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Newsletter 39/2025

Rückblick

Dieser Tage war ich wieder einmal in Italien, in der Nähe von Pavia, durfte dort ein paar Lotus fahren (nicht nur, aber auch elektrische; davon erzähle ich dann in radical#5, Ende Oktober). Unter anderem fuhren ein paar Journalisten diese Lotus zu einer neuen Ladestation am Rande von Mailand, bestens zugänglich von der Autobahn, wo mehr als ein Dutzend Hypercharger (400 kW) installiert sind. Tatsächlich sog ein Lotus Emeya dort dann auch bei über 50 Prozent SOC (State of Charge) noch 340 kW aus der Leitung, das ist dann schon beachtlich, damit dürfte sich das Thema der zu langen Ladezeiten endgültig erledigt haben. Überhaupt habe ich gestaunt, wie gut das Ladenetz im Norden von Italien schon ausgebaut ist – E-Fahrzeuge sieht man zwar fast keine, aber die Infrastruktur ist ausgezeichnet.

Das ist aber nur teilweise die Geschichte, die ich erzählen will. Auf dem Rückweg fuhr ich mit einem Volvo EX30CC dann ab Mesocco über die alte Passstrasse des San Bernadino (unbedingt empfehlenswert!). Irgendwann lief ich auf einen ganz neuen BMW M4 auf, der sich dort am Berg auf dieser engen Gasse zwar redlich bemühte, aber schlicht nicht den Hauch einer Chance hatte. Der kleine Volvo zeigte sich deutlich agiler als der doch mächtige Bayer – und diesem vor allem beim Herausbeschleunigen aus der Kurve absolut überlegen. Ich hätte Kreise fahren können um den jungen Mann, der sich sichtlich gedemütigt fühlte, die Welt nicht mehr verstand. Aber es ist so: Freude am Fahren besteht nicht allein aus Auspufflärm.

Was will ich damit sagen? Ich staune je länger, je mehr darüber, wie schlecht die Verkaufszahlen der E-Autos in Mitteleuropa immer noch sind. Zwar hatte ich kurz das Gefühl, das Tal der Tränen sei durchschritten, doch die Zahlen sagen leider etwas anderes. Aber wenn ich meinen Kollegen, auch Journalistinnen so zuhöre, dann höre ich immer nur die gleiche alte und vor allem dumme Leier von wegen fehlender Infrastruktur, zu langen Wartezeiten und fehlendem Fahrspass. Das stimmt alles nicht. Punkt.

Und auch wenn ich weiss, dass ein Grossteil der radical-Leserschaft mit E-Mobilität gar nichts anfangen kann, kommt hier noch ein E-Auto: Rimac Nevera. Ich durfte das Gerät fahren – und war danach fassungslos. Dieser Stromer mit seinen fast 2000 PS schlägt in seinem Fahrleistungen – sowohl längs wie auch quer – alles, was ich je gefahren bin. Und weil das so komplett jenseitig ist, hat man gar keine Zeit zu bemerken, dass dieses Gerät ja gar keinen Lärm macht.

radical zero: Fahrbericht Rimac Nevera

Wenn Sie diese Geschichte nun anklicken, braucht es ein Passwort, um sie auch lesen zu können. Nach mehr als 5000 Stories und 15 Jahren Gratisinhalt geht nun also auch radical den Weg über eine Bezahlschranke, 39 Franken/44 Euro für den digitalen Vollzugang, 79 Franken/89 Euro im Jahr, wenn Sie dazu auch noch die Print-Ausgabe haben wollen. Wie das funktioniert, das lesen Sie: hier. Eine Übersicht darüber, was Ihnen ohne Abo so alles entgeht, finden Sie: hier.

Weiterhin for free gibt es aber weiterhin reichlich, keine Angst. Die am häufigsten gelesene Story in den vergangen zwei Wochen war der Fahrbericht zur Alfa Romeo Giulia 1750 GT Veloce – in der hoffentlich auch ganz klar wird, dass radical nicht vom Glauben abgefallen ist, nur noch über E-Autos schreiben will/wird. Selbstverständlich gehört unser Herz den Klassikern – und so eine Giulia lässt es deutlich lauter schlagen.

Fahrbericht Alfa Romeo Giulia 1750 GT Veloce

Nur ganz knapp hinter dem Alfa klassierte sich in der Lesergunst der Opel Ascona 400. Auch ein feiner Wagen, so ehrlich.

Fahrbericht Opel Ascona 400

Noch ein Fahrbericht eines schönen Klassikers? Aber gern:

Fahrbericht Peugeot 504 V6

Fleissig arbeiten wir auch an den Ruf Automobilen, so langsam haben wir zwar nicht den Durch-, aber immerhin den Überblick. Ein Neuzugang:

Ruf BTR(4) 3.8

Wie üblich, haben wir auch ein paar Geschichten aufgefrischt, erweitert, verbessert. Ein gutes Beispiel dafür ist der Renault 4, der war irgendwo verschwunden in den Untiefen des Netzes. Wir haben ihn wieder gefunden – und dann gleich noch etwa 100 Bilder aus vergangenen Zeiten angehängt. Das ist auch etwas für Romantikerinnen.

Renault 4, einst

Schon so richtig ausführlich war die Story zum Gordon Murray Automotive T.50 schon immer, ein Meisterwerk von Fabian Mechtel. Doch jetzt kommen die ersten Fahrzeuge auf den Markt, das hat zur Folge, dass wir mehr Bilder zeigen können.

Gordon Murray Automotive T.50

Mehr und immer mehr gibt es auch bei den Ferrari 250 GT/L Lusso, eh einer unserer Lieblinge. Der aber dann bald hinter der Bezahlschranke verschwinden wird. Also erfreuen Sie sich jetzt noch daran.

Ferrari 250 GT/L Lusso

Noch ein schöner Italiener, der Maserati Khamsin. Der meiner Ansicht nach völlig unterschätzt wird. Das ist ein feiner Wagen mit aussergewöhnlichem Design und einem schönen, auch zuverlässigen Motor.

Maserati Khamsin

Deutlich schräger ist da der Lamborghini Pregunta, ein Einzelstück, aus dem der Nachfolger des Diablo hätte werden können. Wurde er aber nicht – zum Glück? (Wenn ein Auto schon Frage heisst, dann wird man eine solche wohl stellen dürfen?)

Lamborghini Pregunta

Wie immer gibt es auch wieder mehr Ferrari F40, diesmal #90667 und #88605, wir können auch noch mehr Porsche 935 und Lamborghini LM002 bieten, haben etwas zu «La Voiture Noire» von Bugatti geschrieben und bei Pagani aufgeräumt. Und dann gibt es noch ein paar schöne Mazda-Geschichten aus unserer Beilage zu radical#4:

Interview Jo Stenuit, Chefdesigner Mazda Europe

Takumi oder: die Ehrfurcht vor dem ehrlichen Handwerk

Mazda und seine Kodo-Designsprache

Interview Matthias Walker, Managing Director Mazda (Suisse) SA

Und ganz zum Schluss noch dies: eine Erinnerung an den Abarth 695 biposto. Welch ein grossartiges Fahrzeug! Bleiben Sie uns gewogen, empfehlen Sie radical weiter.

3 Kommentare

  1. Hömal Hömal

    Ich habe diese heftige Aversion gegen E-Mobilität nie verstanden. Ich meine: Die Technik ist trotz allem noch sehr jung, viel hat sich schon verbessert und noch viel mehr wird kommen. Es sind ja schon die ersten E-Autos am Markt, die beweisen, dass sie deutlich mehr können als nur maximale Längsbeschleunigung.

    Ja, der Lithiumabbau ist nicht unproblematisch. Blöderweise kommt Benzin aber auch nicht aus der Zapfsäule sondern von einer Industrie, die massenhaft CO2 in die Luft bläst und für die mit Abstand größten menschengemachten nicht-nuklearen Umweltkatastrophen verantwortlich ist. Und nein, E-Autos brennen keineswegs öfter als Verbrenner, es steht bloß kein brennender Verbrenner in der Zeitung.

    E-Autos sind ein Traum zum Fahren, da lärmt nix, da vibriert nix, da muss nix geschaltet werden, da geht es geräuschlos in einem Zug vorwärts und statt zu bremsen rekuperiert man. Die Technik ist unglaublich viel einfacher (kostet einen Bruchteil in der Wartung) und so viel effizienter: Der drei Tonnen schwere Tesla Cybertruck braucht nicht mehr Energie als ein Dieselkleinwagen, um von A nach B zu kommen (1l Diesel = 9,8kW, Werksangaben).

    Ja, ich bin bekennender Liebhaber klassischer Automobile und der großartigen Ingenieurskunst, die dahinter steht. Aber die Zeit bleibt nicht stehen. Und so muss sich jeder von uns der Frage stellen: Gehe ich mit der Zeit, sehe ich die guten Dinge im Neuen oder vergrabe ich mich in einem rückwärtsgewandten Kulturpessimismus nach dem Motto: „Wann wird es endlich wieder so, wie es früher nie war?“. Ich lebe zu gerne, um mir meine Lebensfreude durch diese negative Haltung vermiesen zu lassen.

  2. Erwin Erwin

    Muss ich mir den selber bauen?

    ich hätte gerne folgendes.
    -100kw E-motor
    – ein 800 kilo leichtes 2 Sitzer Gerät.
    – und 23.900.-

    Ich bin sofort dabei. UND WO IST ES?

    ich will keine Würfel Amazon schachtel.. aus.

    Erwin 🙂

  3. Christian Christian

    Herr Ruch, aus eigener Erfahrung mit meinem großen Verwandten- und Bekannten kreis in einer Stadt im äüßersten Nordosten von Italien kann ich Ihnen sagen, warum es dort eine noch größere Aversion gegen E-Autos gibt.

    Jeder der in dieser Stadt lebt hat mindestens ein Auto oder eine oder mehrere Scooter bzw. Vespa (bei ca. 200 000 Einwohnern 300 000 zugalassene Scooter).
    Für den schnellen Sprint in die Stadt wird der Scooter genommen, das Auto dient vornehmlich dem Sonntagsausflug zum Mittagessen, das dann gerne zum Abendessen mutiert.
    Es gibt mittlerweile einige E-Scooter aber die eigene PV-Anlage ist im privaten Bereich absolute Fehlanazeige. Die meißten Häuser sind mit einem Stromanschluss mit maximal 3 KV angeschlossen – Wallbox und Schnelllader im Privatbereich praktisch nicht möglich.
    Wenn ich mir z.B. den „Strom-Hausanschluss“ der Häuser so ansehe, Freileitung an die die drei Kabel des Hauses „angetüdelt“ sind und dann mit Isolierband umwickelt sind, dann wundere ich mich, dass überhaubt der Kühlschrank und Fernseher funktioniert. Und das ist Standart! Wenn da einer sein E-Auto laden möchte fliegen vermutlich die Funken! Aus dieser „Beschränkung“ heraus gibt es E-Geräte, die speziell mit geringer Stromaufnahme für Italien gebaut weren.
    Für nächstes Jahr plant der italienische Staat ein Förderprogramm für private PV-Analgen, wobei der Staat 95% der Kosten !!!! übernehmen will, damit überhaupt was in dieser Richtung passiert, denn bis jetzt geht der ausbau nur sehr zögernd voran.
    Bei den meißten Häuser, vor allem diejenigen, die in den 1960/70 Jahren gebaut wurden, sind die Dachkonstruktionen nicht zur Aufnahme der Panele geeigent, weil die sich gerade so selbst tragen bzw. durch eine massive Dacheindeckung mit Mönch und Nonne gewichtsmäßig ausgelastet sind…. Die Freileitungen werden derzeit durch neue Masten und Kabel in gewissen Bereichen ertüchtigt.
    Der Strom ist für Privatpersonen auch in Italien sehr teuer und nur am Sonntag gibt es Sondertarife, wo dann auch fleißig Rasen gemäht und Wäsche gewaschen wird.
    Es gibt in den Städten ein gut ausgebautes und im Gegensatz zu Deutschland auch mittlerweile pünktliches Nahverkehrsnetz, vor allem mit Bussen. In der Stadt braucht man kein Auto, daher, siehe oben fährt man Scooter oder noch billiger mit dem Bus.
    Alle meine dortigen Bekannten und Verwandten fahren Ihre Autos sehr lange weil die eben nicht wegrosten – kein Streusalz usw. In der Regel werden die Autos gekauft, das Letzte ist meißtens ein Auto, was man mit der Abfindung kauft die man mit Rentenantritt erhält. Also fahren die Dinger 15 bis 20 Jahre. Die Skepsis, dass ein E-Auto so lange fährt ist sehr ausgeprägt bis hin zur offenen Ablehenung. Das „jüngste“ Auto im diesem Kreis ist derzeit ein 4 Jahre alter Subaru Forrester.
    Die Stadt selbst setzt seit letzem Jahr testweise einge Vollelektrische Busse ein – allerdings nur auf den Stadtlinien, die keine großen Steigungen aufweisen oder auf untergordneten Lienen „um den Kirchturm“. So richtig überzeugen können die gegenüber den Gasbetriebnen oder Euro6-Diselbussen aber nicht. Gut, sie sind leiser.
    Wenn man die Platzverhältnisse ein wenig kennt, die größe der Garage usw. dann wird man sehr schnell feststellen, dass die angebotetenen E-Fahrzeug viel zu groß sind. Der E-500 oder der R5 geht noch. Es fahren auch ein paar e-Ups rum, aber das war`s dann. Wenn die Zufahrt zum Grundstück nur 2,00m breit ist dann schränkt das halt doch ein wenig ein… und das ist eher der Standart als die Ausnahme.
    Parkplätze auf der Straße gibt es eh nicht mehr… also, was für ein Auto kaufen?

    Und um eine Sache wird öffentlich hier wie da nicht gesprochen. Der Anschaffungspreis ist und bleibt zu hoch vpor allem in Hinblick auf die mögliche Nutzungsdauer. Und wenn nach 8 Jahren aien neuer Akku fällig wird, ist das der wirtschaftliche Totalschaden. Sind wir wieder oben, beim jahrelangen fahren eines Autos. Für den täglichen Bedarf hat man ja den Scooter und den kann man billigst entweder reparieren oder neu kaufen.

    Es gibt gute Gründe gegen das E-Auto und das nicht nur bei uns!
    Ja, und wenn die Luftqualität wieder einmal „bescheiden“ ist, dann gibts halt Fahrverbote und Straßensperrungen. In Deutschland undenkbar, in Italien ist das aber Realität. Dann fährt man halt öffentlich… oder macht Homeoffice. Allerdings, war die letzten Jahre die Luft wohl nicht merh so schlecht, denn das letzte Fahrverbot im Winter, war glaube ich 2015 oder 2016….

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