamer, nur im Stillstand zu gebrauchen (oder dann gerade wegen Over-the-Air-Update nicht verfügbar)? Eigentlich, so ist doch die Hoffnung, sollte uns der Fortschritt das Leben einfacher machen. Doch in einem dummen, weil eh unmöglich zu gewinnenden Wettlauf mit chinesischen Anbietern, die noch Karaoke-Funktionen oder Pre-Menstruations-Massagen oder Spielkonsolen als unverzichtbar erachten, verlieren anscheinend auch die Europäer etwas die Übersicht darüber, was es in einem Automobil wirklich braucht. Apple Car Play, zum Beispiel.

Doch wie auch der gerade erwähnte BMW ist der Volvo EX60 ein wirklich gutes, sehr gutes E-Automobil. Beide mit Abstand das Beste, was Europa zu bieten hat: Modernste Technik, sauber ausgeführt, schön verarbeitet, hübsch anzusehen. Dass das nicht günstig ist, dürfte auch klar sein, ab 72’000 Franken ist man dabei, für den T10 werden mindestens 75’000 Franken fällig, beim Topmodell T12 sind es dann schon 81’000 Franken. Nun ist auch Volvo nicht gerade berühmt dafür, sich bei den Sonderausstattungen vornehm zurückhaltend zu gebärden, es kann sich dann also ein fast schon unanständiges Preisschild aufsummieren, sechsstellig.

Mehr Strom: zero. Alles andere: Archiv. Es gibt auch noch ein hübsches Reel davon, hier.


Den Aufreger verstehe ich nicht so recht?
Ok, ein Auto in dieser Preisklasse ohne Carplay anzubieten ist ein Witz.
Andererseits hat doch Ericsson mal, in Erinnerung an König Blauzahn, die schlichte Schnittstelle Bluetooth entwickelt. Damit können Sie in jedem Auto ihre Musik abspielen, Navi-Ansagen über die Autolautsprecher laufen lassen und telefonieren.
Ich persönlich bevorzuge es, wenn das Auto selbst alles kann, auch Navigation.
Falls nicht, wie unser Beetle Cabrio, dann Bluetooth, das Smartphone gut sichtbar an die Lüftungsdüse geklemmt und schwupps ist ein Navi da.
Apple Carplay und Android Auto finde ich dann gut, wenn eine Sparversion verbaut wird, wie bei unserem Fiat 500 (Pseudo)Hybrid. Ein Display, das alleine fast nichts kann und übers Smartphone schlau gemacht wird. Die Carplay Funktion (hier per Kabel) haben wir genau einmal benutzt als Navi.
Erzählen Sie dem Filius doch mal von Bluetooth, vielleicht ist das schon wieder in Vergessenheit geraten, wie CDs und so ein Retrozeux. 😉
Nacktes Bluetooth ist halt wirklich Steinzeit und das IPhone Display nutzen ebenfalls. Sowas mag im günstig geschossenen Golf 6 als Lösung taugen, aber nicht im 100k€ SUV von 2026. Ob man sich auf die dDynamik eines Werksnavis inzwischen verlassen kann, möchte ich gar nicht herausfinden.
Werksnavis sind für die meisten Fälle von Augenkrebs verantwortlich, zusätzlich unnütz.
Das von BMW soll gut sein, aber die tauchen bei carsharern nicht auf.
Wie sagte Alzkanzler Kohl (der mit den Erinnerungslücken zur Spendenaffäre):
Wichtig is´ was hinten raus kommt.
Da hat er Recht.
Man braucht nicht jede höher-weiter-besser-schneller Entwicklung, um ein so kleines Ziel wie Musikhören vom Smartphone im Auto zu erreichen.
Und der ganze Rest des Smartphones (vor allem Social Media), hat im Auto nichts zu suchen.
Und nein, ich bin nicht Opa, der alles verschlafen hat.
Vor dem Computer sitze ich seit 1978 und seit 1985 habe ich in der Telekommunikations- und IT-Branche gearbeitet und so ziemlich alle Entwicklungen hautnah erleben dürfen.
Im Aussendienst habe ich natürlich immer Navis benutzt und im Prinzip reicht sogar ein reines Pfeilnavi, das mir sagt, dass ich in 200 m rechts abbiegen muss.
Ja, ein befreundeter Software-Entwickler lacht sich auch immer tot über die Graphik.
Funktionieren tut es aber, ob VW, BMW, Mercedes oderoder ….
Mir hat in allen Jahrzehnten eine einzige Straße gefehlt und die war in einem neuen Industriegebiet. Dann über Maps zu finden, kein Problem.
Unser nicht upgedatetes (was für ein Wort) Navi im 9 Jahre alten Mini führt uns prima überall hin.
Während der Fahrt in Playlists zu wühlen ist ähnlich gefährlich, wie mit acht CD Hüllen auf dem Beifahrersitz zu hantieren. Dieser ganze technische Overkill ist in Wahrheit völlig unnütz im Auto. Aber jeder wie er will, Hauptsache er bleibt auf seiner Fahrspur.
Hallo Rolf,
da bin ich bei Dir. Bei mir gibt`s noch Straßenkarten oder mindestens einen Atlas in jedem Auto. Ich bin auch nicht Opa, aber ich hatte im Jahr 1996 so ein Navi-Schlüsselerlebnis.
Ich hatte für mein Boot seit 2 Jahren ganz neu, sauteuer (damals) ein Garmin-Navi mit Kartenplotter und fühlte mich wie Neil Armstrong auf dem Weg zum Mond 😉
Ich segelte also vor der kroatischen Küste, fand einen schönen Ankerplatz und freute mich über mein neues Helferlein (Navi). Ich gab dann sie Funktion „Ankeralerm“ ein und dachte, mir kann ja gar nix passiern. Aber auf einmal war mein Display leer! Keine Positionsangabe, gar nix mehr. Zuerst dachte ich Stromversogung, Antenne kaputt, irgendein Stecker nicht richtig in der Buchse, usw.
Gut, alles überprüft, kein Mangel entdeckt, dann halt altertümlich mit Kontrollpeilungen und 2-stündiger Ankerwache durch die Nacht. Man hat`s ja gelernt und bisher auch so gemacht.
Am nächsten Morgen dann funktionierte das Navi wieder, wie wenn nix gewesen wäre. Beim Frühstücken Radio gehört (UKW) und in den Nachrichten erzählten sie dann, dass am Abend die Amis Belgrad angegriffen und bombardiert haben. Und da schießt es mir durch die Gehirnwindungen – logisch, militärisches System, wurde zur Vorbereitung für den zivilen Gebrauch abgeschaltet, steht so auch in den Vorbemerkungen zur Betriebsanleitung.
Seit diesem Erlebnis bin ich vorsichtiger im Umgang mit solchen Helferleins.
Wann benutze ich jetzt das Navi im Auto? Eigentlich nur, wenn ich in eine fremde Stadt fahre und dort noch nie war. Dort, wo ich einmal hingefahren bin, finde ich immer wieder hin. Und, die ETA interressiert mich, damit ich weiß, wann ich ungefähr dort ankomme.
Das Navi in meinem Volvo ist jetzt 15 Jahre alt (genau wie das Auto), wurde zwei mal aktualisiert und tut seinen Dienst. Also alles ist gut.
Ich hab noch ein altes TomTom-Navi, das dürfte jetzt auch schon gut über 10 Jahre alt sein, das nehme ich mit, wenn ich in einem Auto fahren muss, das kein fest eingebautes Navi hat.
Beim Oldie nutze ich es einmal im Jahr um zu sehen, ob er seine Höchstgeschwindigkeit noch erreicht, weil dar Tacho „lügt“ so zwischen 3% und 5% und das Navi zeigt die wahre „Geschwindigkeit über Grund“ an.
Ja, der technische Overkill macht alles teurer und komplizierter und anfälliger.
Auch wenn es hier Einige nicht mehr hören können, letztlich dient das (Navi, Smartphone, etc.) auch der Überwachung der Bürger und wir machen alle noch freiwillig mit – das verstehe ich wirklich nicht.
Noch was zum Volvo EX60. Ja mei, SUV halt, groß, schwer, teuer, Reichweite na ja, mein alter V70 schafft bei 125km/h locker 1400km Reichweite. Da fahr ich ganz gemütlich in die Toskana, ein paar Tage von einem Agriturismo zum nächsten und dann wier gemütlich heim. Ans tanken denke ich da erst wieder, wenn ich in Österreich bin, weil der Sprit da billiger ist. Vom Raum und Kofferaum brauchen wir nicht reden, schon damals war im V70 mehr Raum als im vergleichbaren SUV XC70, also bringe ich da locker mehr Weinkartons rein.
So, ein E-Auto sollte, da es ja viel einfacher Aufgebaut ist, deutlich billiger als ein Verbrenner sein (wurde imme so argumnetiert). Wenn der ex60 also 75.000 Öre/Zloty kostet, was würde dann mein V70, wenn es ihn heute neu geben würde, kosten? 150.000 Öre/Zloty?
Irgendetwas stimmt in dieser Welt nicht mehr und einen Fortstchritt kann ich nicht erkennen, Eine 2,4 Tonnen Kiste, mit 500 km Reichweite, die nur 350km in Wirklichkeit sind um den Preis?
Ich finde meinen V70 mit 1,8 Tonnen Leergewicht schon heftig, aber 2,4 Tonnen? Ach, und bei den 1400km fahre ich mit engeschalteter Klimaanlage, nur um Missverständnisse auszuräumen.
Jetzt schmeisse ich also meinen V70, der alle Stückerl spielt, weg, kaufe mir diesen ex60 für nicht wenig Geld und wenn in 10 Jahren die Batterie ausgelutscht ist, werfe ich die nächste Kiste weg? Das ist Nachhaltig und „real existierender Ökosozialismus“ à la 2026!
Danke Volvo oder besser Geely, da bin ich raus – auf diese Weise mit solchen Autos werden wir meiner Meinung nach die Probleme nicht lösen. Navi und Apfel hin oder her.
Ich bin ja ein bisschen in denn V60 verliebt.
Mit allem was man so braucht und noch ein bisschen, was man so will, kostet der zwischen 51 und 53 k, unverhandelt. Finde ich ganz angemessen.
Daß ein Neuwagen kein Apple Car Play hat, das finde ich auch seltsam.
Aber:
Festeingebaute Navigationsgeräte braucht man aus meiner Sicht nicht mehr, seit es Google Maps auf dem Telephon gibt.
Irgendwann sind sie immer veraltet, ich habe nur noch zwei Autos mit solch einem Navi, beide sind nicht mehr „upzudaten“ und insofern völlig sinnlos – für den Jaguar X350 gibt es wohl die Möglichkeit, mit einem sauteuren Modul Apple Car Play zu installieren. bis jetzt bin ich noch nicht bereit, soviel Geld zu investieren, stattdessen liegt gegebenenfalls das iPhone auf der Mittelkonsole – diese Saugnapfinstallation an der Frontscheibe ist für mich eine ästhetische Zumutung – und Google Maps leitet mich meistens zuverlässig um den Stau herum!
Blöd ist nur, wenn ausgerechnet dann, wenn man die Navigation braucht, ein wichtiger Anruf kommt…
Also, wie gesagt, ich habe da so eine Klemme im Handschuhfach, die man dann einfach auf ein Lüftungsgitter steckt. Die bleibt nahezu unsichtbar und das Handy „schwebt“ an günstiger Stelle.
Dann ist auch ein eingehender Anruf kein Problem, wenn mit, ja, Bluetooth gekoppelt, Navi läuft weiter, die Ansagen werden leise geschaltet.
Und einen Adapter für die Zigarettenanzünderbuchse habe ich auch, obenauf ein USB-Anschluss zum gleichzeitigen Laden. Zwei winzige, praktische Teile für ältere Autos.
Dieses updaten eines Navis halte ich für Geldschneiderei.
Wo werden denn ernsthaft neue Straßen gebaut? Ein kleines neues Wohngebiet oder eben mal, derzeit eher nicht, ein kleines Industriegebiet.
Oder, im Osten erlebt, mal eine neue Umgehungsstraße um einen Ort, aber da fährt man automatisch drauf, verliert kurz die Navigation und nach dem Ort ist sie wieder da.
Dann schau dir die Innenraumbilder vom EX60 mal an. Vor welcher Lüftungsdüse ist denn da Platz für ein iPhone?
Und möchte man in so einer fahrenden Spielhalle wirklich auf dem Smartphonedisplay navigieren? Das kabelgebundene CarPlay in unserem Superb ist eine Wohltat und das Auto ist 10 Jahre alt.
Ich würde CarPlay auf meiner Prioritätenliste irgendwo bei Klimaautomatik, Kurvenlicht und DAB einreihen.
Ich habe von älteren Autos gesprochen….
Man hängt das iPhone einfach über den überdimensionierten Monitor! Auch dafür gibt es praktische Halterungen
Ich gebe Herr Ruch Recht, das Nachreichen von Grundfunktionen (zu welchen ich CarPlay mittlerweile auch zähle in einem vollvernetzten Fahrzeug) ist eine Unsitte. Ich hätte mich nicht beklagt, wenn beim EX60, resp. bei den E-Volvos denn die Bluetoothverbindung mit einem iPhone zuverlässig funktionierte – bei mehreren von uns getesteten Modellen war das so ziemlich willkürlich.
Natürlich, die Musikapp kann direkt auf dem Fahrzeugcomputer ebenfalls geladen und zuverlässig genutzt werden, unsere eingespielte Rollenteilung (der Fahrer fährt und der Beifahrer ist der DJ auf seinem Handy) wurde durch das erforderliche Rumgetippe auf dem Zentralmonitor jedoch etwas gestört. Weil der ist im hoch montierten Querformat deutlich umständlicher und weniger bediensicher zu erreichen als die tiefliegenden Hochkantdisplays in ES90/EX90. Kurz: Erstweltprobleme 😉
Am EX60 sehr schade finde ich/finden wir jedoch die Materialqualität, insb. im Vergleich zum direkten Vorgänger XC60. Das ist nun eher so süddeutsch-Premium und nicht mehr der „alte“ Volvostandard. Will heissen: Ab Armlehne aufwärts ist alles gut und fasst sich nett an, darunter ödes und z.T. gratiges Hartplastik. Natürlich: Dort fasst man nicht immer hin, ist dem allgemeinen Wertigkeitsempfinden doch etwas abträglich. In den elektrischen 90er-Modellen wurde das deutlich besser und wertiger gelöst.
An dieser Stelle könnte ich noch weiterfahren, aber unter dem Strich: Der EX60 ist, beurteilt anhand der Stunden in denen ich damit das Vergnügen hatte, ein wirklich gutes Auto, dem jedoch der Rotstift und erzwungener Klassenunterschied zu den grösseren Modellen doch etwas anzumerken ist und das deshalb nicht so herausragend geriet wie es hätte werden können. In der Summe war dieser Umstand aussschlaggebend, dass wir uns gegen einen EX60 P10 und für einen ES90 Twin Performance entschieden. (Auch da wieder: Ein Erstweltproblem…)
Es geht noch „besser“.
Beim Grand Scenic IV waren die vorderen Türflächen ebenfalls so halb ansehlich obenrum, die hinteren Türen waren allerdings komplett popeligstes Hartplastik.
Dto. bei einem Interims-Focus Platinum (vorne Platinum, hinten Pastinum).
Den 75er Escort Mk2, den mir damals meine Mutter vermacht hat (das einzige Fahrzeug, das ich je geschenkt bekam, sogar das Mofa habe ich zusammengespart), waren die Türen vollflächig gleich bezogen, die hinteren Seitenteile auch.
War aber auch ein GL, also Grand Luxe.
Also ich finde Carplay auch unwichtig!!! Ich habe immer meine Sekretärin mit einer Olympia-Schreibmaschine am Beifahrersitz, die die Navigationsansagen abtippt und herüberreicht. Und schön singen kann!
Oder ich hole mir den neuen Polestar 4 SUV mit konsequenterem Styling und Heckscheibe.
…
(Und Carplay)
Carplay mit der Sekretärin? (5er in die Chauvikasse, schon gut.)